Pogacar vor Krönung in Roubaix: Schon jetzt "der Beste aller Zeiten"?

Ist Pogacar bereit für den großen Wurf?
Ist Pogacar bereit für den großen Wurf?POOL NICO VEREECKEN / BELGA MAG / BELGA VIA AFP

Tadej Pogacar steht mal wieder davor, Radsport-Geschichte zu schreiben. Paris-Roubaix aber wird seine schwerste Prüfung in dieser Klassikersaison.

Dass Tadej Pogacar wirklich alles gelingen kann – da ist sich inzwischen auch Eddy Merckx sicher. "Es ist absolut klar, dass er keine Limits hat", sagte der Mann, der jahrzehntelang einstimmig als bester Radprofi der Geschichte galt. Zumindest, ehe dieses slowenische Wunderkind daherrollte, seinen Triumphzug startete und die GOAT-Diskussion neu entfachte.

Am Sonntag (ab 10:50 Uhr/Eurosport) kann Pogacar mal wieder Historisches erreichen – und bei der 123. Ausgabe von Paris-Roubaix in einer weiteren Kategorie mit Merckx (80) gleichziehen. Alle fünf Monumente zu gewinnen – also die wichtigsten Eintagesrennen im Radsport – ist bislang nur drei Fahrern gelungen. Merckx ist einer von ihnen, Pogacar möchte als erster Nicht-Belgier nachziehen.

Möglich scheint dies allemal. Der 27-Jährige, führte Pogacar-Bewunderer Merckx im Gespräch mit der Gazzetta dello Sport aus, sei schließlich der beste Fahrer der Welt, und das schon "seit mehreren Saisons".

Van der Poel leichter Favorit

Doch die "Königin der Klassiker" ist Pogacars schwerste verbliebene Prüfung. 258,3 km Strecke, 54,8 km ruppiges bis ruppigstes Kopfsteinpflaster und in Mathieu van der Poel ein Rivale, der schwer zu knacken sein wird.

Van de Poel ist zurzeit Pogacars schärfster Herausforderer
Van de Poel ist zurzeit Pogacars schärfster HerausfordererJASPER JACOBS / BELGA MAG / BELGA VIA AFP

Bei der Flandern-Rundfahrt am vergangenen Wochenende konnte der Ex-Weltmeister Pogacar an den giftigen Hügeln irgendwann nicht mehr folgen, doch die Hetzjagd nach Roubaix ist brettflach. Die Schwierigkeit ergibt sich fast ausschließlich aus den teils katastrophalen Straßenverhältnissen, womit der kräftigere Cross-Weltmeister van der Poel bestens umgehen kann.

Im vergangenen Jahr duellierten sich die beiden bereits im direkten Duell, ehe Pogacar stürzte und van der Poel im Solo zum dritten Erfolg in Folge raste. Nach seinem Flandern-Triumph stapelte der Herausforderer deswegen auch tief. Er wolle das Rennen in erster Linie "genießen", sagte Pogacar, und auch: "Selbst wenn du den besten Tag und die besten Beine hast, muss alles passen."

Pogacars Taem UAE Emirates bei der Vorbereitung auf Paris-Roubaix
Pogacars Taem UAE Emirates bei der Vorbereitung auf Paris-RoubaixDIRK WAEM / BELGA MAG / BELGA VIA AFP

Reicht es fürs Quintuple?

Sollte es ihm aber gelingen, den Niederländer diesmal zu knacken – sollte er es zudem schaffen, andere Mitfavoriten wie Jasper Philipsen oder Wout van Aert in Schach zu halten und als Erster die Ziellinie im Velodrome von Roubaix zu erreichen – dann ist in diesem Jahr sogar ein Meilenstein möglich, den selbst Merckx nie erreichte: alle fünf Monumente in einer Saison zu gewinnen.

"Es stehen jetzt zwei von fünf, wir sollten nicht zu weit vorgreifen", mahnte Pogacar, dem anschließend noch Siege bei Lüttich-Bastogne-Lüttich und der Lombardei-Rundfahrt fehlen würden. Doch das Narrativ rund um die Jagd auf das Quintuple kann der Slowene nicht mehr einfangen. Genauso wie die Diskussion darüber, wer denn nun eigentlich der Größte der Radsport-Geschichte ist.