Kommentar: "Alle großen Titel gleichzeitig halten"? Das schafft auch Littler nicht

Luke Littler mit der Trophäe der UK Open.
Luke Littler mit der Trophäe der UK Open.Kieran Cleeves/PDC

„Das Hauptziel ist es, alle großen Titel gleichzeitig zu gewinnen und zu halten“, sagte Luke Littler nach seinem Titel bei den UK Open 2026. Ein ambitioniertes Ziel, das den aktuell wohl besten Dartsspieler der Welt antreibt. Doch obwohl „The Nuke“ die ersten drei Majors des Jahres gewann, ist auch für einen Spieler seiner Klasse jeder Major-Titel eine Herausforderung.

Littler ist seit gut zwei Jahren, als er bei seinem WM-Debüt direkt ins Finale stürmte, in der Weltspitze angekommen. Zwölf Major-Titel hat der Engländer seitdem gewonnen und damit bereits die drittmeisten in der Geschichte der PDC. Lediglich die großen Phil Taylor (84 Titel) und Michael van Gerwen (51) haben noch mehr.

Doch bei Taylor und van Gerwen sind wir bereits an der richtigen Anlaufstelle, denn auch die beiden wohl größten Spieler, die die PDC je gesehen hat, konnten nie alle Majors eines Jahres gewinnen. Van Gerwen gewann im Jahr 2016 neun von zwölf Major-Turnieren – zweimal verlor er im Finale. Taylor kam mehrfach auf acht Major-Titel in einem Jahr, 2008 und 2009 war dies bei nur zehn ausgetragenen Majors.

Nimmt man es im Übrigens ganz genau, schaffte es Taylor zu einer Zeit, als es noch deutlich weniger Major-Turniere gab: 1995 und 1997 gewann er beide Majors, 2000 alle drei und 2002 alle vier Veranstaltungen. 2005 trennte „The Power“ ein Titel zur perfekten Sieben-Major-Saison.

Betrachtet man nur die moderne Zeit seit 2008 – ab diesem Jahr wurden mindestens zehn Majors in einer Saison ausgetragen – war Taylor tatsächlich einmal nah dran, alle Majors gleichzeitig zu halten. Von Juli 2008 bis Februar 2009 gewann der Engländer acht Titel am Stück und hätte nur noch seinen Premier-League-Titel verteidigen und die UK Open gewinnen müssen. Letzteres gelang ihm, ersteres jedoch nicht.

Leistungsdichte ist gewachsen

Aber zurück zu Littler. Der zweimalige Weltmeister hat sich in den letzten Jahren den Status erarbeitet, dass er in jedem Turnier, an dem er teilnimmt, als Favorit gehandelt wird. Dennoch gewinnt er bei weitem nicht jedes. Besonders in kurzen Matches gilt „The Nuke“ häufig als schlagbar. Von Matches, die mindestens 20 Legs andauern, verlor er erst ein einziges: das WM-Finale 2024.

Die Darts-Welt hat jedoch eine extrem hohe Leistungsdichte erreicht. Machten vor einigen Jahren noch die gleichen großen Namen jeden Titel unter sich aus, so gab es in der Vergangenheit immer wieder Überraschungssieger. So war er nordirischer World-Cup-Sieg 2025 nicht zwingend erwarten. In 2024 gewannen in Mike De Decker und Ritchie Edhouse Spieler Major-Titel, die davor und danach wenig zeigten.

Schon lange reicht es nicht mehr, konstant gut zu spielen, da jedem Spieler aus den Top 32 zuzutrauen ist, einen Ausreißer nach oben zu haben. 2025 scheiterte er beim World Cup of Darts zusammen mit Luke Humphries an Martin Schindler und Ricardo Pietreczko, bei der Darts-EM an James Wade, beim World Masters an Jonny Clayton, im Premier-League-Finale an Humphries und bei den World-Series-Finals an van Gerwen. Dreimal reichten Averages von über 100 nicht.

Gut, aber nicht unschlagbar

Littler ist der unumstritten beste Spieler der Welt, jedoch nicht so weit vor allen anderen, als das er unschlagbar ist. Für ein Jahr ohne Major-Niederlage benötigt man neben Talent auch jede Menge Glück. In der Vergangenheit hat sich mehrfach gezeigt, dass auch die besten Spieler hiervon nicht unendlich haben. Wird Littler sein großes Ziel also jemals erreichen? Eher nicht.

Claas Becker, Editor
Claas Becker, EditorFlashscore

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