Statt beim größten Volksfest der Welt den Bierkrug zu stemmen oder sich auf dem rasanten Fahrgeschäft Breakdancer einen Adrenalinschub zu holen, will Klopp am Donnerstag (20.45 Uhr/ZDF) in München gegen Serbien im Rahmen der Nations League lieber zwei seiner größten Vorgänger nacheifern.
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Die späteren Weltmeistertrainer Sepp Herberger und Helmut Schön verpassten in ihren ersten beiden Spielen ebenfalls einen Sieg. "Chef" Herberger (3:2 gegen Luxemburg) und "Mützenmann" Schön (5:0 gegen Zypern) holten ihn im dritten Anlauf nach - das wäre in der noch nicht ausverkauften Arena auch ganz in Klopps Sinne.

Deutsches Team wird durchgemischt
"Jetzt kommt die nächste Gruppe, die sind ausgeruht, dadurch können wir ein bisschen mehr machen", sagte der große Hoffnungsträger des deutschen Fußballs nach dem "Bettenwechsel" seines zweigeteilten XXL-Kaders. Der frische Wind ist nach dem schlechtesten Start eines Bundestrainers mit dem Unentschieden in den Niederlanden (1:1) und der ernüchternden Heimpremiere gegen Griechenland (0:1) willkommen.

Mehrere WM-Fahrer stießen dazu - darunter Waldemar Anton, David Raum und Aleksandar Pavlovic, die alle beginnen könnten. Von den sechs Spielern, die Klopp da behalten hat, sollte Nico Schlotterbeck zurückkehren. Mindestens ein weiterer Debütant wird starten: Jonas Urbig hat bislang kein Länderspiel bestritten, der Münchner bekommt sein Heimspiel. Auch sechs Feldspieler hoffen auf ihre Premiere.
"Nicht das Bayern München des europäischen Fußballs"
Klopp wird einem Debütanten als dann 1000. Nationalspieler einen Platz in den DFB-Geschichtsbüchern sichern. "Das wäre nicht verkehrt. Aber es ist mir relativ egal, ob ich der Tausendste oder der 999. bin", sagte England-Legionär Vitaly Janelt vom FC Brentford.
Viel wichtiger ist ein Sieg gegen die kriselnden Serben, die Neuankömmlinge brennen drauf. "Wir sind in einer neuen Zusammenstellung. Wir versuchen jetzt, Gas zu geben, Spielfreude reinzubringen und unsere Spiele zu gewinnen", sagte der frühere U17-Weltmeister Finn Jeltsch aus Stuttgart.

Siege gegen Serbien und am Sonntag im Rückspiel gegen die Griechen in Thessaloniki sollen die Stimmung aufhellen. "Dass Jürgen Klopp nicht mit Handauflegen alle Probleme löst - ich wusste das vorher. Falls jemand es nicht wusste, weiß er es jetzt", sagte Klopp, der zwei Spieler aus dem 25er-Kader auf die Tribüne setzen muss.
Die Hoffnungen in der Offensive ruhen auf Florian Wirtz. Doch der Kurzauftritt des Liverpoolers nach seiner Einwechslung in Augsburg stimmte nachdenklich. Insgesamt muss das Angriffsspiel gegen einen erwartet tief stehenden Gegner an Schwung aufnehmen. In den vergangenen vier Begegnungen gelangen der DFB-Auswahl lediglich drei Tore in 390 Minuten. "Wir sind nicht das Bayern München des europäischen Fußballs, wir sind eine Fußballmannschaft, die sich finden muss. Wir müssen die letzte Linie stressen, es ist nicht so kompliziert, wir werden das hinkriegen", sagte Klopp zuversichtlich.
Trotz Negativ-Serie: Klopp bleibt Optimist
Ein Erfolg ist mit Blick auf den erhofften Viertelfinaleinzug in der Nationenliga Pflicht - und zur Besänftigung der deutschen Fußballseele. "Sollte in den nächsten Spielen weiter keine Besserung eintreten, wird sich der Ton auch ihm gegenüber schnell verschärfen", sagte Stefan Effenberg über Klopp.
Seit vier Spielen wartet der viermalige Weltmeister auf einen Sieg. Eine längere Negativserie (fünf) gab es zuletzt unter Hansi Flick, der danach entlassen wurde. Die Gefahr besteht bei Klopp nicht, zudem ist er von Fortschritten überzeugt. "Es kommt der Moment, in dem wir für jeden ein unangenehmer Gegner sind", versicherte er.
Bis es so weit ist, widmet er seine gesamte Zeit der Mannschaft. Olympia-Looping, Teufelsrad und Ochsenbraterei müssen warten.
