"Komplett verrückt": Tischtennis-Spätstarterin Winter mischt die Weltspitze auf

Sabine Winter bei ihrem Match gegen Sun Yingsha
Sabine Winter bei ihrem Match gegen Sun YingshaYU YANG / XINHUA VIA AFP

Die "ordentliche Klatsche" im Halbfinale musste Sabine Winter erst einmal verdauen. "Ich hätte gerne etwas mehr Widerstand geleistet, aber Sun Yingsha hat mich auseinandergenommen", sagte die "Anti-Heldin" des deutschen Tischtennis geplättet von der Dominanz der chinesischen Weltmeisterin. Doch von Enttäuschung keine Spur. "Bronze beim World Cup ist der größte Erfolg meiner Karriere", jubelte Winter.

Ihr Lohn nach einem denkwürdigen Turnier in Macau: Winter gehört seit Ostermontag in der Weltrangliste auf Platz neun erstmals zum elitären Kreis der Top Ten. "Das ist eigentlich komplett verrückt. Das habe ich selbst nicht für möglich gehalten", kommentierte sie ihre vorhergesagte Verbesserung um drei Plätze nach dem 0:4 gegen Sun.

Zum Match-Center: Sun Yingsha vs. Sabine Winter

Es ist noch nicht allzu lange her, da war Sabine Winter (33) eine gute Tischtennisspielerin, konstant deutsche Spitze, in Europa oft zu großen Siegen fähig. Im April 2026 ist sie eine Gefahr für fast alle asiatischen Topspielerinnen, ihren Konkurrentinnen auf dem heimischen Kontinent scheint sie weit enteilt zu sein. Möglich gemacht hat das eine Materialumstellung auf der Rückhand vor gut einem Jahr.

Winter: Bronze in Macau "komplett verrückt"

Mit ihrem Anti-Topspin-Belag bringt Winter die Gegnerinnen zur Verzweiflung, erstaunliche Erfolge reiht sie aneinander. Im Herbst des vergangenen Jahres erreichte sie das Finale beim WTT-Champions-Turnier in Montpellier. Zuletzt gewann sie souverän das Europe Top 16 und erreichte das Halbfinale beim Singapore Smash. Keine Europäerin vor ihr war bei einem Turnier der hochdotierten WTT-Serie so weit gekommen.

Irgendwann, hatte Winter befürchtet, werden die Konkurrentinnen ein Mittel gegen ihr unkonventionelles Rückhandspiel gefunden haben - doch bislang mischt sie die Weltspitze weiter auf. In Macau schlug sie im Viertelfinale die chinesische Teamweltmeisterin Wang Yidi mit 4:0, auch dank ihrer überragenden Beinarbeit und einer gnadenlosen Vorhand.

Als zweite Deutsche nach ihrer früheren Doppelpartnerin Petrissa Solja 2015 zog sie so ins Halbfinale des prestigeträchtigen Turniers ein. "Der World Cup mag zwar nicht besser besetzt sein als ein Grand Smash, aber es ist und bleibt der World Cup, den es dazu auch nur einmal im Jahr gibt", sagte Winter: "Und um ehrlich zu sein: Es ist komplett verrückt, dass ich mit einer Bronzemedaille nach Hause fliegen darf."