Mit Höhenangst zur Heim-WM: Skisprung-Hoffnung Raimund trotzt dem Paradox

Philipp Raimund ist der deutsche Hoffnungsträger für die WM in Oberstdorf.
Philipp Raimund ist der deutsche Hoffnungsträger für die WM in Oberstdorf.KENTA HARADA / GETTY IMAGES VIA AFP

Wenn Philipp Raimund auf einem Lochgitter steht, bekommt er ein flaues Gefühl im Magen. Auch 50 Meter in die Tiefe schaut er nicht gerne. Raimund hat Höhenangst - nicht die besten Voraussetzungen also für die am Donnerstag beginnende Skiflug-WM in seiner Heimat Oberstdorf. "Das ist ein riesiges Paradox", sagte der 25-Jährige einmal im Sportschau-Podcast: "Ich habe mir da selbst ein Bein gestellt."

Besonders die riesigen Flugschanzen, auf denen Weiten von 250 m möglich sind, nötigen Raimund Respekt ab. In der vergangenen Saison ließ er den Weltcup in Planica sogar aus. Vor allem vom Skifliegen kenne er den Fall, "dass mein Körper reagiert, ohne dass ich es beeinflussen kann. Dann verliere ich für anderthalb Sekunden die Kontrolle und kann mich nur noch beobachten, während ich quasi in einer Klaue festgehalten werde", schrieb er damals auf Instagram.

An einem Skiflug-Weltcup teilgenommen hat Raimund bislang nur in Vikersund und Oberstdorf, beide "Monster-Bakken" gelten als die sichersten ihrer Art. Deswegen wird der Achte der Vierschanzentournee auch am Donnerstag (17.00 Uhr) bei der Qualifikation auf der Heini-Klopfer-Schanze starten. Zusammen mit Felix Hoffmann trägt er die größten Hoffnungen im deutschen Team, wenn bis Samstag in vier Durchgängen der neue Weltmeister ermittelt wird.

Höhenangst bei Raimund "im Griff"

In den Top 10 ist Raimund auf einer Flugschanze allerdings noch nie gelandet, Rang 13 im März 2024 in Vikersund ist sein bestes Ergebnis. Bei seiner einzigen WM-Teilnahme vor zwei Jahren am Kulm in Österreich war für ihn nach zwei schwachen Trainingsflügen auf 157,0 und 188,0 m kein Platz im Wettkampf. Damals gewann Andreas Wellinger Silber hinter Stefan Kraft (Österreich), im abschließenden Teamwettkampf am Sonntag holte das DSV-Quartett Bronze - ohne Raimund.

In Oberstdorf ist Raimund aber gesetzt. Er habe seine Höhenangst im Griff, sagt er. "Ich habe vor der Saison super gearbeitet und ein gutes Selbstvertrauen. Das ist beim Skifliegen wichtig. Wenn man entspannt, locker und motiviert ist, geht man anders an die Sache, als wenn man eine gewisse Unsicherheit spürt." Als Siebter des Gesamtweltcups ist bei Raimund die Brust breit genug.

Außerdem: Auf der Schanze helfe ihm immer das Wissen, alles selbst in der Hand zu haben. "Wenn mir wirklich mal der Stift geht, habe ich trotzdem die Kontrolle", sagt Raimund. Und deswegen will er im März auch das erste Mal beim Saisonfinale in Slowenien starten. "Ich habe in Planica noch keinen einzigen Sprung gemacht. Aber dieses Jahr will ich mich dort runterschmeißen."