Königstransfer Julian Köster hämmerte unter frenetischem Jubel die Bälle ins Tor, Keeper Andreas Wolff parierte schon in WM-Form - und Kiels neuer Trainer Börge Lund? Der hatte bei der beeindruckenden Tor-Party des Rekordmeisters gegen den TBV Lemgo Lippe "einen Riesen-Spaß".
Mit dem 35:27-Erfolg setzte der THW Kiel beim mit Spannung erwarteten Bundesliga-Auftakt gleich mal ein Statement, die Konkurrenz dürfte die Zebras nun endgültig wieder auf dem Zettel haben. "Wir sind auf einem richtig guten Weg", sagte Köster bei Dyn, der deutsche Rückraumstar sieht aber "in allen Bereichen noch ein paar Dinge, die wir besser machen müssen. Es gibt noch ein paar Baustellen."
Diese "Baustellen" rückten angesichts der imponierenden Premierenvorstellung des neuformierten Teams allerdings in den Hintergrund. Exakt 81 Tage nach dem großen Kieler Knall zum Saisonende, als nach einer Niederlage an gleicher Stelle gegen Lemgo erstmals nach 33 Jahren der Europapokal verpasst und Trainer Filip Jicha entlassen wurde, präsentierten sich die Zebras wie ausgewechselt. Neben Köster (3 Treffer) wirbelte im Angriff der ebenfalls neue Spielmacher Domen Makuc (6), im Tor brillierte Wolff mit 15 Paraden.
"Power von der Bank" also Manko
"Mit der Geschichte des letzten Spieltages der vergangenen Saison gegen Lemgo im Hinterkopf war das heute eine tolle Leistung", bilanzierte Trainer Lund. Er sei "sehr froh, aber es gibt weitere 33 Runden. Und ich habe vor dem heutigen Spiel gesagt, dass es nicht die Saison definieren wird."
Gegen Lemgo war es nicht ein einzelner Spieler, der den Unterschied ausmachte. Der THW bestach durch die Qualität in der Kaderbreite. Eine Breite, die in der Liga ihresgleichen sucht. "Uns fehlte dann auch ein bisschen die Power von der Bank", sagte Lemgos Trainer Florian Kehrmann zur entscheidenden Phase nach der Halbzeitpause, "beim THW kam diese hingegen noch ins Spiel". Und so verfestigt sich der Eindruck, dass Kiel für den SC Magdeburg ein ernstzunehmender Kontrahent im Kampf um die Titelverteidigung sein wird.
Während der Slowene Makuc, Neuzugang vom Champions-League-Sieger FC Barcelona, nach dem Lemgo-Spiel davon sprach, mit Kiel "so viele Titel wie möglich gewinnen" zu wollen, ließ sich Köster nicht locken. "Wir haben eine super Mannschaft, das wissen wir", sagte der Ex-Gummersbacher: "Aber in so einer Saison kann so viel passieren. Es war gut, dass wir einen guten Auftakt hingekriegt haben und uns Selbstbewusstsein geholt haben. Aber wie sich das über die Saison entwickelt, ist wirklich schwer zu sagen."
