Berauscht von seinem nächsten Statement-Sieg und der Liebe Tausender Fans dachte Agit Kabayel groß. Das Stadion des VfL Bochum als Austragungsort seines WM-Kampfes? "Das ist, glaube ich, zu klein", sagte der deutsche Box-Überflieger, nachdem er 13.000 lautstarke Zuschauer in Oberhausen mit einem schnellen K.o.-Erfolg begeistert hatte.
Nun will Kabayel die nächste Stufe zünden - und für einen möglichen Fight um die Schwergewichts-Krone in ein Fußballstadion umziehen. "Entweder in Düsseldorf, aber ich weiß es nicht. Wir müssen schauen, wenn es so weit ist", sagte der Bochumer, der sich nun erstmal auf "Zeit mit der Familie" freute.
Folgt Duell mit Usyk?
Die hatte sich der 33-Jährige nach "13 bis 14 Wochen" Abschottung auch redlich verdient. Mit seinem Sieg gegen den großgewachsenen Polen Damian Knyba, dem 27. im 27. Profikampf (19 durch K.o.), verteidigte der 33-Jährige seinen Titel als WBC-Interimsweltmeister erfolgreich und untermauerte seinen Anspruch auf einen Kampf um den Schwergewichts-Thron. Nun pocht Kabayel auf ein Duell mit dem ungeschlagenen Dreifach-Champion Alexander Usyk (Ukraine).
"Was bringen mir andere Kämpfe?" fragte Kabayel, er sei "bereit für die Weltmeisterschaft". Nach seinem Sieg gegen Knyba hatten die 13.000 Fans in der Rudolf Weber-Arena immer wieder den Namen von Usyk skandiert. Das Problem: Usyk, der vom WBC die Möglichkeit auf eine freiwillige Titelverteidigung bekommen hat, tritt im Frühjahr wohl erstmal gegen den US-Amerikaner Deontay Wilder an - und Kabayel muss warten.
Deutsches Boxen "wiederbelebt"
Deshalb brachte Kabayels Promoter George Warren zunächst einen weiteren Überbrückungskampf gegen einen "britischen Heavyweight" ins Spiel - Kumpel Tyson Fury, der einmal mehr seine Rückkehr in den Ring angekündigt hat, schloss Kabayel als Gegner aber aus. Wahrscheinlicher ist ein Duell mit WBO-Champion Fabio Wardley.
So oder so: Kabayel ist seinem großen Traum, in die Fußstapfen von Max Schmeling zu treten, einen Schritt näher gekommen. Der Bochumer mit kurdischen Wurzeln, der sich mit drei überzeugenden Siegen in Riad in der Weltspitze etabliert hatte, will der erste deutsche Schwergewichtsweltmeister seit der Ikone Anfang der 1930er-Jahre werden. Schon jetzt habe er das deutsche Boxen Jahre nach Ende der Klitschko-Ära "wiederbelebt", sagte Kabayel. Das sieht auch Regina Halmich so.
"Ich habe wirklich Gänsehaut, das erinnert mich an die gute alte Boxzeit. Das Boxen in Deutschland lebt wieder - und das tut so gut", sagte die DAZN-Expertin, die von der Kulisse in Oberhausen mitgerissen war.
Kabayel will "nur nach Hause"
Das ging auch Kabayel in der ersten Runde so. "Da war ich ein bisschen eingefroren", sagte der selbsternannte "Leber-King", der sich dann aber deutlich steigerte und den Polen nach einem Schlaghagel durch technischen K.o. in der dritten Runde besiegte.
Wirklich Lust auf Party hatte Kabayel im Anschluss aber nicht. Er wolle "eigentlich nur nach Hause", sagte der Hoffnungsträger, "ich freue mich, meine Familie zu sehen, meine Tochter in die Hand zu nehmen, diese Zeit zu genießen." Und dann, sagte Kabayel, "kann ich mir gerne darüber Gedanken machen, wo der nächste Kampf stattfinden soll."
