44 Jahre nach Gijón: Droht Österreich die "Schande von Kansas City"?

Die ÖFB-Leistungsträger Xaver Schlager (l.), Stefan Posch (M.) und David Alaba (r.)
Die ÖFB-Leistungsträger Xaver Schlager (l.), Stefan Posch (M.) und David Alaba (r.)IMAGN IMAGES via Reuters/Troy Taormina

Ausgerechnet beim Spiel zwischen Österreich und Algerien sind möglichen Absprachen Tür und Tor geöffnet. Mittäter und Opfer der "Schande von Gijón" wissen vor dem Anpfiff genau, welches Ergebnis sie benötigen.

Schon bei der Frage konnte sich Stefan Posch ein Grinsen nicht verkneifen. "Damit kann ich was anfangen", antwortete der Bundesligaprofi von Mainz 05, nachdem die "Schande von Gijón" zur Sprache gekommen war.

Ob 44 Jahre nach dem historischen Nichtangriffspakt zwischen Deutschen und Österreichern nun bei der WM in Nordamerika Ähnliches droht?

Gruppe J wird die Vorrunde beenden
Gruppe J wird die Vorrunde beendenFlashscore

Eine mögliche "Schande von Kansas City" ist in Österreich in den Medien und Sozialen Netzwerken vor dem Vorrundenabschluss ein großes Thema – weil der Modus der aufgeblähten WM möglichen Absprachen Tür und Tor öffnet.

Trifft das ÖFB-Team in der Nacht zu Sonntag (4 Uhr MESZ/ZDF und ORF) auf Algerien, wissen beide Teams ganz genau, welches Ergebnis sie zum Weiterkommen benötigen. Ein Unentschieden würde aller Voraussicht nach beide Nationen in die K.o.-Runde bringen.

Zum Match-Center: Algerien vs. Österreich

Wunschgegner gefällig?

Und sie könnten sich sogar ihre Gegner im Sechzehntelfinale aussuchen. Weil Gruppe J die Vorrunde abschließt, ist bereits beim Anpfiff klar, auf wen der Tabellenzweite hinter dem bereits feststehenden Gruppensieger Argentinien treffen würde – höchstwahrscheinlich Europameister und Titelkandidat Spanien.

Der Dritte wiederum, wenn er zu den besten acht gehört, muss sich vermutlich gegen die Schweiz beweisen. Das könnte einer stillschweigenden Einigung auf dem Spielfeld – so wie bei der WM 1982 im Wege stehen.

Historische Niederlage 

Am 25. Juni 1982 benötigte Deutschland nach der peinlichen 1:2-Auftaktpleite gegen Algerien einen Sieg zum Weiterkommen, Österreich reichte eine knappe Niederlage, um die punktgleichen Nordafrikaner aus dem Wettbewerb zu werfen.

Nach dem frühen 1:0 durch Horst Hrubesch stellten beide Mannschaften nach und nach ihre Offensivbemühungen ein. Die algerischen Fans auf den Rängen wedelten mit Geldscheinen. Mehrere Spieler gaben im Nachhinein einen "Nichtangriffspakt" oder eine Absprache in der Halbzeit zu.

Der Standard mutmaßte schon vor dem Turnier: "Sollten die Erben der Täter bzw. Opfer der Schande von Gijón im letzten Spiel quasi gegen den Sieg spielen, wäre das der absurdeste Treppenwitz der Fußballgeschichte."

Von einer Absprache wollte Posch im österreichischen WM-Quartier aber nichts hören. "Ich kann ja nicht in das Spiel gehen und sagen, heute will ich unentschieden spielen oder verlieren. Das funktioniert ja nicht", sagte der Mainzer: "Ich glaube, das hat keiner von uns jemals gemacht und wird's auch nie machen. Deswegen stellt sich da für uns gar keine Frage."

Die Österreicher wollen sich auch gegen Algerien in jeden Zweikampf werfen
Die Österreicher wollen sich auch gegen Algerien in jeden Zweikampf werfenREUTERS/Issei Kato

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