Klappt es endlich mit einem deutschen Sieg?
Die Älteren werden sich erinnern: Als bislang letzter Deutscher gewann Sven Hannawald die Tournee vor 24 Jahren. Seitdem holten alle großen Skisprungnationen den Goldadler, nur eben das DSV-Team nicht mehr.
Im Vorjahr ging Pius Paschke als Seriensieger und Topfavorit ins Rennen - und landete auf Platz sechs. Nun gehört zumindest Philipp Raimund nach vier Podestplätzen in elf Springen zum Favoritenkreis, Aufsteiger Felix Hoffmann ist ein heißer Außenseiter. Vor allem aber die Formkrise der Routiniers Andreas Wellinger und Karl Geiger bereitet Sorgen. Ein Ende des Hannawald-Fluchs wäre insgesamt eine Überraschung.
Warum ist die Vierschanzentournee eigentlich so wichtig?
Die Tournee ist der ultimative Härtetest für alle Skispringer: Zwölf Sprünge (viermal Quali, achtmal Wettkampf) binnen zehn Tagen auf vier grundverschiedenen Schanzen fordern ein Höchstmaß an Klasse, Konstanz und Konzentration, schon ein einziger schwacher Durchgang kann sämtliche Siegchancen kosten.
Und: Ohne Tourneesieg ist eine Skisprung-Karriere unvollendet. Somit gilt auch in einem pickepackevollen Winter mit Flug-WM (23. bis 25. Januar) und Olympia (6. bis 22. Februar), dass die Tournee das Skisprung-Highlight schlechthin ist.
Wie sieht das diesjährige Programm aus?
Es geht Schlag auf Schlag: Bis zum 6. Januar wird an acht Tagen gesprungen, dazu gibt es zwei Ruhe- bzw. Reisetage. Am Tag vor den Wettbewerben in Oberstdorf (29. Dezember), Garmisch-Partenkirchen (1. Januar), Innsbruck (4. Januar) und Bischofshofen (6. Januar) findet jeweils die Qualifikation statt. "Frei" sind der 30. Dezember und der 2. Januar.
Außer Raimund - wer sind die Favoriten?
Die sechs Weltcupspringen des Dezembers sahen nur zwei verschiedene Sieger: Sechsmal gewann Domen Prevc, einmal - allerdings bei der finalen Probe in Engelberg - Ryoyu Kobayashi. Der Slowene und der Japaner sollten auch bei der Tournee das Maß aller Dinge sein. Prevc brach als Teenager wie eine Urgewalt über das Skispringen herein, konnte aber fast ein Jahrzehnt lang nicht an die ersten Siege anknüpfen - bis er 2025 Weltmeister und Skiflug-Weltrekordler wurde.
Kobayashi könnte die Tournee zum vierten Mal gewinnen, das haben bislang nur Janne Ahonen (5) und Jens Weißflog (4) geschafft. Weiter auf der Tournee-"Longlist": die Österreicher Stefan Kraft und Stephan Embacher, der Slowene Anze Lanisek und der Japaner Ren Nikaido.
Wie lief die Tournee vor einem Jahr?
Es war die große Ösi-Show: Praktisch von Anfang bis Ende beherrschten Daniel Tschofenig, Jan Hörl und Stefan Kraft die Tournee, lieferten sich einen legendären Showdown in Bischofshofen.
Tschofenig beendete letztlich Österreichs Tournee-Flaute nach zehn Jahren - der Titelverteidiger reist nun aber ohne Form nach Oberstdorf. Gesamtbester deutscher Springer im Vorjahr: Paschke als Sechster.
Nach welchem Modus wird der Tourneesieger ermittelt?
Die Punkte aller acht Wettkampf-Durchgänge werden addiert, der Springer mit der höchsten Gesamtpunktzahl gewinnt. Ungewöhnlich ist nur die Startreihenfolge im Wettkampf: Anders als im Weltcup springen die Athleten nicht in der umgekehrten Reihenfolge des Gesamtweltcups die besten 30 für den zweiten Durchgang aus, sondern in 25 K.o.-Duellen, die in der Qualifikation ermittelt werden: Der Beste trifft auf den 50., der Zweite auf den 49. - usw. Die Sieger der Duelle plus fünf beste Zweite erreichen das Finale.
Was gibt es zu gewinnen - neben dem schmucken Goldadler?
Wie im vergangenen Jahr liegt das Preisgeld für den Gesamtsieg bei 100.000 Franken (108.000 Euro). Für einen Tagessieg gibt es die Standard-Weltcupprämie von 10.000 Franken (10.800 Euro) Insgesamt werden 400.000 Franken (432.000 Euro) ausgeschüttet.
Wer überträgt die Vierschanzentournee live im TV?
Die ARD ist beim Auftakt in Oberstdorf und Finale in Bischofshofen live dabei, das ZDF zeigt die Springen aus Garmisch-Partenkirchen und Innsbruck. Alle vier Springen plus Qualifikationen überträgt auch Eurosport.
