Die Antwort auf Evenepoels rhetorische Frage bei Instagram dürfte ein lautes 'ja' sein. Denn wenn einer der prominentesten Söhne Flanderns am Ostersonntag (Eurosport) erstmals beim wichtigsten Eintagesrennen der Region an den Start rollt, wird der radsportverrückte Norden Belgiens in Ekstase verfallen. Ein Gefühl, das auf Gegenseitigkeit beruht.
"Ich freue mich extrem", sagte Evenepoel in einem Video, das der bestens vermarktete Belgier bei den ersten Testfahrten in Flandern im Dezember aufgenommen hatte und nun veröffentlichte. Und auch: "Es ist mein erstes Mal, deshalb will ich zu 100 Prozent bereit sein."
Ausgeheckt hat Evenepoel den Überraschungsstart gemeinsam mit seinem neuen deutschen Team Red Bull-Bora-hansgrohe. "Die Verbindung zwischen Remco und der Flandern-Rundfahrt ist tief und emotional. Ein Plan wie dieser entsteht nicht kurzfristig", erklärte Teamchef Ralph Denk. "Wir haben das Thema bewusst unter dem Radar gehalten, um den Moment für die Fans als Überraschung zu setzen."
Der Plan ging auf und verrückt nun zumindest ein wenig die Machtverhältnisse bei der "Ronde". Evenepoel, in Aalst in Ostflandern geboren, zählt ob seiner Qualitäten automatisch zum erweiterten Favoritenkreis, wenngleich ihm in den mitentscheidenden Pflasterpassagen die Wettkampfhärte fehlt. "Es ist lange her, aber ich habe ein gutes Gefühl auf dem Kopfsteinpflaster", sagte der 26-Jährige. Heißester Sieganwärter ist er am Sonntag trotzdem nicht.
Große Konkurrenz für Pogacar
Dieser Titel geht wie so oft an den nimmersatten Slowenen Pogacar. Nach seinem Premierentriumph bei Mailand-Sanremo fehlt dem viermaligen Toursieger inzwischen nur noch der Sieg bei Paris-Roubaix (12. April), um seine Monumente-Sammlung zu vervollständigen. In Flandern will er zuvor seinen dritten Titel nach 2023 und 2025 feiern und ein weiteres Mal den großen Eddy Merckx (zwei Siege) überflügeln.
Dafür muss Pogacar aber an seinem Rivalen Mathieu van der Poel aus den Niederlanden vorbei, der bereits seinen vierten Sieg (Rekord) anpeilt. Und damit nicht genug: Auch der zuletzt formstarke Top-Allrounder Wout van Aert (Belgien) und der dänische Ex-Weltmeister Mads Pedersen geben sich auf der Hetzjagd bis ins Ziel in Oudenaarde die Ehre. Was die 110. Flandern-Rundfahrt mit Start in Antwerpen zu einem wahren Stelldichein der größten Namen des Radsports macht.
Die erstmalige Teilnahme Evenepoels daran unterstreicht indes die Strategie seines Teams. Denn während der Fokus beim deutschen Hoffnungsträger Florian Lipowitz klarer auf den Rundfahrten wie der Tour de France im Juli liegt, soll sein Co-Star aus Belgien eben auch bei den Klassikern für Furore sorgen. An Ostern wird sich zeigen, ob auch der zweite Teil des Red-Bull-Geheimplans aufgeht.
