Herzstillstand, Höhenflug, Halbfinale? Stale Solbakkens besonderer Weg im "zweiten Leben"

Stale Solbakkens besonderer Weg ist wie aus einem Märchen.
Stale Solbakkens besonderer Weg ist wie aus einem Märchen.ČTK / AP / Rebecca Blackwell

Vor 25 Jahren war Stale Solbakken für mehrere Minuten klinisch tot. Jetzt möchte er sich unsterblich machen und mit Norwegen ins WM-Halbfinale einziehen.

Stale Solbakken war 14 Jahre alt, und er konnte kaum noch hinsehen. Die WM 1982 flimmerte über den Bildschirm, der norwegische Teenager fieberte mit den Engländern um sein Idol Kevin Keegan - und musste ein folgenschweres 0:0 gegen Spanien mit ansehen. Die Three Lions waren raus, Solbakken sank in sich zusammen. "Das ist meine schlimmste WM-Erinnerung", erzählt er, "denn ich war zu dieser Zeit sehr anglophil."

Im Viertelfinale am Samstag (23.00 Uhr MESZ/MagentaTV) dürfte die Trauer über ein englisches Aus bei der Weltmeisterschaft nun deutlich geringer ausfallen - dann nämlich will der norwegische Nationaltrainer mit seinem Team selbst eine große Geschichte schreiben, die für immer in Erinnerung bleibt.

Match-Center: Norwegen vs. England

Solbakkens zweites Leben

Dass Solbakken überhaupt noch einmal Teil einer solchen werden könnte, schien in dramatischen Augenblicken vor 25 Jahren ausgeschlossen. Es war der 13. März 2001, als Solbakken im Training des FC Kopenhagen einen Herzstillstand erlitt. "Er war klinisch tot", sagte Teamarzt Frank Odgaard später. Der damals 33-jährige Solbakken lag nach schneller Behandlung noch 26 Stunden im Koma, doch er überlebte, "ein Wunder" sei das, sagte der Arzt.

Die Karriere als Profifußballer war nach zwölf Jahren und 58 Länderspielen damit abrupt beendet, doch Solbakken hat seither ohnehin einen anderen Blick auf seinen Beruf. "So ein Erlebnis verändert dich natürlich", sagte er einmal dem englischen Guardian: "Davor wollte ich immer gewinnen, koste es, was es wollte. Aber ich habe erkannt, was im Leben wichtig ist."

Solbakken begann seine zweite Karriere, als Trainer fand er seine Berufung. Aus der Heimat Norwegen führte ihn sein Weg zum FC Kopenhagen, und dort hätten sie ihn am liebsten nie wieder gehen lassen. Fünfmal holte Kopenhagen den Meistertitel, sorgte sogar in der Champions League für Aufsehen, Solbakken galt als Visionär mit neuen Ideen - und sollte diese 2011 beim 1. FC Köln in der Bundesliga umsetzen.

"Druck ganz bei England"

Es wurde ein kurzes Kapitel, an das Solbakken ungern zurückdenkt. "Es war ein bisschen unruhig damals", sagte er einmal trocken. Der Effzeh steckte unter seiner Regie tief im Abstiegskampf, nach einem 0:4 gegen Mainz 05 vier Spieltage vor Saisonende wurde Solbakken beurlaubt.

Schon vor diesem Abenteuer in Deutschland war er übrigens als norwegischer Nationalcoach vorgesehen gewesen, 2020 fand dann endlich zusammen, was zusammen gehört. Geschichte haben Trainer und Team nun bereits geschrieben: Erstmals seit 28 Jahren ist das Land bei einer WM dabei, der Einzug ins Viertelfinale ist ein historisches Novum. Doch Solbakken und seine Mannschaft wollen mehr. "Der Druck ist ganz bei England", sagte Kapitän Erling Haaland vor dem Duell.

Zeit also, für neue Erinnerungen zu sorgen, bei Millionen Fans in der Heimat - und in den eigenen Köpfen. Auch die Stars wie Haaland und Martin Ödegaard "haben in ihrer Jugend vor dem Fernseher gesessen und WM geschaut, sie werden sich an viele Stunden erinnern", sagt Solbakken: "Und jetzt sind sie selbst dabei."