"Es war ein ganz schönes Torfestival", sagte Torhüter David Späth nach der turbulenten Partie mit am Ende 79 Toren bei ProSieben. "Wir haben es geschafft, das Tempo noch etwas höher zu halten als die Ägypter, aber müssen uns in der Abwehr noch etwas steigern", meinte Spielmacher Juri Knorr, der vor 10.732 Zuschauern in der ausverkauften Dortmunder Westfalenhalle mit neun Toren der beste Schütze einer furiosen deutschen Offensive war.
Zum Match-Center: Deutschland vs. Ägypten
"Es war ein echter Härtetest. Hinten gab es viel, das wir besser machen können", ärgerte sich Gislason. Sein Team sei "nicht beweglich genug" gewesen.
Gegen den physisch starken WM-Viertelfinalisten entwickelte sich das erwartete temporeiche Duell. Die DHB-Auswahl musste sich gegen den enormen Rückraumdruck der Gäste immer wieder behaupten, fand aber vor allem im eigenen Angriff auch dank des nach der Pause entfesselten Knorr viele Lösungen. Auch als Ägypten beim 37:38 (59.) noch einmal verkürzte, gab Knorr die Antwort.
Das Duell war der Auftakt in einen Testspiel-Doppelpack, dessen zweiter Teil am Sonntag (15.30 Uhr/ProSieben und Dyn) in Bremen über die Bühne geht. Im Anschluss an die Partie in Dortmund wurden die Nationalspieler für den Gewinn der EM-Silbermedaille mit einer Zeremonie geehrt, unter anderem war ein Auftritt der Band GroßstadtEngel ("Gute Laune") geplant.
Anfällige Defensive trotz gutem Späth
Die Nordafrikaner seien "ein sehr guter Gegner, wo wir wirklich sehr gut spielen müssen, wenn wir uns weiterentwickeln und gewinnen wollen", hatte Gislason im Vorfeld gemahnt. Dieser Eindruck bestätigte sich zu Beginn: Mit enormer Wucht kamen die Ägypter aus dem Rückraum mehrfach zu einfachen Toren. Das DHB-Team um seine 14 EM-Silbermedaillengewinner war in der unterhaltsamen Anfangsphase vorrangig im Gegenstoß gefährlich.
Als Späth, der in Abwesenheit des geschonten Andreas Wolff zwischen den Pfosten stand, besser in die Partie fand, schraubte die DHB-Auswahl auch offensiv ihre Fehlerquote nach unten und legte einen Zwischensprint hin. Knorr krönte einen 6:1-Lauf zur ersten deutschen Drei-Tore-Führung - 10:7 (14.).
Gislason, dessen Vertrag nach der Heim-WM 2027 ausläuft, verfolgte das Spektakel tiefenentspannt. Mit den Händen in den Hosentaschen registrierte der Isländer, wie der Offensivmotor seiner Mannschaft immer heißer lief. Einziger Makel: Die Defensive blieb trotz einiger Späth-Paraden anfällig.
Enges Spiel trotz Sechs-Tore-Führung
"Wir wollen Tempo gehen. Nichtsdestotrotz müssen wir hinten besser stehen, 18 Gegentore sind einfach zu viel", sagte EM-Entdeckung Miro Schluroff zur Pause bei ProSieben.
Mit fünf Toren in weniger als zehn Minuten in Folge gab Knorr nach dem Seitenwechsel gleich wieder die Richtung vor – und seine Teamkollegen folgten: Kapitän Johannes Golla machte bereits in der 41. Minute das 30. deutsche Tor, wenig später stellte Tim Freihöfer erstmals auf sechs Tore Vorsprung.
Zwar unterliefen beiden Teams immer wieder Fehler. Doch diese machte Deutschland mit seinem starken Angriff wett. Gislason wechselte nun reichlich Personal: Für Späth durfte der Berliner Debütant Lasse Ludwig ins Tor und brachte sich gleich mit einer Parade ein. Auch Rückkehrer Timo Kastening kam auf Rechtsaußen zum Einsatz. Dann wurde es noch einmal spannend.
