Nicht zu stoppen war aber Überflieger Prevc, der auf den Tag genau zehn Jahre nach seinem Bruder Peter die Tournee gewann. Nach 74 Jahren steht somit erstmals ein Brüderpaar in der Siegerliste. "Das ist ein Kindheitstraum, der wahr geworden ist. Ich habe davon geträumt, seit ich als Kind Thomas Morgenstern und später meinen Bruder beobachtet habe", sagte der neue König der Lüfte bewegt.
Im Hexenkessel von Bischofshofen verpasste Prevc seinen dritten Tagessieg, auch weil Tschofenig mit Flügen auf 137,0 und 140,5 m zu stark war. Rang drei ging an den Japaner Ryoyu Kobayashi. Auch Jan Hörl (4.Platz.), Stephan Embacher (Platz 5), Stefan Kraft (6) und Manuel Fettner (7) überzeugten.
In der Gesamtwertung hatte Prevc nach Siegen in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen und einem zweiten Platz in Innsbruck mit 1195,6 Punkten umgerechnet 23,5 Meter Vorsprung auf den Hörl (1153,3), der zum Abschluss Vierter wurde. Rang drei holte in Stephan Embacher (1150,6) ein weiterer ÖSV-Adler. Der deutsche Meister Hoffmann (1120,3), der am Montag erstmals von anhaltenden Knieprobleme berichtet hatte, verpasste das insgeheim noch erhoffte Podest in der Gesamtwertung.
Deutsche insgesamt schwach
Die übrigen DSV-Adler zeigten einen mäßigen Abschluss. Der erkältete Philipp aimund landete auf dem zwölften Platz und fiel in der Tournee-Wertung auf Rang acht zurück. Pius Paschke landete am Dienstag auf Position 24. Die Sorgenkinder Andreas Wellinger (35.) und Karl Geiger (45.) verpassten dagegen auch im vierten Tournee-Springen den zweiten Durchgang.
Domen Prevc: Der "Pfeifdirnix" vom Dorf ist endlich am Ziel
Zu den ersten Gratulanten von Prevc gehörte sein Bruder und Vorgänger Peter, der ebenfalls an der Schanze war. "Domen liebt es, Ski zu springen. Die Ergebnisse sehen wir jetzt", sagte der 33-Jährige der ARD. Auch Schwester und Weltmeisterin Nika, die wenige Stunden zuvor im nahen Villach gewonnen hatte, fieberte mit: "Ich habe ihm eine kurze Nachricht geschrieben, er hat ein paar Witze gemacht. Ich wünsche ihm alles Gute", sagte sie vor dem Wettkampf.
Wer folgt auf Hannawald?
Zum ersehnten ersten deutschen Tourneesieg seit 2001/02 reichte es erneut nicht, im nächsten Winter ist der Grand Slam von Sven Hannawald bereits ein Vierteljahrhundert her. Wer dann als Nachfolger von Bundestrainer Stefan Horngacher das deutsche Team betreut, soll in Kürze feststehen. "Es wird sicherlich nicht vor Olympia passieren, aber wahrscheinlich im März", sagte Sportdirektor Horst Hüttel dem SID in Bischofshofen.
Das nächste Highlight steht aber schon Ende Januar mit der Skiflug-WM in Oberstdorf an. Gut möglich, dass Hoffmann vorher noch eine Zwangspause einlegen wird. "Mein Knie zwickt ein bisschen", sagte der 28-Jährige vor dem letzten Tourneespringen, die Schmerzen habe er schon in "den letzten paar Springen" gespürt. Auf die Frage, ob er nach der Tournee eine Wettkampfpause einlegen werde, meinte Hoffmann: "Vielleicht, ja."
