Shakhtar-CEO attackiert Infantino scharf: "Völlige Realitätsferne"

Serhii Palkin äußerte sich auf einer Pressekonferenz zu den Äußerungen Infantinos
Serhii Palkin äußerte sich auf einer Pressekonferenz zu den Äußerungen InfantinosDanil Shamkin / Zuma Press / Profimedia

Der Geschäftsführer von Shakhtar Donetsk, Serhii Palkin, hat FIFA-Präsident Gianni Infantino mit deutlichen Worten für dessen Aussagen zur möglichen Rückkehr russischer Teams in den internationalen Fußball kritisiert. Palkin spricht von "völliger Realitätsferne" und wirft dem FIFA-Boss mangelndes Verständnis für die Situation in der Ukraine vor.

Russische Vereine sowie die Nationalmannschaft sind seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine im Februar 2022 von allen Wettbewerben der FIFA und UEFA ausgeschlossen. Infantino hatte am Dienstag gegenüber Sky Sports erklärt, dieses Verbot habe "nichts bewirkt" und lediglich "mehr Frustration und Hass" erzeugt.

"Wenn Mädchen und Jungen aus Russland in anderen Teilen Europas Fußball spielen könnten, würde das helfen", so Infantino. Diese Aussagen sorgten in der Ukraine für massive Kritik. Shakhtar-CEO Palkin reagierte am Abend mit einer leidenschaftlichen Stellungnahme, die auch Flashscore vorliegt.

Infantino war noch nicht in der Ukraine

"Die Haltung von FIFA-Präsident Gianni Infantino zur möglichen Rückkehr russischer Teams in internationale Wettbewerbe zeugt von völliger Realitätsferne und enttäuscht mich zutiefst", erklärte Palkin. Der Ukrainer schilderte eindringlich die verheerenden Folgen des seit Jahren andauernden Krieges und warf Infantino vor, sich der Realität zu entziehen: "Wir kämpfen seit vier Jahren ums Überleben in einem umfassenden Krieg. Hunderttausende Menschen wurden getötet. Städte sind zerstört. Die zivile, sportliche, Energie- und Heizungsinfrastruktur liegt in Trümmern. Das Leben von Millionen Menschen ist zerbrochen", so Palkin weiter.

Besonders kritisch äußerte er sich darüber, dass Infantino bislang keinen Besuch in der Ukraine absolviert habe: "Ich möchte Herrn Infantino öffentlich fragen: Was hat ihn dazu bewogen, gerade jetzt eine solche Aussage zu treffen? Und warum ist er nach vier Jahren Krieg nicht ein einziges Mal in die Ukraine gekommen, um sich selbst ein Bild von der Lage zu machen?"

Palkin lud den FIFA-Präsidenten eindringlich ein, die Situation vor Ort kennenzulernen: "Er soll kommen und sehen, wie die Menschen leben. Wie Kinder in Charkiw, Saporischschja, Dnipro, Kiew und Lwiw Fußball spielen – unter Fliegeralarm, neben Schutzräumen, unter ständiger Bedrohung durch Raketen und Drohnen."

Zudem verwies der Shakhtar-Boss auf persönliche Schicksale innerhalb seines Vereins: "Ich lade Herrn Infantino zu unserem ersten Spiel im Februar ein. Er soll mit unseren Spielern sprechen – mit Dmytro Riznyk, der seinen Bruder im Krieg verloren hat, und mit Denys Tvardovskyi, dessen Vater ebenfalls bei der Verteidigung der Ukraine getötet wurde."

Kluft zwischen FIFA und Betroffenen

Infantino hatte zuvor erneut betont, dass er eine Rückkehr russischer Sportler und Teams befürworte und diese nicht dauerhaft für ihre Herkunft bestrafen wolle. Die emotionale Reaktion aus der Ukraine zeigt jedoch, wie groß die Kluft zwischen der FIFA-Führung und den Betroffenen des Krieges weiterhin ist.

Ob die klaren Worte aus Donetsk beim FIFA-Präsidenten Wirkung zeigen, bleibt abzuwarten.