Ayyoub Bouaddi auf der großen WM-Bühne: Marokkos Einstein studiert nebenbei Mathe

Ayyoub Bouaddi war gegen Brasilien überragend.
Ayyoub Bouaddi war gegen Brasilien überragend.DeFodi Images / Profimedia

Wenn Ayyoub Bouaddi mal vom WM-Stress abschalten will, flüchtet er sich in die Welt der fortgeschrittenen Arithmetik. "Es ist eine Möglichkeit", so der 18-Jährige, "mich vom Fußball zu lösen, mich nicht darauf zu versteifen und mich für andere Dinge zu öffnen." Sein Superhirn hilft Marokkos Wunderkind, das neben der Profikarriere Mathematik studiert, aber auch auf dem Rasen.

Nach dem 1:1 gegen Brasilien zum WM-Start staunte die gesamte Fußball-Welt über den blutjungen Sechser, der die Bälle im Mittelfeld mit der Präzision eines Hochleistungscomputers verteilte – 60 seiner 66 Zuspiele kamen an, das sind 90,7 (!) Prozent. Es würde kaum wundern, wenn der Jungstar dies im Kopf selbst überschlägt, während er parallel die Lücken in den gegnerischen Reihen haargenau berechnet, um sie mit wie am Lineal gezogenen Pässen auszunutzen.

Bouaddi, einige Kumpels sollen ihn früher aus offensichtlichen Gründen "Einstein" genannt haben, war einfach überall. Natürlich rufen solche Auftritte sofort die großen Klubs auf den Plan. Der FC Chelsea, der FC Arsenal und der FC Liverpool sollen interessiert sein, aber auch Real Madrid sei laut Sky auf ihn aufmerksam geworden. Sein Verein, der OSC Lille aus Frankreich, soll aber 70 Millionen Euro verlangen. Und je länger die WM noch dauert, desto teurer könnte Bouaddi werden.

Bouaddi beeindruckt schon in der Schule

Dem Teenager selbst scheint der Hype um seine Person leicht unangenehm zu sein. "Ich freue mich sehr, dass einige Vereine Interesse an mir zeigen, aber im Moment konzentriere ich mich voll und ganz auf die Weltmeisterschaft", sagte Bouaddi nach der Partie gegen Brasilien. In der Nacht zu Donnerstag (0.00 Uhr/ZDF und MagentaTV) könnte im dritten Gruppenspiel gegen Haiti seine nächste Gala folgen, wenn Marokko in Atlanta in die K.o.-Runde einziehen will.

Zum Match-Center: Marokko vs. Haiti

Dass Bouaddi, im französischen Senlis als Sohn marokkanischstämmiger Eltern geboren, ein besonderer Junge ist, zeigte sich früh. "Wenn ich heute mit Eltern spreche, zeige ich immer eine PowerPoint-Präsentation mit Ayyoubs Zeugnis. Sie sind sprachlos, so außergewöhnlich war er in allen Fächern", erinnerte sich Olivier Omont, ehemaliger Sportlehrer Bouaddis, im Gespräch mit L'Equipe. Im Alter von 15 Jahren gewann er einen Redekunstwettbewerb im Élysée-Palast, den Preis überreichte ihm Präsidentengattin Brigitte Macron.

Mit 16 schloss er die Schule mit Auszeichnung ab und debütierte für Lille. Und doch sollten die Franzosen ihn letztlich verschmähen, dabei war Bouaddi vor nicht einmal drei Monaten Kapitän ihrer U21-Nationalmannschaft. Weil sich Didier Deschamps, der Nationaltrainer der Équipe Tricolore, vor der WM aber nicht meldete und Marokko ihn gleichzeitig unbedingt wollte, wechselte das Megatalent den Verband. Nach nur vier Länderspielen ist Bouaddi aus der Mannschaft der Löwen vom Atlas nicht mehr wegzudenken.

"Er ist ein sehr intelligenter Spieler, der das gesamte Spielfeld abdeckt", sagte Neil El Aynaoui, Bouaddis Partner auf der Doppelsechs. Der Youngster sei für den Spielstil des WM-Halbfinalisten von 2022 schon jetzt "unverzichtbar". Dabei wirke es, "als würde er schon lange bei uns spielen." Aber Ayyoub Bouaddi war seinem Alter eben schon immer etwas voraus.

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