Die 6. Runde der ADMIRAL Bundesliga 2026/27 brachte einen spannenden Dreikampf an der Tabellenspitze mit sich: LASK und Rapid liegen mit jeweils 15 Punkten gleichauf, Salzburg lauert mit 14 Zählern nur knapp dahinter. Doch die Runde bot noch mehr – allen voran ein technisches Debakel beim Topspiel in Graz, das die Diskussion um den Videobeweis in Österreich neu entfacht hat.
TOP – Rapid gewinnt jetzt auch die „einfachen" Spiele
Früher waren es genau solche Partien, die Rapid immer wieder unnötig Punkte gekostet haben – Auswärtsspiele bei vermeintlich leichteren Gegnern, die dann doch zum Stolperstein wurden. Beim geschwächten WAC ließen die Hütteldorfer diesmal aber nichts anbrennen und siegten souverän mit 3:0. Serge-Philippe Raux-Yao brachte Rapid früh in Front (13.), ehe Nenad Cvetkovic noch vor der Pause nachlegte (35.). Den Schlusspunkt setzte Petter Nosa Dahl in der 83. Minute.
Der WAC trat dabei arg dezimiert an: Cheick Diabate (Knieprobleme), Kapitän Nicolas Wimmer (Kreuzbandriss) und Raffael Behounek (Bänderriss) fehlten in der Abwehr, dazu war Topstürmer Giacomo Vrioni verletzungsbedingt nicht einsatzfähig. Die beste Wolfsberger Chance vergab Phillip Verhounig in der 65. Minute. „Das Ergebnis ist eine Spur zu hoch, aber Rapid hat verdient gewonnen. Die zwei Gegentore aus Standardsituationen waren billig", analysierte WAC-Trainer Thomas Silberberger selbstkritisch. Rapid-Coach Johannes Hoff Thorup sah in der Effizienz keinen Zufall: „Standardsituationen waren schon in der Vorbereitung ein großes Thema. Wir sind Zweiter, vorne dabei, genau da, wo wir sein wollen."
FLOP – Schiedsrichter und VAR sorgten reihenweise für Ärger
Schon beim WAC-Spiel häuften sich die fragwürdigen Entscheidungen. Rapids 2:0 durch Nenad Cvetkovic (35.) fiel nach einem kurz abgespielten Eckball – nur: Ob es überhaupt einer war, blieb zweifelhaft. WAC-Verteidiger Simon Piesinger schilderte es nach dem Spiel so: „Es war kein Eckball. Ich habe ihn gefragt, ob es einer war. Er hat gesagt, er schwört, dass er ihn nicht berührt hat."
Auch die TV-Bilder ließen Zweifel an der Eckball-Entscheidung des Schiedsrichters Alain Sadikovski zu, überprüft wurde sie vom VAR aber nicht. Für zusätzlichen Unmut sorgte kurz vor der Pause die Gelbe Karte gegen Petter Nosa Dahl wegen einer vermeintlichen Schwalbe – auf Rapid-Seite wertete man die Szene als klares Elfmeterfoul, für die VAR-Überprüfung stand dabei aber offenbar nur eine einzige Kameraeinstellung zur Verfügung. Später im Spiel soll zudem ein Handspiel von eben jenem Piesinger als letztem Mann unentdeckt geblieben sein – eine Szene, die im Zweifel sogar Rot bedeutet hätte.
Richtig chaotisch wurde es dann aber im Topspiel zwischen Sturm Graz und LASK. Vor 15.649 Zuschauern in Liebenau gewann Sturm dank Toren von Gizo Mamageishvili (34.) und Oumar Diakite (59.) mit 2:1 – Krystof Danek hatte für den Meister zwischenzeitlich ausgeglichen (45.+3) und fügte dem LASK damit die erste Saisonniederlage zu. Die eigentliche Aufregung begann aber erst in der Schlussphase: Ab der 86. Minute fiel bei Sky Sport Austria das Live-Bild aus, ein Stromausfall hatte die Übertragung lahmgelegt. Zu sehen war fortan nur noch das Sender-Logo samt Programmvorschau – bis zum Abpfiff.
Mitten in diesem Blackout ereignete sich die entscheidende Szene: In der 92. Minute wurde LASK-Stürmer Florian Flecker im Strafraum von Jacob-Peter Hödl zu Fall gebracht, Schiedsrichter Sebastian Gishamer entschied nicht auf Elfmeter. Videoreferee Manuel Schüttengruber konnte die Szene wegen des Stromausfalls gar nicht erst überprüfen – die Entscheidung blieb damit ungeklärt im Raum stehen.
„Das ist eine ganz klare Verhinderung einer Torchance, da müsste es einen Elfmeter geben", ärgerte sich Ex-Teamspieler Saša Kalajdžić über die verpasste Überprüfung und nannte die gesamte Situation „peinlich". LASK-Verteidiger Sascha Horvath frotzelte frustriert: „Ab jetzt drehen wir den Fernseher ab, wenn eine strittige Szene gegen uns passiert." LASK-Torschütze Kalajdžić selbst wollte hinterher aber keine Ausreden gelten lassen: „Wir sind selbst schuld."
TOP – Ried erkämpfte sich einen Punkt gegen Salzburg
Die SV Ried zeigte gegen den favorisierten Tabellendritten Red Bull Salzburg eine bärenstarke kollektive Leistung und rettete am Ende ein verdientes 1:1. Die Salzburger bestimmten über weite Strecken das Geschehen und vergaben reihenweise gute Möglichkeiten: Haris Tabakovic traf bereits in der 8. Minute nur das Aluminium, Yorbe Vertessen köpfte in der 26. Minute knapp vorbei, ehe Tabakovic in der 31. Minute nach Steilpass erneut scheiterte. Nach dem Seitenwechsel hielt Rieds Schlussmann Zawieschitzky seine Mannschaft mit einer Parade gegen einen Kopfball von Samuel Chukwudi im Spiel (68.).
Die Führung der Gäste durch Abdoulaye Konaté mit einem satten Schuss ins lange Eck (83.) schien die verdiente Entscheidung zu sein, doch Ried schlug postwendend zurück: Nur zwei Minuten später köpfte Philipp Pomer nach einer Ecke zum umjubelten 1:1-Ausgleich ein. Für die Innviertler war es nach einer bislang schwierigen Saison ein wichtiges Ausrufezeichen gegen einen der Tabellenführer.
FLOP – Hartberg verspielte einen Sieg gegen WSG Tirol
Der TSV Hartberg war auf dem besten Weg zum dritten Sieg in Folge, ehe alles noch kippte. Im Tivoli Stadion Tirol erspielten sich die Steirer über Standardsituationen eine 2:0-Halbzeitführung: Oliver Lukic traf in der 14. Minute, Marco Hoffmann legte kurz vor der Pause nach (44.). Die beste Chance der WSG in Durchgang eins vergab Michael Olakigbe (20.).
Nach dem Seitenwechsel steigerte sich die WSG spürbar und kam durch Lukas Hinterseer heran (72.). In der 95. Minute dann das bittere Ende für Hartberg: Oliver Lukic – kurz zuvor noch Torschütze zum 1:0 – schubste Thomas Sabitzer im eigenen Strafraum zu Boden, Schiedsrichter Untergasser zeigte auf den Punkt. Murat Satin verwandelte souverän zum 2:2-Endstand und bewahrte die Wattener vor der Niederlage. WSG-Trainer Philipp Semlic sprach von einer „Energiesteigerung" seiner Mannschaft und einem „hochverdienten Punkt". Hartbergs Markus Schopp sah das naturgemäß anders: „Es ist eine gefühlte Niederlage" – und kritisierte die „ängstliche" Spielweise seiner Elf in der Schlussphase.
TOP – GAK mit wichtigem Sieg in Altach
Der GAK durfte sich über einen wichtigen Auswärtssieg freuen: Bei Schlusslicht Altach setzte es einen 2:1-Erfolg, den zweiten Saisonsieg für die Grazer und zugleich den ersten Auswärtssieg unter dem neuen Cheftrainer Gerald Scheiblehner. Yannick Oberleitner brachte den GAK früh in Führung (6.), ehe Yann Massombo für die Vorarlberger ausglich (25.). Alexander Hofleitner stellte noch vor der Pause den Endstand von 1:2 her (38.). Niklas Niehoff hätte für Altach beinahe noch ausgeglichen, traf aber nur die Latte (20.).
Es war bereits die vierte Niederlage in Folge für Altach, während der GAK trotz weiterer Ausfälle am Spieltag zulegte. „Wir haben eine phänomenale Teamleistung geboten. Am Spieltag fielen noch zwei weitere Spieler aus. Da kann man viel Energie daraus schöpfen", freute sich Scheiblehner. Altach-Trainer Ognjen Zaric übte scharfe Selbstkritik: „Wir müssen es realistisch einordnen. Der GAK hatte zur Pause einen xG-Wert von 0,1, uns schenkten sie aber zwei Tore ein." Nebenbei feierte GAK-Kapitän Peter Michorl bei seinem 200. Bundesliga-Einsatz auch noch seinen 48. Assist in der Liga.
