"Wir haben die gleichen Interessen", sagte Kompany während seiner Pressekonferenz vor dem Champions-League-Rückspiel gegen Atalanta Bergamo: "Wir wollen beide einen topfitten Jamal Musiala bekommen. Wenn er Top-Leistung für Bayern zeigt, wird er das auch für Deutschland tun." Musiala werde auf sein Top-Niveau zurückkehren, das sei "eine Frage der Zeit. Wir haben eins zu eins die gleichen Prioritäten."
Ob das bedeutet, dass Nagelsmann den Rekonvaleszenten Musiala am Donnerstag aus seinem Kader für die Länderspiele in der Schweiz (27. März) und gegen Ghana (30. März) lässt, blieb offen. Ohnehin stellen sich dem Bundestrainer einige interessante Fragen: Der SID versucht, sie zu beantworten.
Wann wird nominiert?
Nagelsmann präsentiert seinen Kader für die Test-Länderspiele am Donnerstag um 14.00 Uhr am DFB-Campus in Frankfurt/Main der Presse. Bereits um 11.00 Uhr ist er zu Gast bei der DFB-Mitarbeiterversammlung - er wird intern sein Aufgebot vorstellen und auf den WM-Sommer in Nordamerika vorausblicken.
Was ist zu erwarten?
Musiala (letztes Länderspiel: 23. März 2025) und Kai Havertz (19. November 2024) wären die wichtigsten Rückkehrer, sie kennen Nagelsmanns Philosophie und WM-Pläne bisher nur aus Telefongesprächen. Entsprechend dringend will der Bundestrainer sie sehen. Ansonsten soll der Kader seinem WM-Aufgebot bereits sehr ähneln. Das heißt auch: Für einige könnte der American Dream schon am Donnerstag platzen.
Und dann?
In der zweiten Mai-Woche wird der Bundestrainer seine WM-Tickets verteilen. Allerdings könnte er zunächst einige weitere Spieler auf Abruf halten oder einen größeren Kader im Laufe der Turniervorbereitung auf 26 Mann verkleinern. Nagelsmann hat einen Aufschrei im Lande angekündigt: Es werde "Entscheidungen geben, die vermutlich nicht auf supergroßes Verständnis stoßen. Nicht beim Spieler, aber auch nicht in der breiten Öffentlichkeit." Weil er Stammspieler im Verein dennoch nicht nominieren werde. Anfang Juni muss Nagelsmann bei der FIFA seinen endgültigen Kader melden.
Wer muss zittern?
Unklar ist, ob es einen populären "Mr. X" gibt, der nun völlig überraschend nicht nominiert wird. Es wirkt zumindest unwahrscheinlich. Said El Mala könnte gestrichen werden, den Kölner zählte Nagelsmann in seiner ausführlichen kicker-"Einzelkritik" an. Lennart Karl spielte beim FC Bayern zuletzt weniger - und schwächer. Die Stuttgarter Fraktion mit Maximilian Mittelstädt, Jamie Leweling, Angelo Stiller ist stark gefährdet. Nick Woltemade vielleicht, inmitten einer heftigen Formkrise. Niclas Füllkrug. Die Frage ist: Wessen Ausbootung würde tatsächlich einen Aufschrei auslösen?
Gibt es noch offene Stellen?
Ja. Zumindest für Verletzungen muss der Bundestrainer planen, ansonsten müsste wohl eine Leistungsexplosion her, um Nagelsmann innerhalb der kommenden zwei Monate noch zu überzeugen. Aber besonders auf den hinteren Plätzen im Kader ist Platz für Joker, Top-Talente oder Senkrechtstarter. Das größte Gedränge gibt es im offensiven Mittelfeld. Nagelsmann will das beste Team zusammenstellen, nicht die 26 besten Einzelspieler.
Wie könnte die WM-Stammelf aussehen?
Mit Oliver Baumann, es sei denn, Marc-Andre ter Stegen wird wundersam geheilt. Hinten rechts ist Joshua Kimmich gesetzt, links David Raum. Innen wird Nico Schlotterbeck verteidigen, neben ihm entweder Jonathan Tah oder Antonio Rüdiger. Zu Leon Goretzka im defensiven Mittelfeld hat sich Nagelsmann klar bekannt, um den Platz daneben kämpfen Felix Nmecha und Aleksandar Pavlovic. Die offensive Reihe bilden Musiala, Florian Wirtz und entweder Leroy Sané oder Serge Gnabry. Im Sturmzentrum würde derzeit wohl Havertz spielen, nicht Woltemade.
