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Letzte Chance für Edmonton? NHL-Star Draisaitl stützt umstrittenen Trainer

Leon Draisaitl (r.) im Preseason-Einsatz mit den Edmonton Oilers
Leon Draisaitl (r.) im Preseason-Einsatz mit den Edmonton OilersPerry Nelson-Imagn Images via REUTERS

Die Zeit drängt. "Jünger werden wir alle nicht", sagt Leon Draisaitl, der in seinem 13. NHL-Jahr noch immer seinem Traum vom Stanley Cup hinterherjagt - und deshalb auch vor unpopulären Maßnahmen nicht zurückschreckt. Deutschlands Eishockeystar sprach sich für den umstrittensten Neuzugang bei den Edmonton Oilers aus: Trainer Mike Babcock.

Der 63-Jährige ist eigentlich ein Auslaufmodell - trotz seiner Erfolge als Olympiasieger und Weltmeister mit Kanada und dem NHL-Titel mit den Detroit Red Wings. Denn Babcocks Methoden sind ein Anachronismus: Schon in Detroit und später in Toronto geriet er wegen seines Umgangs vor allem mit jungen Spielern in die Kritik, seine Ex-Schützlinge sprachen von Mobbing. Deshalb stand er seit sieben Jahren bei keinem NHL-Spiel mehr an der Bande. Eine erste Rückkehr 2023 scheiterte, weil er in Columbus seine Spieler aufforderte, ihm private Fotos auf dem Smartphone zu zeigen. Nach dem öffentlichen Aufschrei trat er schon vor dem Saisonstart zurück.

Dass Edmonton ihn dennoch verpflichtete, zeigt, wie groß die Verzweiflung bei den Oilers ist. Nach zwei verlorenen Finalserien schied der Altmeister im vergangenen Frühjahr sensationell schon in der ersten Playoff-Runde gegen den krassen Außenseiter Anaheim Ducks aus. Kanadas Superstar Connor McDavid, Draisaitls kongenialer Sturmpartner, steht nur noch zwei Jahre unter Vertrag, weil er sich nicht langfristig binden wollte.

Der Druck ist enorm, wenn Draisaitl und Co. in der Nacht zu Mittwoch (4.00 Uhr MESZ/Sky) gegen die Vancouver Canucks in die neue Saison starten. "Wenn es jetzt mit dem Titel nicht klappt, ist McDavid weg und irgendwann dann auch Draisaitl", glaubt Ex-Bundestrainer Marco Sturm, Headcoach bei den Boston Bruins, im kicker-Interview. Wenn Edmonton für den besten Eishockeyspieler der Welt noch einen Gegenwert bekommen will, müsste der Klub seinen Superstar wohl im nächsten Sommer transferieren. Dann wäre das beste Offensivduo der Liga gesprengt - und die Chance auf den ersten Stanley-Cup-Triumph seit 1990 deutlich geschrumpft.

Zum Draisaitl-Saisonstart: Edmonton Oilers vs. Vancouver Canucks

Deshalb sprachen sich Draisaitl und McDavid auch für Babcock aus, als die Klubführung ihre Meinung einholte. Und damit für den Gegenentwurf zum entlassenen Kris Knoblauch, McDavids Juniorentrainer, der in den vergangenen drei Jahren das große Ziel nicht erreicht hatte. Babcock sei "zum jetzigen Zeitpunkt der richtige Mann", meint Draisaitl, auch wenn er "sehr viel Gepäck" mitbringe.

Oilers-Legende Messier "schockiert" über Babcock-Verpflichtung

Nach vielen "Players' Coaches, die ganz feine Menschen waren", brauche es "einen neuen Zug in der Mannschaft". Den sprichwörtlichen Tritt in den Hintern inklusive: "Absolut, das muss auch so sein. Wir sind alle gestandene Männer. Wir können damit umgehen, wenn es auch mal lauter wird."

Dagegen war Mark Messier, der mit den Oilers alle fünf NHL-Titel gewann, "absolut schockiert" von Babcocks Verpflichtung - und kritisierte auch Draisaitls und McDavids Mitwirken, die eigentlich ihre Mitspieler "schützen" müssten: "Ich bin einfach entsetzt."

Dass General Manager Stan Bowman zudem Alex Formenton aus dessen Schweizer Exil in die NHL zurückholte, sorgte zusätzlich für Fanproteste. Der 26-Jährige hatte sich wegen des Vorwurfs der sexuellen Nötigung vor Gericht verantworten müssen, war im vergangenen Jahr aber freigesprochen worden. Edmonton setzt damit konsequent seine umstrittene Personalpolitik fort: Bowman selbst war trotz der Vertuschung eines Missbrauchsskandals in Chicago vor zwei Jahren verpflichtet worden.

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