Verrückte Schlussphase
Österreich und Algerien haben bei der Fußball-WM die K.o.-Runde erreicht und in einem wilden Spiel eine "Schande von Kansas City" mit Last-Minute Treffern vermieden.
Im brisanten letzten Vorrundenspiel der Gruppe J, in dem es im direkten Duell um Platz zwei und drei ging, trennten sich beide Teams in Kansas City nach einer dramatischen Schlussphase 3:3 (1:1).

Von einem offensichtlichen "Nichtangriffspakt" war das Spiel 70 Minuten lang weit entfernt - bis dahin war es phasenweise ein offener Schlagabtausch. Danach aber gingen beide Mannschaften ebenso offensichtlich nicht mehr ins Risiko, was das Publikum mit Pfiffen quittierte.
Dann wurde es verrückt: Erst traf Riyad Mahrez zum 3:2 für die Algerier (90.+3), kurz darauf rettete Sasa Kalajdzic die Österreicher mit seinem Tor (90.+6) wieder als Gruppenzweiter in die K.o.-Phase. Durch das für beide Mannschaften passende Resultat ist der Iran ausgeschieden.

Marko Arnautovic (28.) und Marcel Sabitzer (55.) trafen zunächst für die Österreicher, die erstmals seit jenem Abend 1982 wieder die Vorrunde überstanden und es als Zweiter im Sechzehntelfinale am Donnerstag (21 Uhr MESZ) in Los Angeles mit Europameister Spanien zu tun bekommen.
Rafik Belghali (45.) und Rihad Mahrez (60.) hatten zunächst jeweils die passende Antwort parat. Algerien schaffte es trotz des späten Ausgleichs der Österreicher unter die acht besten Gruppendritten und trifft in der Nacht auf Freitag (5 Uhr MESZ) in Vancouver auf die Schweiz.
Zum Abschluss der erstmals ausgetragenen XXL-Vorrunde mit 48 Teams hatten Österreich und Algerien gegenüber der Konkurrenz den Vorteil, dass sie genau wussten, welches Ergebnis nötig war, um weiterzukommen. Ein Remis reichte beiden, eine Niederlage hingegen würde das Aus bedeuten. Deshalb war im Vorfeld auch über eine Wiederholung der "Schande von Gijón" diskutiert worden.

Nachdem in der Anfangsphase bis auf einen heftigen Ellebogenschlag von Arnautovic (11.) wenig passiert war, ertönten erste Pfiffe im Arrowhead Stadium.
Arnautovic setzte diesen mit der ersten gefährlichen Aktion und seinem 49. Länderspieltor vorerst ein Ende: Einen tiefen Ball von Kapitän David Alaba streichelte der Altstar am algerischen Torhüter Oussama Benbot, der den zuletzt schwachen Star-Sohn Luca Zidane ersetzte, vorbei.

Nun musste auch Algerien agieren und drückte enorm aufs Tempo. Der Frankfurter Farés Chaibi scheiterte am Pfosten (40.), der starke Ibrahim Maza von Bayer Leverkusen freistehend am glänzend aufgelegten Alexander Schlager (44.), ehe es kurios wurde: Mahrez profitierte von der Eckfahne, nahm den Ball auf – und kurz darauf vollendete Belghali trocken ins kurze Eck.
Rangnick reagierte auf die Drangphase der Algerier und wechselte zur Pause dreimal. Es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Sabitzer schob eine Hereingabe von Bayerns Konrad Laimer zur erneuten Führung ein, Mahrez antwortete nur fünf Minuten später.

Danach aber gingen beide Mannschaften zunehmend weniger bis kein Risiko mehr ein - bis der Treffer von Mahrez eine aberwitzige Schlussphase auslöste.
Match-Center: Algerien vs. Österreich
WM-Rekordschütze schlägt wieder zu
Superstar Lionel Messi hat seine Torejagd bei der Fußball-WM auch in Teilzeit fortgesetzt und Titelverteidiger Argentinien den nächsten Sieg beschert.
Die B-Elf des Weltmeisters, bei dem Kapitän Messi nur zu einem rund 30-minütigen Kurzeinsatz kam und per Freistoß traf, gewann ihr letztes Gruppenspiel gegen Außenseiter Jordanien auch dank des insgesamt 19. WM-Treffers Messis mit 3:1 (2:0).

Für den dreimaligen Weltmeister war es das 50. gewonnene WM-Spiel. Nur Brasilien (78) und Deutschland (70) haben mehr Siege auf dem Konto.
In Dallas trafen Giovani Lo Celso (19.) per Freistoß, Lautaro Martínez (31., Foulelfmeter) und der eingewechselte Messi (80.) für die Albiceleste, die schon vor Anpfiff als Gewinner der Gruppe J festgestanden hatte.
Musa Al-Taamari (55.) ließ Jordanien jubeln, für das die erste WM dennoch mit der dritten Niederlage endete. Argentiniens nächster Gegner auf dem Weg zur erfolgreichen Titelverteidigung ist im Sechzehntelfinale das Überraschungsteam aus Kap Verde (Samstag, 00:00 Uhr MES/MagentaTV).

Weltmeistertrainer Lionel Scaloni hatte nach den souveränen Siegen gegen Algerien (3:0) und Österreich (2:0) eine Rotation angekündigt.
Im Vergleich zum Duell mit der ÖFB-Auswahl stellte Scaloni gleich auf neun Positionen um. Auch Messi, der Argentinien mit fünf Toren fast im Alleingang vorzeitig in die K.o.-Runde geschossen hatte, erhielt eine Pause.
Der 39-Jährige saß erstmals seit 20 Jahren bei einem WM-Spiel zunächst auf der Bank. Die Zuschauer forderten nach dem Beginn der zweiten Halbzeit lautstark die Einwechslung Messis, wurden aber zunächst auch ohne ihn unterhalten.

Martínez (53.) traf erneut die Latte, dann schloss Al-Taamari einen seltenen Abschluss des Underdogs erfolgreich ab.. Den Schlusspunkt setzte aber Messi mit einem wunderschönen Freistoß.
Match-Center: Jordanien vs. Argentinien
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