Australian Open: Zverev unter Druck, Alcaraz vor hitziger Viertelfinal-Probe

Alexander Zverev stand im Vorjahr bereits im Finale in Melbourne
Alexander Zverev stand im Vorjahr bereits im Finale in MelbourneIZHAR KHAN / AFP

Die Australian Open 2026 gehen in die entscheidende Phase – und bei den Herren stehen am Dienstag zwei Viertelfinals auf dem Programm, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Alexander Zverev kämpft gegen einen aufstrebenden Herausforderer und seine eigene Konstanz, während Carlos Alcaraz im Hexenkessel der Rod Laver Arena auf Australiens letzte Hoffnung trifft.

Viertelfinale Herreneinzel am Dienstag

Alexander Zverev (3) vs. Lerner Tien (25) | Rod Laver Arena, 03:30 Uhr MEZ

Carlos Alcaraz (1) vs. Alex de Minaur (6) | Rod Laver Arena, 10:30 Uhr MEZ

Youngster könnte Zverev alles abverlangen

Alexander Zverev steht in Melbourne einmal mehr an einem Punkt, an dem sich entscheidet, ob aus solidem Grand-Slam-Tennis der ganz große Wurf werden kann. Der letztjährige Finalist schleppte sich durch die erste Turnierwoche, gab gegen Diallo, Müller und Norrie unnötig Sätze ab und wirkte phasenweise alles andere als souverän.

Erst im Achtelfinale platzte der Knoten: Gegen Francisco Cerúndolo zeigte Zverev seine bislang reifste Leistung des Turniers, kontrollierte das Geschehen von Beginn an und gewann überraschend klar in drei Sätzen.

Neben der verbesserten Form spielt auch der Turnierverlauf dem Deutschen in die Karten. Daniil Medvedev, in Melbourne lange eine mentale wie sportliche Blockade, ist bereits ausgeschieden. Ein Faktor weniger, der Zverevs Weg ins Halbfinale komplizieren könnte. Doch mit Learner Tien wartet ein Gegner, der genau jene Eigenschaften mitbringt, die Zverev in der Vergangenheit Probleme bereitet haben: Geduld, taktische Disziplin und die Fähigkeit, lange Ballwechsel zu überstehen.

Tien hat seinen Durchbruch aus dem Vorjahr nicht nur bestätigt, sondern auf ein neues Niveau gehoben. Der glatte Sieg gegen Medvedev im Achtelfinale war ein Statement – vor allem, weil Effizienz bislang nicht zu seinem Markenzeichen zählte. Dass er nun erstmals in einem Grand-Slam-Viertelfinale steht, kommt nicht zufällig. Zverev ist der Favorit, doch alles deutet auf ein enges, physisches Match hin, in dem Konzentration und Nervenstärke entscheidend sein werden.

Publikum im Rücken: De Minaur will überraschen

Im zweiten Viertelfinale richtet sich der Blick auf Carlos Alcaraz – und auf das Publikum. Der Weltranglistenerste ist bislang ohne Satzverlust durchs Turnier marschiert und bestätigte seine starke Frühform mit einem kontrollierten Auftritt gegen Tommy Paul. Dennoch schwebt über diesem Match eine besondere Spannung: Alex De Minaur, Australiens Nummer eins, genießt den uneingeschränkten Rückhalt der Fans und reist mit viel Selbstvertrauen an.

De Minaur präsentierte sich im Achtelfinale gegen Alexander Bublik in beeindruckender Verfassung, dominierte das Match mit Tempo, Präzision und unermüdlichem Laufvermögen. Es war genau die Art von Auftritt, die er braucht, um sich der vielleicht größten Herausforderung seiner Karriere zu stellen. Denn bislang war Alcaraz für ihn eine unüberwindbare Hürde: fünf Begegnungen, fünf Niederlagen.

Für Alcaraz geht es nicht nur um den Einzug ins Halbfinale, sondern auch darum, eine seiner wenigen offenen Baustellen zu schließen. In Melbourne war im Viertelfinale bislang stets Endstation, zweimal scheiterte er hier an Top-Gegnern. Nun bietet sich erneut die Chance, diese Grenze zu durchbrechen. Rein spielerisch spricht fast alles für den Spanier, doch der Heimvorteil, die Intensität De Minaurs und der emotionale Rahmen könnten dieses Duell deutlich komplizierter machen, als es die Bilanz vermuten lässt.