ÖHB-Team vor EM-Auftakt: Außenseiterrolle, alter Flow und deutsche Giftpfeile

Die ÖHB-Auswahl will gegen Favorit Deutschland überraschen
Die ÖHB-Auswahl will gegen Favorit Deutschland überraschenTERESA SUAREZ / EPA / Profimedia

Übermorgen startet für Österreich die Handball-Europameisterschaft und gleich zum Auftakt wartet mit Deutschland der erste Prüfstein in einer der härtesten Gruppen des Turniers. Spanien und Serbien komplettieren den Pool in Herning, mindestens eines dieser Topteams muss Österreich für den Sprung in die Hauptrunde hinter sich lassen. Die Ausgangslage ist klar. Der Ton in den Interviews ist es seit wenigen Tagen auch.

Für zusätzliche Brisanz sorgte Deutschlands Tormann Andreas Wolff. Der Weltklasse-Keeper schoss in einer Medienrunde scharf gegen den ÖHB. Österreich spiele „absoluten Anti-Handball“, sei „unattraktiv“ und profitiere als Außenseiter davon, dass „das ein oder andere Foul durchgeht“. Auch das offensive 7-gegen-6 und die Spielgestaltung von Mykola Bilyk und Lukas Hutecek nahm Wolff ins Visier – von „Hässlichkeit“ im Angriff war die Rede. Einen „Leckerbissen“ erwartet er nicht.

Klar ist nach diesen Aussagen: Spätestens jetzt kann es aus österreichisches Sicht wohl keine Motivationsprobleme mehr geben. Wer nach diesen Aussagen gegen Deutschland nicht "brennhaß" auf der Platte steht, dem ist auch nicht mehr zu helfen. 

 

 

Leckerbissen hin oder her - der Erfolg gab Österreich Recht. Denn genau mit dieser Spielweise hat Rot-Weiß-Rot zuletzt wiederholt gezeigt, dass man auch gegen die Großen bestehen kann. Bei der EM 2024 gelangen Remis gegen Spanien und Kroatien, am Ende stand erneut Platz acht. In diesem Jahr gilt es, erneut diesen Flow zu finden. „Wir wollen wieder einen Hype auslösen“, sagte Sebastian Frimmel. Im Jahr 2024 hat das Team in Handball-Österreich tatsächlich einen echten Hype ausgelöst. Und auch medial hat sich einiges getan. War es damals noch eine besondere Aktion, dass die späteren Spiele live in ORF 1 zu sehen waren, passiert das 2026 schon direkt bei allen drei Gruppenspielen. 

Der EM-Kader steht

Kurz vor dem Abflug gab es vom ÖHB ein positives Personal-Update. Sämtliche zuletzt angeschlagenen Spieler sind wieder fit. Elias Kofler nach dem Spiel gegen Frankreich ebenso wie Michael Miskovez nach der Partie gegen Slowenien. Die Vorbereitung brachte zwar keine Siege, aber Klarheit. Der Trainer und so mancher Spieler fanden nach den Spielen teils deutliche Worte. Immerhin: Gegen Frankreich konnte Österreich über weite Strecken mehr als nur mithalten. Hier war schon ein Stück weit jenes Österreich zu sehen, das sich alle auch in den Spielen gegen die großen Namen bei der EURO erhoffen.

Vor der Abreise nach Dänemark musste Teamchef Iker Romero noch den Kader von 18 auf 16 Spieler reduzieren. Nicht im finalen Kader stehen Nicolas Paulnsteiner und Emanuel Petrusic. Romero erklärte dazu, dass alle einberufenen Spieler ihre Bereitschaft gezeigt hätten und die beiden nun ausgeschiedenen Akteure weiterhin wichtiger Teil des Nationalteams und der Zukunft seien.

Der endgültige EM-Kader bringt enorme Erfahrung mit. Insgesamt stehen 1.128 Länderspiele und 2.696 Tore im Aufgebot. Routinier Janko Bozovic führt beide Statistiken an. Er kommt auf 203 Einsätze und 576 Treffer. Das Team bezieht sein Quartier in Silkeborg, die Vorrundenspiele steigen im nahe gelegenen Herning.

Der Auftakt gegen Deutschland ist damit mehr als nur ein Gruppenspiel. Die jüngsten Duelle endeten jeweils remis, der Respekt ist da – auch wenn Wolff verbal vorgelegt hat. Bilyk formulierte das österreichische Ziel klar: Deutschland nicht nur ärgern, sondern „endlich einmal schlagen“. Gelingt das, wäre der Weg in die Hauptrunde offen. Und die Diskussion über „Anti-Handball“ schnell eine andere.

 

 

Vorrunden-Spielplan

Deutschland vs. Österreich - Do., 15. Jänner 2026, 20:30 Uhr, Herning (DEN), live auf ORF 1

Österreich vs. Spanien - Sa., 17. Jänner 2026, 18:00 Uhr, Herning (DEN), live auf ORF 1

Österreich vs. Serbien - Mo., 19. Jänner 2026, 18:00 Uhr, Herning (DEN), live auf ORF 1

Vorrundengruppen

Gruppe A in Herning (DEN): Deutschland, Spanien, Österreich, Serbien

Gruppe B in Herning (DEN): Dänemark, Portugal, Nordmazedonien, Rumänien

Gruppe C in Oslo (NOR): Frankreich, Norwegen, Tschechien, Ukraine

Gruppe D in Oslo (NOR): Slowenien, Färöer, Montenegro, Schweiz

Gruppe E in Malmö (SWE): Schweden, Kroatien, Niederlande, Georgien

Gruppe F in Kristianstad (SWE): Ungarn, Island, Polen, Italien