Zumindest ein Problem von Julian Nagelsmann löste sich in Wohlgefallen auf. Der Bundestrainer hatte anders als befürchtet bereits am Freitagabend (Ortszeit) Gewissheit über den Gegner im WM-Sechzehntelfinale. Die DFB-Auswahl trifft am Montag (22.30 Uhr MESZ/ZDF, MagentaTV und in der Flashscore-Audioreportage) in Foxborough auf Paraguay. Damit kann sich der Bundestrainer die befürchtete "Nachtschicht" vor dem Abschlusstraining und dem Flug nach Boston am Sonntag sparen.
Ein weitaus größeres Problem lässt sich nicht ganz so einfach aus der Welt schaffen. Dem viermaligen Weltmeister mangelt es überdeutlich an körperlicher Robustheit - und die wird auch gegen den Sechsten der Südamerika-Qualifikation durchaus gefragt sein.
Zum Match-Center: Deutschland vs. Paraguay
"Schwer zu trainieren"
Nagelsmann ist sich dessen bewusst, aber: "Körperlichkeit ist schwer zu trainieren. Bis Montag werden wir uns nichts auftrainieren können im Oberkörperbereich", stellte der 38-Jährige nach dem ernüchternden Vorrundenabschluss gegen Ecuador (1:2) fest.
Daher muss Nagelsmann gemeinsam mit seinem Trainerteam und den Analysten andere Lösungen finden. "Wir müssen", fordert der jüngste Trainer des Turniers, "den Ball früher spielen, um dem Zweikampf aus dem Weg zu gehen". Eine weitere Option sei, dass man "im Kollektiv mehr Überzahlsituationen" schaffe.
Doch das gelang gegen die Elfenbeinküste (2:1) nur in Ansätzen, gegen Ecuador fast nie. Auch Paraguay gilt als kompakte Einheit, robust im Zweikampf und defensiv stark. Auch wenn das erste WM-Spiel gegen den Gastgeber USA nach einer ganz schwachen Leistung deutlich verloren ging (1:4). Danach blieb der Tabellendritte der Gruppe D gegen die Türkei (1:0) und Australien (0:0) ohne Gegentor.
Ecuador 2.0?
Paraguay werde "eine ganz ähnliche Herangehensweise wählen" wie Ecuador, sagte der 2014er-Weltmeister Mats Hummels bei MagentaTV. "Intensität" und das "Mittelfeld eng machen" seien Taktiken, die auch Paraguay gegen Deutschland einsetzen werde. Sie werden "versuchen, Ballverluste zu provozieren, die einem die deutsche Mannschaft eben auch ganz gerne gibt", fuhr Hummels fort. Das DFB-Team sei zudem "ein bisschen zaghaft".
Auch Jürgen Klopp hob mahnend den Finger, er forderte mehr Widerstandsfähigkeit von Florian Wirtz oder Jamal Musiala. "Wir müssen jetzt die Pace aufnehmen. Wir müssen mindestens mit der gleichen Intensität zu Werke gehen. Wir wurden in den Zweikämpfen aufgefressen", kritisierte der MagentaTV-Experte nach dem herben Stimmungsdämpfer gegen Ecuador. Toni Kroos konstatierte: "Wir sind eben keine physische Mannschaft."
Hummels: "Das fehlt mir bei Deutschland"
Dieses Thema dürfte bei der Trainingseinheit am Samstag im Spry Soccer Stadion in Winston-Salem weit oben auf Nagelsmanns Liste gestanden haben. Neben der Robustheit ist aber auch eine bessere Positionierung auf dem Platz gefragt.
"Wenn du tief verteidigst, muss dein Mittelfeld ultra-aktiv angreifen. Du musst sie stressen. Das fehlt mir bei der Mannschaft. Das ist eine Frage der Eingespieltheit, aber auch des Wollens, eine Charakterfrage", sagte Hummels, der in Rio de Janeiro gemeinsam mit Thomas Müller den WM-Thron bestiegen hatte. Müller stellte sogar "Naivität" in der DFB-Auswahl fest. Der Weltmeister Argentinien sei "auf einem abgezockteren Level" unterwegs. Noch ein Problem, das Nagelsmann aus der Welt schaffen muss.

