Der neue Zverev in Miami: Mit "Aggressivität" schon wieder bereit für Titel?

Alexander Zverev bei seinem Sieg über Martin Damm in Miami
Alexander Zverev bei seinem Sieg über Martin Damm in MiamiZUMAPRESS.com / The Mega Agency / Profimedia

Alexander Zverev drosch einen Ball in den Nachthimmel von Miami, dann ließ er sich lächelnd von den Fans feiern. Der nächste souveräne Auftakterfolg, die nächste gute Leistung und das langfristige Ziel fest im Blick - er sei "zufrieden", sagte der Tennisstar nach dem 6:2, 6:4 gegen den US-Amerikaner Martin Damm. Und: "Ich freue mich auf das, was noch vor uns liegt."

Frühestens am Montagabend MEZ (Sky) geht es für Zverev beim ATP-Masters in seiner Lieblingsstadt weiter. Im Drittrunden-Match gegen den routinierten US-Open-Champion von 2014 Marin Cilic (37) ist er abermals der hohe Favorit, doch die nackten Ergebnisse sind für den Hamburger derzeit ohnehin nur zweitrangig. Vielmehr interessiert den Weltranglistendritten in einer wegweisenden Phase seiner Karriere die spielerische Entwicklung.

Zum Match-Center: Martin Damm vs. Alexander Zverev

Aggressiver und mutiger agieren, nicht zu oft in den entscheidenden Momenten eines Matches in Passivität verfallen und auch immer wieder mit der Vorhand attackieren: Das hat er sich für die laufende Saison vorgenommen. Und er wähnt sich auf einem guten Weg. "Alles in allem habe ich das Gefühl, dass ich es dieses Jahr schaffe", stellte Zverev im Vorfeld des Turniers in Miami klar.

Zverev mit neuer Aggressivität

"Ich bin genau der aggressive Spieler, der ich sein möchte", schob er hinterher: "Je länger ich das mache, desto besser wird es werden." Was sich Zverev durch die Umstellung erhofft? Künftig endlich auch in den ganz großen Matches auf Grand-Slam-Ebene eine Partie an sich reißen zu können - und sich so doch noch den ersehnten Major-Titel zu schnappen.

Für dieses langfristige Ziel nimmt Zverev auch Rückschläge in Kauf. Die ATP-Turniere, von denen er schon stolze 24 gewonnen hat, haben für ihn nicht mehr die höchste Priorität. Im Alter von bald 29 Jahren sei es "einfach einen Versuch wert. Ich bin bereit, den Preis zu zahlen", sagte er. Wie zuletzt im Halbfinale des Masters in Indian Wells, als er gegen den Weltranglistenzweiten Jannik Sinner ohne Chance war.

Er habe selbst in diesem wichtigen Match das Gefühl gehabt, dass es "ein kleines Experiment" gewesen sei, erklärte Zverev. Er habe wissen wollen, "was passiert, wenn ich hyperaggressiv spiele" und es damit letztlich ein bisschen übertrieben. "Also muss ich da eine Balance finden."

An dieser Balance feilt Zverev in Miami weiter. Dort, wo er 2018 ins Finale einzog, aber noch auf seinen Premierentitel wartet; dort, wo sich schon bald die Chance auf eine Halbfinal-Revanche gegen Sinner bieten könnte. Der Gewinner von Indian Wells wäre sicher auch dann Favorit - auf einen zu passiven Alexander Zverev aber sollte er nicht hoffen.