Der "König der Welt": Unaufhaltsamer Messi schreibt erneut WM-Geschichte

Lionel Messi beim Sieg der Argentinier gegen Österreich
Lionel Messi beim Sieg der Argentinier gegen ÖsterreichJia Haocheng / Xinhua News / Profimedia

Lionel Messi begegnete dem schier endlosen Ansturm der Gratulanten mit Geduld und einem gelösten Lächeln. Die TV-Experten Jürgen Klopp und Thomas Müller fielen dem Ausnahmespieler am Spielfeldrand in Dallas in die Arme, aus dem fernen Deutschland verneigte sich der entthronte WM-Rekordtorschütze Miroslav Klose vor seinem würdigen Nachfolger. Ralf Rangnick und seine abgekämpften Österreicher empfanden nichts als Hochachtung und Respekt.

"Es war uns vorher schon klar, dass Lionel Messi der beste Spieler ist, den es jemals gegeben hat", sagte der deutsche Teamchef, nachdem Messi die ÖFB-Auswahl mit einem Doppelpack beim 0:2 (0:1) gegen Weltmeister Argentinien fast im Alleingang besiegt hatte: "Das hat er heute wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt."

Einmal mehr hat Messi Grenzen verschoben. Auf den Tag genau 40 Jahre nach Diego Maradonas Tor mit der "Hand Gottes" verewigte sich der achtmalige Weltfußballer selbst in den Geschichtsbüchern. Schon wieder. Seine Treffer gegen das engagierte, aber offensiv zu harmlose Österreich (38./90.+5) waren die WM-Tore 17 und 18.

Messi auch mit bald 39 Weltklasse

Messi stieg damit zum alleinigen Rekordtorschützen der Fußball-WM auf. Kloses zwölf Jahre alte Bestmarke hatte er durch seinen Dreierpack zum Auftakt gegen Algerien (3:0) egalisiert. "Lionel Messi ist für mich der beste Fußballer aller Zeiten", sagte Klose der Süddeutschen Zeitung: "Glückwunsch, Champion!"

Messi, der am Mittwoch in seiner Wohlfühloase Nationalmannschaft seinen 39. Geburtstag feiert, hat nichts verlernt. Sein Bewegungsradius und sein Tempo mögen geringer sein, doch seine Technik und sein Torriecher sind noch immer außergewöhnlich. Die öffnenden Pässe, sein Auge, das Gespür für die Situation, der unbändige Siegeswille - Messi ist noch immer Messi.

In seiner Heimat ist er mehr als das. Zum "König der Welt!" kürte ihn die reichweitenstarke Tageszeitung "La Nacion" in Argentinien: "Sein Talent kennt kein Verfallsdatum." Huldigungen erreichten Messi nicht nur aus Südamerika. "Messi verschiebt die Grenzen", schieb Le Figaro in Frankreich. Die AS in Spanien sah in Messi die "Legende unter Legenden" und einen "Mythos unter Mythen". Die Times in England befand treffend: "Lionel Messi zerreißt die Rekordbücher."

Kein Spieler hat mehr WM-Einsätze (28) als Messi, keiner mehr Siege (18) gefeiert. "Ich genieße einfach den Moment und freue mich, wieder mit meinen Teamkollegen zusammen zu sein", sagte Messi: "Es war sehr wichtig für uns, die sechs Punkte zu holen, damit wir eine ruhigere Woche haben können. Ich bin glücklich." Anders als Österreich hat die Albiceleste den Einzug in die K.o.-Runde als Gruppenerster sicher. Dem ÖFB-Team reicht im direkten Duell gegen Algerien um den zweiten Platz ein Unentschieden.

WM-Torjägerkrone als Ziel

Erst am Sonntag (4.00 Uhr MESZ/MagentaTV) ist Messi wieder gefordert. Dann steht erneut in Dallas das letzte Gruppenspiel gegen den bereits ausgeschiedenen Außenseiter Jordanien an. Weltmeistertrainer Lionel Scaloni deutete eine Rotation an. Ob Messi, der gegen Österreich durchspielte, eine Pause erhält, bleibt abzuwarten.

Der Mann, der die Rekordbücher zerreißt, wird auch mit dann 39 Jahren wohl nicht darauf bestehen, mal aussetzen zu dürfen. Es gibt ja noch Trophäen, die Messi nicht gewonnen hat. Für den Goldenen Schuh für den besten Torschützen der WM reichten beim WM-Triumph 2022 in Katar auch sieben Tore nicht.

Frankreichs Kylian Mbappé kam damals auf acht Treffer. In Nordamerika war der Stürmerstar bisher vier Mal erfolgreich - ebenso Erling Haaland. Auch mit seinen jetzt 16 WM-Toren sitzt Mbappé Messi im Nacken. Das Wettschießen läuft.