"Die anderen Gruppen können wir nicht beeinflussen", sagt Nagelsmann - und hält sich lieber an die Fakten. Als Sieger von Gruppe E wird Deutschland sein Sechzehntelfinale am kommenden Montag (22.30 Uhr) in Boston bestreiten. Gegen wen, steht in den Sternen. Schuld daran ist der komplizierte WM-Modus, bei dem diesmal auch acht von zwölf Gruppendritten weiterkommen.
Insgesamt gibt es 495 Konstellationen, wie sich die besten acht Vorrundendritten auf das Sechzehntelfinale verteilen lassen. Für die DFB-Elf steht bereits fest, dass der eigene Gegner aus den Gruppen A, B, C, D oder F kommen wird. Wobei Duelle gegen Schottland aus Gruppe C und Paraguay oder Australien aus Gruppe D nach aktuellem Stand die wahrscheinlichsten Optionen sind. Die Chance auf ein Spiel gegen eine Mannschaft aus der Gruppe A wie die Schweiz, Bosnien-Herzegowina oder Katar geht gegen Null.
Amiri schaut nicht auf potenzielle Gegner
Der mögliche weitere Weg nach der Zwischenrunde ist unterdessen vorgezeichnet: Im Achtelfinale würde im Falle des Weiterkommens mit Frankreich oder Norwegen wohl ein richtig dicker Brocken warten, im Viertelfinale hielte der Turnierbaum unter Umständen ein Aufeinandertreffen mit den Niederlanden oder Brasilien bereit, im Halbfinale könnte es gegen Spanien gehen. Zu einem Duell gegen Titelverteidiger Argentinien, zumindest das ist schon Fakt, kann es nur im Endspiel kommen.
"Wir gucken nicht", beteuerte Nationalspieler Nadiem Amiri, "es kann kommen, wer will - wir werden unser Maximum rausholen. Jedes Spiel ist gleich schwer."
Zumal das deutsche Team mit der eigenen unübersichtlichen Situation noch gut bedient ist, so skurril sich das lesen mag. Denn Ort und Zeitpunkt sind immerhin bekannt, kurze Gegnervorbereitung hin oder her. Einigen der Gruppendritten droht nach ihrem letzten Vorrundenspiel dagegen ein bis zu vier Tage langes Zittern - ohne Happy End. Denn wer von ihnen überhaupt noch dabei ist, steht wohl erst mit dem Vorrundenabschluss in der Nacht auf Sonntag fest. Im Vorteil sind dabei die Teams aus den hinteren Gruppen, da sie gegen Ende des dritten Spieltags besser wissen, welches Ergebnis für das Weiterkommen reicht.
Besonders deutlich könnten die Schattenseiten der WM-Aufstockung etwa für Schweden zutage treten. Die Skandinavier bestreiten ihr letztes Vorrundenspiel gegen Japan in der Nacht auf Freitag. Sollte Schweden die Gruppe F als Dritter abschließen, würde dann das große Warten beginnen. Zu diesem Zeitpunkt gäbe es - neben einem möglichen Turnieraus - noch fünf Szenarien für das Sechzehntelfinale. Alle drei Gastgeberländer kämen als Spielort infrage, fünf Städte wären denkbar und vier verschiedene Termine.
Albanien als warnendes Beispiel
Ein besonders brisantes Szenario: Die Schweden erfahren unter Umständen erst kurz vor Mitternacht des 27. Juni, wie es weitergeht. Das Sechzehntelfinale könnte das Team dann schon am 29. Juni in Boston bestreiten. Gegen - und so würde sich der Kreis schließen - die DFB-Elf.
Was so manchem Team blüht, ist dabei kein gänzlich neues Phänomen im internationalen Fußball. 2016 etwa erkämpfte sich der damalige EM-Neuling Albanien bei der Europameisterschaft in Frankreich in seinem letzten Vorrundenspiel Rang drei, verbrachte anschließend noch drei Tage zwischen Bangen und Hoffen im Gastgeberland - nur um als einer der "schlechtesten" Gruppendritten letztlich doch nach Hause fahren zu müssen.
