Der Saisonstart verlief ungewohnt holprig für Swiatek. Zwar erreichte sie vier Halbfinals und drei Viertelfinals in acht Turnieren, doch ein Turniersieg blieb aus. Auch das frühe Aus in Rom – eine deutliche Niederlage gegen Danielle Collins – war ein Alarmsignal. In der WTA-Weltrangliste ist sie auf Platz fünf zurückgefallen, und viele fragen sich nun: Ist die Zeit der Sandplatz-Dominanz vorbei?
Eine Saison im Zeichen der Unruhe
Der sportliche Absturz ist eng verknüpft mit einer Reihe persönlicher und psychischer Herausforderungen. Seit ihrem tränenreichen Halbfinal-Aus bei den Olympischen Spielen im vergangenen Jahr scheint Swiatek nicht mehr zur Ruhe zu kommen. Der Tiefpunkt folgte im November: Ein positiver Dopingtest – ausgelöst durch eine nachweislich verunreinigte Probe – brachte eine einmonatige Sperre mit sich. Swiatek sprach später davon, dass ihr Leben „auf den Kopf gestellt“ worden sei.
Auch 2025 blieb turbulent. Von Kritik nach einem Vorfall mit einem Balljungen in Indian Wells bis hin zu einem Zwischenfall mit einem Fan in Miami – Swiateks mentale Belastung wurde öffentlich sichtbar. Als im April ihr Großvater starb, reiste sie zwischen den Turnieren zur Beerdigung nach Warschau. In Madrid und Rom folgten emotionale Zusammenbrüche auf dem Platz. „Ich mache definitiv etwas falsch“, sagte sie nach dem Ausscheiden in Rom – ein Satz, der tief blicken lässt.
Verknotete Waffe: Iga Swiateks Vorhand
Auf dem Platz kämpft Swiatek mit Form und Technik. Ihre sonst so gefürchtete Topspin-Vorhand wirkt unsicher, ihr Aufschlag angreifbar. Kleine technische Umstellungen führen offenbar zu großen Problemen. „Ich erinnere mich daran, wie es sich früher angefühlt hat – und gehe davon aus, dass es wieder so funktioniert. Aber das tut es nicht“, räumt sie ein. Selbst die Beinarbeit, sonst ein Markenzeichen ihrer Agilität, wirkt phasenweise fahrig.
Im Hintergrund arbeitet Swiatek mit Starcoach Wim Fissette, der bereits mehrere Spielerinnen zu Grand-Slam-Erfolgen geführt hat. Doch die Ergebnisse bleiben aus – auch wenn Swiatek betont, der Trainer sei nicht verantwortlich. „Das ist nicht die Schuld des Trainers – so funktionieren Training und Sport“, sagt sie.
Trotz aller Zweifel zeigt Swiateks frühe Ankunft in Paris, dass sie Roland Garros nicht kampflos aufgeben will. Ihre Bilanz dort – 35 Siege in 37 Spielen – ist nach wie vor herausragend. Und auch Konkurrentinnen wie Coco Gauff warnen davor, sie abzuschreiben: „Wer dieses Turnier so oft gewinnt, findet einen Weg, wieder zu gewinnen.“
Die French Open 2025 werden zur Bewährungsprobe für Swiatek – sportlich wie mental. Die große Frage: Ist Roland Garros der Ort, an dem sie zu alter Stärke zurückfindet? Oder markiert dieses Turnier das Ende ihrer Regentschaft auf Sand?
