Nach Sander Sagosen und seinen wieder erstarkten Norwegern stand Miro Schluroff nicht der Sinn. Runterfahren nach dem hitzigen Portugal-Krimi war angesagt. Eine Runde Siedler von Catan, "quatschen und einfach zusammensitzen", so die Pläne des viel gelobten Scharfschützen der deutschen Handballer.
Auf dem Weg zur ersehnten Medaille tankten Schluroff und seine Mitspieler am spielfreien Freitag neue Kraft. Vor ihrer nächsten EM-Prüfung gegen die Skandinavier könnte die Motivation größer kaum sein.
"Wir sind unfassbar heiß", betonte Shootingstar Schluroff mit Blick auf die Partie am Samstag (20:30 Uhr/ZDF): "Wir wollen die nächsten zwei Punkte in dieser Hauptrundengruppe holen und den Weg weiter ebnen fürs Halbfinale."
Deutschland ist Tabellenführer
In Todesgruppe I liegt Deutschland vor dem zweiten Spieltag als einziges Team mit 4:0 Punkten an der Spitze. Norwegen steht wie Olympiasieger Dänemark, Titelverteidiger Frankreich und Portugal bei 2:2 Zählern.

Dass die deutsche Mannschaft das Tor zum Halbfinale mit einem weiteren Sieg nun ganz weit aufstoßen kann, liegt auch an Allzweckwaffe Schluroff, der gegen Portugal in der zweiten Halbzeit sieben seiner acht Würfe versenkte.
Der Mann mit dem "unfassbaren Hammer" (O-Ton Andreas Wolff) ist bislang DIE deutsche EM-Entdeckung. "Der Torhüter hat überhaupt nicht gesehen, wo der Ball herkam", lobte Bundestrainer Alfred Gislason, der genau weiß, was er an seinem Rückraumspieler hat.

Chatton setzt auf den X-Faktor
Waren es in den vorherigen Spielen Keeper Wolff oder Renars Uscins, die hervorstachen, gab neben dem gewohnt starken Wolff diesmal vor allem Schluroff im deutschen Spiel den Ton an.
"Wenn wir es schaffen, dass wir immer wieder ein, zwei Spieler in eine herausragende Form bringen pro Spiel", sagte Nationalmannschaftsmanager Benjamin Chatton, "dann haben wir diesen X-Faktor, den wir wahrscheinlich auch brauchen."
Gislason warnte davor, die Partie gegen Norwegen als Selbstläufer zu betrachten. "Die Norweger sind jetzt wieder deutlich stärker als die letzten zwei Jahre", sagte der 66-Jährige. Vor allem der Ex-Kieler Sagosen sei in "sehr starker Form". Laut Schluroff müsse man jedenfalls "unfassbar aufpassen".
