"Menschen, die mich gut kennen, haben längst gesehen, dass es mittlerweile nicht mehr 'nur' Heimweh ist, sondern meine mentale Gesundheit ernsthaft gefährdet ist", schrieb Golla bei Instagram. Man kann nur erahnen, wie sehr ihn die Pfiffe der Fans am Wochenende getroffen haben, als publik wurde, dass es ihn von der MT Melsungen zurück zur SG Flensburg-Handewitt zieht. In den Norden, wo er sich erst im Sommer nach acht Jahren verabschiedet hatte.
Golla "versteht" die Reaktion der MT-Anhänger, schreibt er, und "natürlich" auch die Aussage der Melsunger Verantwortlichen, dass Verträge erfüllt werden sollten. Doch der Kreisläufer und Familienvater von zwei Kindern sieht sich außerstande, seinen erst im Sommer angetretenen Vertrag bei den Nordhessen bis 2031 zu erfüllen. Er sei sich "im Klaren darüber, dass die Entscheidung für den Vertrag in Melsungen verfrüht war".
Gollas emotionales Statement platzt mitten in den Vertragspoker der beiden Klubs. Flensburg arbeitet im Hintergrund längst an einer Rückholaktion seines verlorenen Sohnes und spricht von einer Ausstiegsklausel. Die MT wiederum wird Gollas Flucht aus Melsungen kaum verhindern können, und so wird es für den Klub in den kommenden Tagen nun auch darum gehen, eine möglichst hohe Ablösesumme zu erzielen. Im Raum steht die für den Handball aberwitzige Zahl von 1,5 Millionen Euro.
Dass es am Ende zu einem Wechsel kommt, gilt spätestens nach den aufwühlenden Golla-Zeilen als sicher. Erste Verhandlungen zwischen Melsungen und Flensburg haben bereits stattgefunden, "aber da haben sie eine Absage bekommen", sagte MT-Sportvorstand Jesper Larsson. Ljubomir Vranjes, Sportlicher Leiter der SG, betonte: "Natürlich unterstützen wir Johannes. Er ist eine Legende in unserem Verein."
Golla: Mehr auf "mentale Gesundheit" achten
Golla will das Thema schnellstmöglich klären. Das letzte Jahr sei für ihn und seine Familie "außerordentlich schwer" gewesen, schreibt er: "Der Abschied von Flensburg und all den geliebten Menschen dort hinterlässt Spuren. Deshalb habe ich offen und aufrichtig das Gespräch mit Melsungen gesucht und mich dabei ehrlich und so verletzlich wie noch nie gezeigt."
Die Offenlegung seines Innersten dürfte in den anstehenden Verhandlungen durchaus eine Rolle spielen. Vor allem soll sie Golla aber dabei helfen, aus seinem Loch herauszukommen. Als jemand, "der den Handball liebt seitdem er ein kleines Kind ist, gebe ich seit mehr als zehn Jahren immer 100 Prozent", schreibt er.
"Das möchte ich auch in Zukunft. Das kann ich aber nur, wenn es mir gut geht. Und mir kann es nur gut gehen, wenn ich nicht nur auf körperliche, sondern auch auf mentale Gesundheit achte und für mich selbst und meine Familie einstehe." Nun möchte er "alles dafür geben, meine Zukunft aktiv mitzugestalten".
Golla ist mit seinem Beitrag in den Sozialen Medien in die Offensive gegangen. Nun sind die Vereine am Zug.
