Das Ende des Exzentrikers: Riera vor Entlassung – wer folgt in Frankfurt?

Riera wird vorgeworfen, keinen richtigen Draht zur Mannschaft zu haben
Riera wird vorgeworfen, keinen richtigen Draht zur Mannschaft zu habenČTK / imago sportfotodienst / Jürgen Kessler

Schon vor dem Spiel bei Borussia Dortmund sind sich rund um Eintracht Frankfurt (fast) alle einig: Albert Riera wird seinen Trainerstuhl räumen müssen. In diversen Medien wird schon eifrig nach einem möglichen Nachfolger gesucht. Dabei ist ein alter Bekannter in den Fokus geraten.

Im Grunde geht es nur noch darum, ob Albert Riera die 100 voll bekommt oder nicht. Wenn Eintracht Frankfurt am Freitag (20:30 Uhr/Sky) bei Borussia Dortmund antritt, wird der spanische Exzentriker auf dem Trainerstuhl des hessischen Fußball-Bundesligisten 95 Tage im Amt sein.

Viel mehr – da sind sich fast alle Experten einig – werden es nicht. Das spanische Missverständnis endet entweder am Samstag oder eine Woche später nach dem letzten Spieltag.

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Hütter als Nachfolger im Gespräch

Längst dreht sich in Frankfurt alles um die Frage, wer Riera beerbt. "Ein Trainer auf Abruf, und wer kommt dann?", titelte die Rundschau am Donnerstag und brachte diverse Namen ins Spiel.

Auch der Hessische Rundfunk listete schon mehrere Nachfolgekandidaten von Adi Hütter über Matthias Jaissle, Domenico Tedesco, Alexander Blessin bis hin zu Christian Eichner auf. Bei der dazugehörigen Umfrage des Senders liegt der frühere Eintracht-Coach Hütter klar vorne.

Hütter hat zuletzt in Monaco erfolgreiche Arbeit geleistet
Hütter hat zuletzt in Monaco erfolgreiche Arbeit geleistetMUSTAFA YALCIN / ANADOLU / ANADOLU VIA AFP

Zwischenmenschlich passt es nicht

Eine andere HR-Umfrage offenbart ziemlich gut, wie es um Riera steht – unter dessen Leitung der Eintracht die erste Saison ohne Europacup seit fünf Jahren droht. Knapp 92 Prozent der Befragten wollen einen Rauswurf des 44-Jährigen, der seinen Job als Nachfolger von Dino Toppmöller am 2. Februar angetreten hatte und von Beginn an umstritten war.

Auch die Ergebnisse passen nicht
Auch die Ergebnisse passen nichtFlashscore

Der unkonventionell auftretende Riera eckt einfach zu oft an. Neben sportlichen Defiziten werden dem Mallorquiner interne Unstimmigkeiten zur Last gelegt. Die Vorwürfe reichen von Sturheit über Arroganz bis hin zu Zoff mit diversen Profis. "Darum ist Riera bei Eintracht gescheitert", titelte die Bild und listete die Mängel auf.

Da wundert es nicht, dass Riera längst auch mit den Medienvertreten über Kreuz liegt. Nach zuvor bereits gewöhnungsbedürftigen Auftritten in der Öffentlichkeit inklusive fragwürdiger Aussagen fiel der Ex-Profi zuletzt mit einer Wutrede auf. Bei einer selbst für seine Verhältnisse bizarren Pressekonferenz bezeichnete er die Berichterstattung rund um den Klub als "totalen Bullshit".

Riera hat bei einer Pressekonferenz zur Medienschelte angesetzt
Riera hat bei einer Pressekonferenz zur Medienschelte angesetztKIRILL KUDRYAVTSEV / AFP

Krösches Rückendeckung verschwunden

Sportvorstand Markus Krösche hatte sich das alles ganz anders vorgestellt. Disziplin sollte unter Riera wieder einkehren, nachdem Toppmöller seinen Schützlingen wohl zu viele Freiheiten gewährt hatte. Doch die Hoffnungen erfüllten sich nicht, es gab keinen spürbaren Aufschwung. Schon vor drei Wochen stellte Krösche seinem Trainer, den er aus Slowenien geholt hatte, deshalb ein differenziertes Zeugnis aus.

Krösche hat bei der Trainerfrage kein goldenes Händchen bewiesen
Krösche hat bei der Trainerfrage kein goldenes Händchen bewiesenMARC SCHULER / DPA / DPA PICTURE-ALLIANCE VIA AFP

"Er ist ein Typ, der auch mal polarisiert. Das kannst du gut oder schlecht finden, aber er ist authentisch", sagte Krösche damals im Doppelpass bei Sport1: "Trotz des Trainerwechsels setzen wir gewisse Dinge nicht um auf dem Platz. Wir haben keine Stabilität als Mannschaft generell."

Im Anschluss an die jüngste Niederlage gegen den Hamburger SV (1:2) vermied Krösche dann ein Bekenntnis zu Riera. Da der Sportchef aufgrund der schwachen Saison des teuersten Kaders der Klubgeschichte und der Riera-Verpflichtung trotz diverser Warnungen selbst in die Kritik geraten ist, sollte seine nächste Trainerwahl besser sitzen – am Samstag oder eine Woche drauf.