Mit "Härzbluet" zum Titel: Aufsteiger Thun vor dem Meisterstück

Justin Roth (l.) und Trainer Lustrinelli (r.)
Justin Roth (l.) und Trainer Lustrinelli (r.)ČTK / imago sportfotodienst / PIUS KOLLER

Der FC Thun kann am Samstag als Aufsteiger erstmals Schweizer Meister werden. Bislang war der Klub eher für Skandale bekannt.

Es ist alles bereit für die große Meistersause. Die Sperrstunde ist aufgehoben, der Termin für die Pokalübergabe steht. Jetzt muss nur noch der FC Thun mitspielen.

Fünf Matchbälle hat der Aufsteiger, um das Fußball-Märchen zu vollenden und völlig überraschend die Schweizer Meisterschaft zu holen. Gelingt am Samstag (20:30 Uhr) ein Heimsieg gegen Lugano, kann die Party beginnen.

Thun hat den Titel in der eigenen Hand
Thun hat den Titel in der eigenen HandFlashscore

Es wäre ein Novum: In 128 Jahren hat der Verein aus dem Berner Oberland keinen einzigen Titel gewonnen. Nun wird sich das ändern. Stolze 14 Punkte liegt der FC Thun vor St. Gallen, 21 vor Noch-Meister FC Basel, 26 vor dem großen Nachbarn Young Boys Bern, sogar 47 vor Rekordmeister Grasshopper Club Zürich. Erinnerungen an den Titelgewinn des 1. FC Kaiserslautern als Aufsteiger 1998 werden wach.

Die Tabellenspitze in der Schweiz
Die Tabellenspitze in der SchweizFlashscore

Keine Meisterprämie ausgehandelt

Ein kleines Wunder ist das durchaus. Schließlich war Thun erst 2025 nach fünf Jahren Abwesenheit ins Oberhaus zurückgekehrt. Er habe deshalb vor der Saison auch keine Meisterprämien ausgehandelt, verriet Thun-Präsident Andres Gerber zuletzt: "Wir dachten, es wäre schon unverschämt, ein Ziel unter den ersten Sechs zu definieren."

Architekt des Erfolges ist Trainer Mauro Lustrinelli, der seit 2022 als Nach-Nachfolger von Urs Fischer (2013 bis 2015) die Zügel in der Hand hält. Hinzu kommen Leistungsträger wie Kapitän und Verteidiger Marco Bürki, Bruder des ehemaligen Dortmund-Keepers Roman Bürki, oder Michael Heule. Dem Verteidiger attestierte der Blick unlängst "Torjäger-Qualitäten wie Harry Kane und Sprinter-Fähigkeiten wie Usain Bolt".

Finanzielle Sorgen – bald vorbei?

Der Stolz wächst. Schließlich war der FC Thun bislang eher für Negativschlagzeilen bekannt. 2007 etwa waren mehrere Spieler in einen Sexskandal verwickelt, 2016 ging der Klub fast in Konkurs. Seither sammelt der von Fans geführte Verein "Härzbluet" jedes Jahr Spenden, 1,6 Millionen Euro sind es umgerechnet schon.

Auch aktuell plagen den Klub finanzielle Sorgen, die sich bald in Luft auflösen könnten. Als Meister würde Thun an der zweiten Qualifikationsrunde zur Champions League teilnehmen.

Schon 2005/06 hatte es der Klub als Vizemeister in die Gruppenphase geschafft, in Erinnerung blieb vor allem ein Traumtor von Nelson Ferreira gegen den FC Arsenal im Highbury-Stadion. Den ersten Pokal der Vereinsgeschichte gab es aber auch dafür nicht. Am Samstag könnte sich das ändern.

Match-Center: Thun vs. Lugano