Es war beinahe wie immer. Kaum war die Meisterschale überreicht, wurde ausgiebigst und völlig enthemmt weißbiergeduscht, danach ging es weiter zur internen Feier auf dem Nockherberg, die bis tief in die Nacht andauerte. Also business as usual beim FC Bayern? Mitnichten. Die Münchner feierten ihre 35. Meisterschaft, als hätten sie bislang keine gewonnen. "Jede Meisterschaft ist die erste", sagte Trainer Vincent Kompany, er gab die Stimmung vor dem DFB-Pokalfinale am kommenden Samstag damit präzise wieder.
"War eine fantastische Saison"
Die Meisterschaft zu feiern, das sei eben etwas ganz "Besonderes", betonte etwa auch Jonathan Tah, und "egal wie oft man in dem Verein den Titel gewonnen hat, man sollte ihn immer wieder so feiern, als wäre es das erste Mal, weil jeder Titel, den man gewinnt, den erarbeitet man sich hart." Und nein, ergänzte der Nationalspieler, daher gefalle es ihm auch "gar nicht", wenn man die Meisterschaft, und sei es auch die erwartbare 35., "irgendwie so als selbstverständlich betrachtet".
89 Punkte, dazu sagenhafte 122 Tore - diese 35. Meisterschaft, betonte Sportdirektor Christoph Freund mit einem glückseligen Lächeln nach dem finalen 5:1 (3:1) gegen den 1. FC Köln, "fühlt sich richtig richtig gut an". Ja, ergänzte Harry Kane, der seine persönliche Ausbeute mit einem Dreierpack auf 36 Treffer schraubte und zum dritten Mal in Serie die Torjäger-Kanone erhielt, "es war eine fantastische Saison in der Bundesliga. Die Art und Weise, wie wir es getan haben, finde ich wirklich beeindruckend."
Doch bei aller ehrlichen Freude über die Meisterschaft: Die Bayern wissen, dass sie ihre Saison nur dann als Erfolg werten können, wenn auf die Meisterschaft nun noch der Pokalsieg in Berlin gegen den VfB Stuttgart folgt. "Wenn wir nicht gewinnen", gestand Kane ein, "wird das einen bitteren Beigeschmack hinterlassen. Bei diesem Klub sind zwei Titel das Minimum, auf das wir in jeder Saison abzielen sollten. Also ist es ein großes Spiel für uns."
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"Ab Montag den Knopf wieder umdrehen"
Ähnlich klang das auch bei Tah. Wenn es schon nichts wurde mit dem Triple, muss es nun wenigstens das Double werden. "In der Champions League ist es nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben", sagte er. Auch mit dem Abschneiden in der Königsklasse, wo in einem packenden Halbfinale gegen Paris Saint-Germain Schluss war, "müssen wir uns nicht verstecken, aber da haben wir die Titel nicht geholt." Deshalb sei es "natürlich wichtig für uns", den Pokal zu gewinnen.
Wie wichtig den Münchnern ihr 21. Gewinn des DFB-Pokals und damit das 14. Double ist, konnten sie daher gar nicht oft genug betonen. "Wir müssen", betonte Kane, "dieses Spiel noch gewinnen, um wirklich das Gefühl zu haben, dass wir den nächsten Schritt gemacht haben." Es wäre, ergänzte er bestimmt, ein wichtiges Signal. "Dann gehen wir mit der gleichen Mentalität in die nächste Saison und versuchen, alles zu gewinnen." Den 36. Meistertitel, dann zum 22. Mal den Pokal - und vor allem: zum siebten Mal den Henkelpott.
Der Samstag und der Sonntag aber standen erst mal ganz im Zeichen der 35. Meisterschaft. Ganz im Sinne von Kompany, der betonte: "Wichtig ist, dass wir diesen Titel schätzen und feiern ... und ab Montag den Knopf wieder umdrehen."
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