Nach starken Leistungen bei den rauschenden Heimspringen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen gehen "meine beiden Superspringer", wie Bundestrainer Stefan Horngacher sein Top-Duo aus dem warmen Kaminzimmer der Teamherberge heraus nannte, als Gesamtvierter (Hoffmann) und -sechster (Raimund) mit Podesthoffnungen in die zweite Tourneehälfte. Dazu müssen sie aber am Sonntag (13.30 Uhr/ZDF und Eurosport, Quali am Samstag) am mythischen Bergisel bestehen, wo deutsche Träume schon oft bitterböse platzten.
"Ach, ich finde es eigentlich ganz angenehm, da zu springen. Der Kessel mit den ganzen Fans - das ist schon cool", sagt Hoffmann, der im Vorjahr bei seiner Innsbrucker Tournee-Premiere noch 44. wurde. Mit 28 Jahren bestreitet dieser "brave, aber sehr ehrgeizige Sportler" (Horngacher) seine erste komplette Tournee - und glänzt mit bestechender Stabilität: Dritter in Oberstdorf, Sechster in Garmisch-Partenkirchen. "Wie der Philipp hält er dem Druck sehr gut stand", sagt Horngacher.
In "den Philipp" indes setzt der Bundestrainer in Innsbruck ganz große Hoffnungen. Klar: Haushoher Favorit ist wieder der slowenische "Endgegner" Domen Prevc, der ungeschlagen und mit riesigem Vorsprung ins Tournee-Finale geht. "Auf den schauen wir aber gar nicht", sagt Horngacher. Raimund jedoch, "dem taugt Innsbruck voll, das ist seine Schanze".
Und deshalb erwartet Horngacher, dass Raimund nach den erhofften, aber verpassten Podestplätzen daheim "heiß ist. Er bleibt ein Kandidat für das Gesamtpodest - und das will er sich sicher holen." Schicksalsberg hin oder her. "Ich hatte nie ein Problem mit Innsbruck und freue mich sehr auf den Wettkampf", sagt Raimund.
Raimund macht nur "kleine" Fehler
Doch was ist da eigentlich dran, am deutschen "Schicksalsberg"? Nun: Severin Freund stürzte dort als Mitfavorit bei der Tournee 2016 ebenso wie zwei Jahre später Richard Freitag, der 2015 als bislang letzter Deutscher am Bergisel gewonnen hatte. Markus Eisenbichler (2019) und Karl Geiger (2020 und 2021) patzten jeweils als Gesamtzweite böse und verspielten den Tourneesieg. Allerdings: Bei der WM 2019 holten dort Markus Eisenbichler und Karl Geiger Gold und Silber sowie Gold mit dem Team.
Und wen auch immer man im deutschen Team fragt: Alle mögen die altehrwürdige Schanze hoch über dem Inntal. Vielleicht also ist Raimunds "Schicksal", dass er ausgerechnet seinen ersten Weltcupsieg auf dieser Schanze holt? "Er springt auf einem sehr hohen Niveau", sagt Horngacher, "er macht keinen großen Fehler - aber kleine."
Nicht einmal Mini-Fehler begeht derzeit Tournee-Primus Prevc. Und deshalb haben sich auch die Deutschen mit der Vormachtstellung des Superfliegers abgefunden. "Wir haben hier kein Video von ihm. Und wenn wir eines hätten, würden wir uns es nicht anschauen", sagt Horngacher. Kopieren kann man eben einen Einzigartigen nicht - da müssen seine beiden "Superspringer" eigene Lösungen finden.
