Deutschlands Tournee-Hoffnung: Philipp Raimund spürt "keine Euphorie"

DSV-Hoffnung Philipp Raimund
DSV-Hoffnung Philipp RaimundJENS SCHLUETER / AFP

Mit Philipp Raimund an der Spitze starten neun DSV-Adler in die Tournee. Schon die Qualifikation am Sonntag wird zum Spektakel.

Strahlender Sonnenschein bei knackigen zwei Grad. Glitzernd eisige Berggipfel. Puderzuckerweiße Tannenspitzen: Die geliebte Allgäuer Bergwelt zeigte sich Philipp Raimund und seinen Skisprung-Kollegen bei der Anreise zur Vierschanzentournee am Samstag von ihrer allerbesten Seite.

So strahlend wie das Winterwunderland rund um Oberstdorf und das deutsche Quartier im benachbarten Fischen sind die sportlichen Aussichten zwar diesmal nicht - dennoch platzt gerade Raimund fast vor Zuversicht und Vorfreude.

"Ich freue mich extrem auf die Tournee und die Stimmung in den Stadien. Ein bebendes Stadion erleben zu dürfen, ist schon eines der besten Erlebnisse, die man als Skispringer haben kann", sagte der 25-Jährige.

Am Sonntag beginnt die 74. Ausgabe der Tournee
Am Sonntag beginnt die 74. Ausgabe der TourneeČTK / imago sportfotodienst / Frank Hoermann/SVEN SIMON

Beben wird der mythische Oberstdorfer Schattenberg schon am Sonntag, wenn mehr als 15.000 Besuchende bei der Qualifikation erwartet werden. Der Auftakt-Wettkampf am Montag (beides 16:30 Uhr/ARD und Eurosport) ist seit Wochen mit rund 25.500 feierwütigen Fans ausverkauft.

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Rolle als Mitfavorit

Und die würden zu gerne den ersten Weltcup-Sieg Raimunds begießen, der nach dem besten Saisonstart seiner Karriere mit vier Podestplätzen zum engeren Favoritenkreis zählt.

"Dass ich zum Kreis der Mitfavoriten gezählt werde, empfinde ich als großes Privileg", sagt der gebürtige Schwabe, der seit Kindheitstagen in Oberstdorf beheimatet ist und dementsprechend beim Heimspiel und auf den folgenden Stationen in Garmisch-Partenkirchen (1. Januar), Innsbruck (4. Januar) und Bischofshofen (6. Januar) besonders im Fokus steht.

"Die Erwartungen von außen sind natürlich groß bei der Tournee. Die kommen dann zu den eigenen Erwartungen dazu. Ich fokussiere mich daher auf die Sprünge", sagt Raimund: "Positive Einflüsse von außen sauge ich auf, alles, was mich abbringen könnte, versuche ich auf ein Minimum zu reduzieren." Deswegen beschäftigt sich Raimund auch nicht allzu viel mit seinen Hauptkonkurrenten.

"Keine Euphorie"

Zu denen gehört natürlich der Japaner Ryoyu Kobayashi, der dreimal in Oberstdorf und dreimal die gesamte Tournee gewonnen hat. Da ist der Österreicher Stefan Kraft, der seit mehr als einem Jahrzehnt Springen gewinnt und angesichts der Formschwäche von Titelverteidiger Daniel Tschofenig Österreichs Hoffnungen trägt.

Und dann gibt es da vor allem den Slowenen Domen Prevc, der vom vogelwilden Grenzflieger zum Seriensieger dieses Winters wurde – und zehn Jahre nach seinem Bruder Peter zweiter Tourneesieger der Schanzenfamilie schlechthin werden will.

"Ich spüre aber keine Euphorie", wiegelt der 26-Jährige ab: "Ich weiß, wie schnell sich die Dinge ins Gegenteil verkehren können. Im Vorjahr war Pius Paschke am Saisonanfang so stark – dann hat es sich bei ihm komplett gedreht."