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Torwart-Schutz und weniger VAR? Fragen und Antworten zu den neuen Fußballregeln

Die Schiedsrichter der Bundesliga müssen sich in der neuen Saison an veränderte Regeln gewöhnen.
Die Schiedsrichter der Bundesliga müssen sich in der neuen Saison an veränderte Regeln gewöhnen.HARRY LANGER / DPA PICTURE-ALLIANCE VIA AFP

Ab Freitag starten die Fußball-Bundesligisten in der ersten Runde des DFB-Pokals in die neue Saison, eine Woche später beginnt die Liga. Spieler, Trainer und Fans müssen sich an neue Regeln gewöhnen. Doch im deutschen Profifußball wird nicht alles zur Anwendung kommen, was bei der zurückliegenden WM-Endrunde in Nordamerika als Neuerung zu sehen war.

Welche WM-Regeln werden übernommen?

Zur Zeitspiel-Vermeidung kommen bei Abstößen und Einwürfen die Fünf-Sekunden-Countdowns zur Anwendung. Bei Überschreitung wird aus dem Abstoß eine Ecke für das gegnerische Team - und das Einwurfrecht wechselt. Um die Nettospielzeit zu erhöhen, müssen Spieler, die ausgewechselt werden, innerhalb von zehn Sekunden vom Platz. Halten sie sich nicht daran, darf der Einwechselspieler den Platz erst bei der ersten Spielunterbrechung nach Ablauf einer Minute betreten.

Zudem müssen Spieler, die auf dem Platz behandelt werden oder eine verletzungsbedingte Unterbrechung der Partie verursachen, das Feld verlassen und nach Wiederanpfiff eine Minute lang draußen warten. Eine Ausnahme bildet der Torwart.

Was ist mit dem Videobeweis?

Wie schon bei der WM gesehen, werden die Kompetenzen des Video-Assistenten auf die Überprüfung der zweiten Gelben Karte bei Gelb-Rot ausgeweitet. Dabei geht es allerdings "nur" um ungerechtfertigt verhängte Gelb-Rote Karten, weil die zweite Gelbe Karte eindeutig falsch war oder es sich um eine Spielerverwechslung handelt. Wenn der Schiedsrichter keine Gelbe gezeigt hat, obwohl sie richtig gewesen wäre, bleibt der Video-Assistent still.

Wie läuft es generell mit dem VAR?

Die von der Europäischen Fußball-Union (UEFA) angekündigte Zurückhaltung beim Einsatz des VAR wird umgesetzt. Laut Jochen Drees, dem Video-Chef beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), soll der Video-Assistent ganz im Sinne der UEFA "stärker im Hintergrund" gelassen werden.

Das verdeutlichte auch Benjamin Schmedes. "Für den Eingriff des Video-Assistenten soll es eine höhere Schwelle geben. Es soll um klare und offensichtliche Fehlentscheidungen gehen. Wir wollen die Zeit am Bildschirm minimieren", sagte der Bundesliga-Sportdirektor: "Trotz allem werden wir Diskussionen nicht vollends vermeiden können." In der ersten Runde des Pokals kommt der VAR wie schon zuletzt nicht zum Einsatz.

Welche WM-Regeln werden nicht übernommen?

Eckstöße werden im Gegensatz zur Endrunde nicht vom Video-Assistenten überprüft, zudem wird keine Rote Karte für das Zuhalten des Mundes mit der Hand oder das Verlassen des Feldes aus Protest gegen eine Schiedsrichter-Entscheidung gegeben. Diese Regeln hatten die Regelhüter des International Football Association Board (IFAB) lediglich optional eingeführt.

Zudem wird der Torwart nicht so extrem geschützt wie bei der WM. Das Blocken des Keepers ohne aktive Bewegung in ihn hinein ist erlaubt. Das nicht gegebene Tor von Jonathan Tah beim deutschen WM-Aus gegen Paraguay hätte in Bundesliga gezählt.

Was soll besser werden als bei der WM?

Dass die Kapitänsregel - im Kampf gegen die Rudelbildung darf nur der Spielführer mit dem Referee reden - bei der Endrunde quasi ausgesetzt war, hat den Schiri-Bossen gar nicht gefallen. Das soll in der Bundesliga anders laufen. "Der Umgang mit Unsportlichkeiten war bei der WM sicher nicht beispielgebend für die Bundesliga", sagte Marco Fritz in seiner Rolle als Leiter Evaluation, Beobachtungen und Regelauslegung der DFB Schiri GmbH: "Da waren wir schon weiter bei Themen wie 'Mobbing the Referee', dem Kapitänsdialog und der Verhinderung einer schnellen Spielfortsetzung."

Gibt es weitere Neuheiten?

Ja. Wenn sich der Schiedsrichter dazu entscheidet, das Spiel aufgrund eines Vorteils weiterlaufen zu lassen und daraus ein Tor entsteht, fallen Bestrafungen wie Gelbe oder Rote Karten zur Vereitelung dieses Tores weg. Zudem kann die Vorteilsregelung auch bei einer nicht korrekten Spielfortsetzung (falscher Einwurf, falscher Freistoßort) angewandt werden.

Noch etwas Wichtiges?

Ja. Beim immer wieder diskutierten Handspiel im Strafraum gibt es keine Neuerungen. Fritz ist mit der Auslegung der Regel trotz der zahlreichen Debatten sehr zufrieden. Für die Auslegung sind in der kommenden Bundesliga-Spielzeit übrigens 22 Schiedsrichter zuständig - zwei weniger als zuletzt.