"Zwei Punkte geklaut": FC Augsburg versteht die Regeln nicht mehr - Kircher gibt Fehler zu

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Jess Thorup.
Jess Thorup.Profimedia

Der FC Augsburg vergibt eine Führung gegen Werder Bremen - und echauffiert sich anschließend über den Schiedsrichter.

Für Jess Thorup war die Sache klar. "Er", schimpfte der Trainer des FC Augsburg, "hat uns zwei Punkte genommen." Bei "er" handelte es sich um den Schiedsrichter, um Sascha Stegemann aus Niederkassel, der den Gastgebern 13 Minuten vor dem Ende des Spiels gegen Werder Bremen trotz Videostudiums einen Handelfmeter verweigerte. "Das war ein klarer Handelfmeter. Punkt. Ende", erboste sich Augsburgs Geschäftsführer Michael Ströll.

Bremens Trainer Ole Werner wollte sich nach dem 2:2 (2:1) nicht an der "Detektivarbeit" in der Causa beteiligen, die Augsburger verstanden derweil die Welt nicht mehr, nachdem Werders Anthony Jung den Ball nach einer Flanke an den weit ausgestreckten linken Arm bekommen hatte. Stegemann, sagte Ströll, habe dies als "natürliche Handbewegung" gesehen. Kapitän Jeff Gouweleeuw ergänzte, der Schiedsrichter habe ihm gesagt, es sei "kein klares Handspiel" gewesen.

Was die Augsburger so erregte: Vier Tage vor dem Spiel hatten sie eine Regelschulung von Schiedsrichter Felix Brych bekommen - dabei "wurde uns ganz klar gesagt, dass die Schiedsrichter bei einer derartig abgespreizten Armhaltung Elfmeter pfeifen", berichtete Thorup, "was soll ich jetzt meinen Spielern sagen?" Er könnte wiedergeben, was DFB-Schiedsrichter-Chef Knut Kircher am Sonntag im Sport1-Doppelpass anmerkte: "Ich persönlich hätte hier gerne ein Handspiel gehabt."

"Top-Leistung, er war immer gefährlich"

Gesprächsstoff hatte der Trainer freilich auch so genug, und es gab durchaus Positives zu berichten. Thorup lobte ausdrücklich den Neuzugang Samuel Essende, den Augsburg beim portugiesischen Erstliga-Absteiger FC Vizela ausgelöst hat. Der 26-Jährige soll irgendwie Top-Scorer Ermedin Demirovic ersetzen, der für ein Ablöse von 21 Millionen Euro an den VfB Stuttgart verkauft wurde. "Er hat eine Top-Leistung gebracht, er war immer gefährlich", sagte Thorup.

Essende führte sich mit dem Führungstreffer zum 2:1 ein (35.). Zuvor hatte Bremens Felix Agu (12.) Augsburgs neuen Torwart Nediljko Labrovic sehr schlecht aussehen lassen und Elvis Rexhbecaj mit einem Traumtor (25.) den Ausgleich für die Gastgeber erzielt. Die Bremer aber blieben unermüdlich, Justin Njinmah stellte den Endstand her (58.). Da wäre mehr drin gewesen, signalisierte Werner, "wir hätten effizienter sein können".

Kircher gibt Fehler zu

Der neue Schiedsrichter-Chef Knut Kircher hat Fehler seiner Schützlinge gleich am ersten Spieltag der Fußball-Bundesliga unumwunden eingeräumt. "Da ist gar nichts zu hundertprozentiger Zufriedenheit gelaufen", sagte der Nachfolger von Lutz Michael Fröhlich beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) am Sonntag im Sport1-Doppelpass: "Wir wollen keine unsäglichen Diskussionen zu Handspielen und VAR-Einsätzen."

Kircher hatte vor der Saison angekündigt, dass die Video-Assistenten bei Entscheidungen im Graubereich die "Finger weglassen" sollen. Das wiederholte der 55 Jahre alte Schwabe: "Wir wollen den VAR nur bei Schwarz-Weiß-Entscheidungen."

Mit Blick auf den Ärger über die komplexe Handspielregel wird es eher keine Besserung geben. "Die Kriterien für ein Handspiel, die uns derzeit an die Hand gegeben werden, sind leider nicht so klar. So schwarz und weiß ist das nicht", sagte Kircher: "Da wird es im Laufe der Saison Ausreißer nach links und rechts geben. Die müssen wir einfangen."

Vor allem beim Eröffnungsspiel zwischen Borussia Mönchengladbach und Bayer Leverkusen (2:3) sowie bei der Partie zwischen dem FC Augsburg und Werder Bremen (2:2) hatte es Streit über die Schiedsrichter-Entscheidungen gegeben.