Aus der "Horror-Show" in die Grüne Hölle: Verstappen flieht auf die Nordschleife

Verstappen schwärmt vom Nürburgring
Verstappen schwärmt vom NürburgringFoto von ARTUR WIDAK / NURPHOTO / NURPHOTO VIA AFP

Die Formel 1 macht Max Verstappen gerade schwer zu schaffen, an diesem Wochenende bricht er mal wieder aus: Der Nürburgring ist die neue Wohlfühlzone für den einstigen Weltmeister.

Es ist einfach nicht mehr Max Verstappens Formel 1. Die neuen Hybrid-Motoren seien ein "Witz", sagt der einstige Serienweltmeister, "wer so etwas gut findet, hat keine Ahnung vom Rennsport." Immerhin, dieses Wochenende hat Verstappen frei, und er nutzt die Pause für eine Flucht: Nürburgring, Nordschleife, V8-Saugmotor mit mehr als 500 PS. "Wenigstens kann ich da mit Vollgas fahren und muss nicht auf meine Batterie aufpassen", sagte der Niederländer zuletzt.

"Nürburgring ist ein ganz besonderer Ort"

Am Samstag (12.00 Uhr) tritt Verstappen nämlich in der Grünen Hölle an, im Rahmen der Langstrecken-Serie NLS bestreitet er dort ein Vier-Stunden-Rennen als Vorbereitung auf seinen ganz großen Traum: Am 14. und 15. Mai wird er erstmals die legendären 24 Stunden in der Eifel fahren. "Das steht schon lange auf meiner Wunschliste", sagt er, "der Nürburgring ist ein ganz besonderer Ort."

Fuchsröhre. Hohe Acht. Schwalbenschwanz. Denkt Verstappen an diese legendären Streckenabschnitte, dann schlägt sein Herz schneller - und für den Kopf ist es wohl eine willkommene Ablenkung. Denn die neuen Formel-1-Motoren, in denen die Hälfte der Energie aus der Batterie kommt, sind das eine. Hinzu kommt in diesem Jahr die fehlende Konkurrenzfähigkeit, Verstappen rollt in seinem "unfahrbaren" Red Bull nur hinterher.

So dramatisch wirkt es, dass sogar die Konkurrenz Mitleid hat - und vielleicht schon wieder baggert? "Max steckt gerade wirklich in einer Horror-Show", sagte Mercedes-Teamchef Toto Wolff zuletzt. Dessen Autos dominieren die neue Formel 1 bislang. Und zumindest auf der Langstrecke wird sich Verstappen nun schon mal in einen Mercedes setzen.

Versucht Mercedes eine "schöne Brücke zu bauen"?

Der AMG GT3 mit Red-Bull-Lackierung ist auf dem Nürburgring eines der Top-Autos. Und diese Fahrzeugwahl befeuert natürlich altbekannte Gerüchte. "Einhundertprozentig ist dies der Versuch von Mercedes, dem Max schon mal eine möglichst schöne Brücke zu bauen zu Mercedes, ganz klar", sagte etwa TV-Experte Christian Danner bei RTL/ntv und sport.de. In seinem bis 2028 laufenden Red-Bull-Vertrag hat Verstappen schließlich eine Ausstiegsklausel: "Da, glaube ich, ist so ein Rennen in einem Mercedes auf dem Nürburgring das richtige Leckerchen."

Die Nordschleife als Nebenjob ist übrigens nicht ganz neu für Verstappen. Trotz der hohen Crash-Gefahr wagte er sich bereits im Vorjahr dorthin, beim Debüt gelang in einem Ferrari 296 auf Anhieb eine Bestzeit für GT3-Fahrzeuge. Vor seinem ersten Training auf dem Nürburgring sei er "sogar nachts wach geworden", weil er es kaum erwarten konnte: "Ich würde es lieben, dort mit der Formel 1 zu fahren, aber das ist ziemlich gefährlich."

Seit dem schrecklichen Feuer-Unfall von Niki Lauda 1976 fährt die Königsklasse nicht mehr auf der Nordschleife, für Vollblut-Racer wie Verstappen versprüht der Kurs aber weiter eine ganz besondere Faszination. "Es ist die ganze Atmosphäre", sagte er: "Menschen mit Leidenschaft, großartige Fans." Und der "richtige Rennsport" eben.