Was im ersten Moment wirkt wie ein Schreibfehler, hat tatsächlich seine Richtigkeit - seit März nämlich darf von der Heyde für Deutschland ran und greift beim Turnier in Belgien und den Niederlanden mit dem DHB-Team nun nach der ersten Medaille seit 1998. "Sie ist eine sehr starke Spielerin, ihr Ehrgeiz und ihre Erfahrung tun uns sehr gut", sagt Bundestrainerin Janneke Schopman vor dem Auftakt in Wavre am Samstag (11.30 Uhr/alle Spiele kostenlos bei MagentaTV) gegen Schottland.
Von 105 Argentinien-Länderspielen zum DHB-Team
Was ihrer neuen Mittelfeld-Antreiberin diesen seltenen "Transfer" im Nationaltrikot ermöglichte? Drei Jahre ohne Spiel für Argentinien und der Erwerb der deutschen Staatsbürgerschaft. Seit 2018 spielt und lebt von der Heyde in Mannheim, sie spricht gut Deutsch und bestand schließlich den Einbürgerungstest.
"Sie ist jetzt 100 Prozent Deutsche", sagt auch Schopman, "wenn sie dabei ist, will sie immer gewinnen." Im Januar hatte der Weltverband FIH sein Go gegeben, von der Heyde zeigte sich "sehr dankbar für die Möglichkeit" - und bereitet sich seither mit dem deutschen Team auf die WM vor. Wo es am Montag (17 Uhr) nun eben zum Kracherduell mit Argentinien kommt.
Besonderes Wiedersehen bei der WM
Für von der Heyde wird das ein besonders emotionales Spiel, für ihr neues Team ein richtungsweisendes. Denn nach dem Mega-Umbruch im Anschluss an die Olympischen Spiele von Paris weiß die Mannschaft selbst noch nicht ganz, wo sie steht.
Zum Match-Center: Deutschland vs. Argentinien
Eine Niederlage gegen die Weltranglistenzweiten würde den Hoffnungen auf eine überraschende erste WM-Medaille seit 28 Jahren einen Dämpfer versetzen. Das abschließende Vorrundenspiel gegen die USA am Mittwoch bekäme dann bereits entscheidenden Charakter. Zudem werden gewisse Punkte aus der Gruppenphase in die neu eingeführte Zwischenrunde mitgenommen.
Von der Heyde soll Deutschlands Wundertüte helfen
Die letzten Ergebnisse (je zwei Siege gegen Irland und China) machen Mut - und doch sind die DHB-Frauen ähnlich wie die Männer, die am Samstag (14.30 Uhr) gegen Underdog Malaysia in die Doppel-WM starten, vor Turnierstart eine Wundertüte. Da tut die Erfahrung einer Lucina von der Heyde, die 2018 zur besten Jugendspielerin des WM-Turniers gekürt wurde, besonders gut. "Ich habe mich sehr gefreut, weil ich sie und ihre Qualitäten aus der Bundesliga gut kenne", sagt Co-Kapitänin Linnea Weidemann über ihre neue Mitspielerin, deren Fall ein seltener ist, aber kein einzigartiger.
Der Weltklasse-Eckenschütze Gonzalo Peillat war 2016 mit Argentinien Olympiasieger geworden. Nach einem langen Streit mit dem argentinischen Verband wechselte er 2022 ebenfalls das Nationaltrikot - und führte Deutschland 2023 überraschend zum WM-Titel. Von der Heyde will dem Deutsch-Argentinier, der diesmal mit einem Kreuzbandriss ausfällt, nun nacheifern.
