Und so stand er da, der Mann des Abends, einen Stoffbeutel mit seinem Trikot und seinen Fußballschuhen in der Hand, und klammerte sich an das Prinzip Hoffnung. "Ich kenne meine Rolle", sagte Undav tapfer, "aber durch Tore - und auch wichtige Tore - kann sich die Rolle vielleicht verändern. Ich versuche, weiter Gas zu geben und Tore zu machen für die Mannschaft."
Zum Match-Center: Deutschland vs. Ghana
Wie bei seinem Siegtreffer zum 2:1 (1:0) gegen Ghana im letzten Test der deutschen Nationalmannschaft vor der Bekanntgabe des WM-Kaders am 12. Mai. Dass Undav dann zu den 26 Auserwählten zählen wird, hat Nagelsmann ihm schon in Aussicht gestellt, obwohl ihn das "Dauerthema Deniz Undav" nervt. Einen Stürmer mit der Quote des 29-Jährigen, sagte er, "kann man nicht zu Hause lassen". Aber sehr wohl auf die Bank setzen.
Denn so sehr der Treffer Undavs Hoffnungen schürte, so sehr bestätigte er Nagelsmann. "Wir brauchen auch im Sommer Joker, um Spiele zu entscheiden", sagte er entschieden, "das ist sein Auftrag, das ist seine Rolle."
In Nagelsmanns Neuner-Ranking stehen Rückkehrer Kai Havertz ("extrem wichtig für uns") und Nick Woltemade, um den sich der Bundestrainer trotz Formkrise "keine Sorgen" macht, vor Undav. Dass der VfB-Profi von "seinem" Publikum lautstark gefordert wurde - geschenkt. Gut, stellte Nagelsmann kühl klar, habe er vor seinem Tor (88.) nicht gespielt.
Undav will auch "über 90 Minuten" Leistung bringen
Aber, gab Nico Schlotterbeck zu bedenken, "er hat geliefert". Der Dortmunder dachte mit großem Respekt an das bevorstehende Bundesliga-Duell. "Ich hoffe mal, dass ich ihn am Samstag im Griff habe", meinte er schmunzelnd. Auch Joshua Kimmich lobte den Matchwinner: "Es ist wichtig, dass wir Spieler haben, die in den letzten 30, 35 Minuten den Unterschied machen können, dass wir einen Impact von der Bank haben - gerade bei einem Turnier."
Darauf setzt Nagelsmann. Undav, erläuterte er, könne seine Stärken bei nachlassenden Gegner-Kräften noch besser ausspielen. Der Angreifer hielt dagegen: "Ich kann es auch über 90 Minuten zeigen!"
Diese forsche Art, das ließ der Bundestrainer durchblicken, findet er mitunter drüber. "Er setzt sich mit seinen Aussagen selber unter Druck. Wenn er damit klarkommt, soll er es machen. Er muss es umsetzen auf dem Feld." Als Joker.
