Um gegen die Belgier zu bestehen, hatte Ägypten eine klare Mission: Sie mussten die Genialität von Kevin De Bruyne im Keim ersticken und das gefürchtete Tempo sowie die Dribbelstärke von Jeremy Doku neutralisieren.
Zum Match-Center: Belgien vs. Ägypten
Die Hoffnungen der Belgier ruhten zu großen Teilen auf Doku. Der Flügelstürmer von Manchester City hatte eine überragende Qualifikation gespielt, in der er mit sieben Scorerpunkten (fünf Tore, zwei Assists) glänzte und 24 Chancen aus dem Spiel heraus kreierte – mehr als jeder andere europäische Profi. Tatsächlich deutete in der Anfangsphase vieles darauf hin, dass die Belgier versuchen würden, das Spiel über Dokus linke Seite aufzuziehen.

Was die Roten Teufel jedoch nicht einkalkuliert hatten, war die taktische Disziplin der Ägypter. Die Defensive verdoppelte oder verdreifachte die Bewachung des Angreifers konsequent und zog ihm so früh den Zahn. Obwohl De Bruyne das Spiel gestaltete und Belgien in den ersten 20 Minuten mit 68 Prozent Ballbesitz dominierte, fand Doku gegen die galligen Ahmed Fatouh und Mohamed Hany schlicht kein Durchkommen.
Ägypten eiskalt: Führung aus dem Nichts
Besonders Hany erwies sich als unüberwindbar: Vier erfolgreiche Tacklings in der ersten halben Stunde – Höchstwert auf dem Platz – hielten die belgische Offensivwucht in Schach. Und mit dem praktisch ersten echten Angriff des Spiels schlug der Außenseiter eiskalt zu: Mo Salah bediente Emam Ashour mit einer einfachen Vorlage, und dieser jagte den Ball mit einem wuchtigen Flachschuss zur ägyptischen Führung ins Netz. Erst zum zweiten Mal überhaupt in ihrer WM-Geschichte lagen die Pharaonen in einem Spiel vorne.
Ägyptens Superstar Mohamed Salah, der schon in der Qualifikation an 60 Prozent der Tore seines Landes direkt beteiligt war (neun Tore, drei Assists), agierte diesmal auf der Zehner-Position. Die neu gewonnene Bewegungsfreiheit tat seinem Spiel spürbar gut – so gut, dass man sich fragen muss, warum der FC Liverpool ihn dort nicht öfter einsetzt.
Der frustrierte Doku fand derweil weiterhin keine Mittel. Die ägyptischen Verteidiger kauften ihm den Schneid ab: Fathy gewann sieben seiner elf direkten Duelle, Hany behielt in acht von 13 Situationen die Oberhand.
Belgien verzweifelt an der Chancenverwertung
Dokus magere Bilanz spiegelte das belgische Dilemma wider: Im gesamten Spiel verbuchte er nur einen einzigen Abschluss, der in der Nachspielzeit der ersten Hälfte zudem deutlich am Tor vorbeiging. Dass er mit sechs Ballkontikten im gegnerischen Strafraum dennoch der aktivste Belgier in der Box war, sagt viel über die Harmlosigkeit der europäischen Offensive aus. Auch Leandro Trossard probierte es vor der Pause dreimal, brachte jedoch keinen Ball auf das Tor.

Während sich Belgien – angetrieben vom passsicheren Nathan Ngoy (97,2 % Passquote) – zurück ins Spiel zu kämpfen versuchte, hätte Ägypten die Partie durch Salah oder Mostafa Zico längst entscheiden können.
Lukakus Blitz-Effekt erzwingt den Ausgleich
Die Wende schien in der 53. Minute greifbar, als De Bruyne einen direkten Freistoß an den Pfosten setzte und damit eine furiose Druckphase einleitete. Kurz darauf wechselte Belgien Romelu Lukaku ein – und der bullige Stürmer brauchte gerade einmal 22 Sekunden, um mit seiner Physis für so viel Chaos im ägyptischen Strafraum zu sorgen, dass Hany den Ball zum 1:1-Ausgleich ins eigene Tor lenkte.
Für Belgien endete damit eine quälend lange Durststrecke von 325 torlosen WM-Minuten. Es war die längste Torflaute des Teams seit der WM-Phase zwischen dem 22. Juni 1982 und dem 3. Juni 1986, als man 244 Minuten auf einen Treffer warten musste.
Zittern bis zur letzten Minute
Ägypten zeigte sich vom unglücklichen Gegentreffer jedoch unbeeindruckt, bewies Moral und spielte weiter mutig nach vorne. Omar Marmoush erarbeitete sich fünf Abschlüsse (wenn auch keiner aufs Tor ging), während Mohanad Lasheen im Mittelfeld mit sechs erfolgreichen Tacklings bei acht Versuchen die belgischen Gegenangriffe zerstörte. Kurz vor dem Ende stockte den Zuschauern der Atem, als der erst 18-jährige Shootingstar Hamza Abdelkarim – für Salah eingewechselt – der belgischen Abwehr komplett entwischte, die Riesenchance zur Führung jedoch vergab.

Doku, der vor seiner Auswechslung immerhin fünf Fouls gezogen hatte (während auf der Gegenseite Thomas Meunier fünf Freistöße verschuldete), musste von der Bank aus mitansehen, wie Brandon Mechele in der Schlussphase fast noch den belgischen Siegtreffer erzielte. Ägyptens Keeper Mostafa Shobeir rettete mit seiner dritten Glanzparade des Tages jedoch das verdiente Unentschieden.
Am Ende stand eine gerechte Punkteteilung mit historischem Beigeschmack: Ägypten wartet weiter auf den ersehnten ersten WM-Dreier, während Belgien seine starke Serie gegen afrikanische Teams bei Weltmeisterschaften ausbaut (drei Siege, ein Remis, nur eine Niederlage).

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