"Wenn Manu spielt...": Nagelsmanns Torwart-Plan auch Nominierung nebulös

Manuel Neuer ist nach langen Diskussion doch bei der WM 2026 dabei.
Manuel Neuer ist nach langen Diskussion doch bei der WM 2026 dabei.FEDERICO GAMBARINI / DPA / dpa Picture-Alliance via AFP

Julian Nagelsmann ist auf alle Szenarien vorbereitet. Auf den "extrem jung gebliebenen Torwart" Manuel Neuer, dessen "Aura" die Stürmer auch mit 40 Jahren noch in Angst und Schrecken versetzt. Aber auch auf den Teilzeit-Keeper mit zwickender Wade, der einen Tag vor dem großen Finale passen muss - wie die alte und neue deutsche Nummer 1 für das Pokalendspiel am Samstag (20.00 Uhr/ARD, Sky und Flashscore-Audioreportage) in Berlin.

"Wenn Manu spielt", sagte der Bundestrainer bei seiner Kader-Bekanntgabe für die WM zur Sensations-Rückkehr des Rio-Weltmeisters, dann "hilft er der Mannschaft." Es habe zuletzt aber auch Momente gegeben, "wo er nicht gespielt hat. Die kann es bei uns auch geben. So verblendet darf man nicht sein, sondern das muss man einplanen."

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Baumann als "Weltklasse-1b-Lösung"

Das hat Nagelsmann getan. Und nicht nur für Neuer salbungsvolle Worte gefunden. Der Routinier, sagte der Bundestrainer im Nominierungsvideo über den Bayern-Kapitän, sei "über Jahre das Vorbild aller Torhüter" gewesen - und es "heute mit 40 immer noch". Er rief ihm zu: "Strahl den Manuel Neuer aus, mit allem was du hast! (...) Spiel noch mal 'ne tolle WM!"

Falls aber auch im Quartier in Winston-Salem mal die Wade zwicken sollte, dann ist da ja noch immer die "Weltklasse-1b-Lösung" Oliver Baumann. Nagelsmann verwies explizit auf Neuers Verletzungsprobleme, als er betonte: "Deswegen war es mir auch so wichtig, Olli mein absolutes Vertrauen auszusprechen."

Der Bundestrainer hat dem Hoffenheimer demnach zwar mitgeteilt, dass er entgegen seinen Versprechungen nun doch nicht als Nummer 1 zur WM fahren werde - "ein Schlag für Olli", wie Nagelsmann bekannte. Zugleich bescheinigte er ihm aber die Eignung, jederzeit für den Mann einspringen zu können, von dem er gerade verdrängt wurde.

Nagelsmann vollzieht damit eine Volte, die an jene Konstellation erinnert, wie sie der FC Bayern in dieser Saison schleichend eingeführt hat und ab August verstärkt umsetzen will. Dort betreibt "Mentor" Neuer mit seinem Erben Jonas Urbig Jobsharing - und wird dem 22-Jährigen in der kommenden Saison noch mehr Spiele überlassen (müssen).

Nagelsmann zählt auch auf Baumann

Urbig ist praktischerweise bei der WM dabei, als "Trainingstorwart" hinter der Nummer 3 Alexander Nübel. "Das aufgeweckte Kerlchen" (Nagelsmann) könnte aber wie in München jederzeit in den Kader rücken, sofern sich Neuer oder ein anderer Torwart schwerer verletzt.

Der Keeper-Plan birgt Risiken - nicht nur wegen Neuers Wade. Baumann habe sich zwar nach seiner Rückstufung "extrem committed gegenüber der Mannschaft, dass er sie nie im Stich lassen würde", betonte der Bundestrainer. Doch wie stark ist dieses Bekenntnis wirklich angesichts der wütenden Reaktionen aus Hoffenheim?

Nicht nur kritisierte Sport-Geschäftsführer Andreas Schicker "die Kommunikation und den Stil" des Bundestrainers. TSG-Torwartcoach Marjan Petkovic stellte ein Foto mit Baumann ins Netz, dazu die Zeile: "Die Nr. 1 - sportlich und menschlich." Baumann zeigte das Bild demonstrativ in seiner Instagram-Story.

Der Bundestrainer erhielt aber auch Zuspruch. Neuer, betonte Rekordnationalspieler Lothar Matthäus, sei nach wie vor "einer der besten Torhüter der Welt. Wenn ein Vinicius alleine auf Manu zuläuft, hat er schon einen kleinen Strich in der Hose." Oder Gedanken an die Wade im Kopf.