Als der LASK nach neun Spieltagen auf dem vorletzten Tabellenplatz stand, kam niemand auf die Idee, die Stahlstädter als Titelkandidaten zu bezeichnen. Doch mit der Rückkehr von Didi Kühbauer im Oktober begann eine der bemerkenswertesten Aufholjagden der jüngeren Bundesliga-Geschichte.
Die Linzer entwickelten sich zur konstantesten Mannschaft der Liga, arbeiteten sich Schritt für Schritt nach vorne und krönten sich schließlich am letzten Spieltag mit einem 3:0-Auswärtssieg bei Austria Wien erstmals seit 1965 wieder zum Meister. Dass mit Modou Keba Cisse, Andres Andrade, Sascha Horvath, Kasper Jörgensen, Moses Usor und Sasa Kalajdzic gleich sechs LASK-Spieler im offiziellen Team der Saison vertreten sind, unterstreicht die Dominanz des Doublesiegers.
Der SK Sturm Graz spielte erneut eine starke Saison und war bis zuletzt im Titelrennen dabei. Obwohl die Konkurrenz schwächelte, reichte es für die erfolgreiche Titelverteidigung letztlich nicht, da den Blackys die Konstanz im Finish fehlte. Mit Otar Kiteishvili stellte Sturm dennoch erneut den herausragenden Einzelspieler der Liga. Der Georgier wurde mit 15 Treffern und 4 Vorlagen zum dritten Mal in Folge zum „Spieler der Saison“ gekürt.
Für den ehemaligen Serienmeister FC Red Bull Salzburg verlief die Saison fast schon historisch enttäuschend. Über weite Strecken fehlte die Selbstverständlichkeit, dazu kamen mehrere Negativrekorde. Vier Heimspiele ohne Sieg und vier Pflichtspiele in Folge ohne eigenen Treffer hatte es in der Red-Bull-Ära zuvor noch nie gegeben. Dank schwächelnden Wienern reichte es dennoch für Platz 3, doch die Ansprüche der finanziell überlegenen Salzburger sind vermutlich andere. Immerhin sorgte Youngster Kerim Alajbegovic für positive Schlagzeilen.

Die Wiener Austria zeigte über die Saison hinweg immer wieder starke Ansätze, schaffte es jedoch nie, dauerhaft konstant zu spielen. Gute Phasen wechselten sich regelmäßig mit Rückschlägen ab. Zwar verfügen die Veilchen mit Aleksandar Dragovic über einen Führungsspieler, der auch sportlich wichtige Impulse setzte, insgesamt fehlte aber die Stabilität für einen echten Angriff auf die Spitze.
Kaum ein Klub schwankte in dieser Saison stärker zwischen Hoffnung und Krise als der SK Rapid. Nach einem guten Start unter Peter Stöger und anschließend schwierigen Monaten kämpften sich die Hütteldorfer im Frühjahr plötzlich zurück in Schlagdistanz zur Spitze. Doch brach das Team erneut ein, und der Verein rettete sich nur noch über das Europacup-Play-off ins internationale Geschäft. Mit einer Zweikampfquote von 71,4 Prozent bestätigte Nenad Cvetkovic seinen Ruf als einer der stärksten Verteidiger der Liga. Serge-Philippe Raux-Yao überzeugte im Spielaufbau und gab die meisten Pässe der gesamten „Regular Season“ ab. Alles in allem eine enttäuschende Saison in Wien-Hütteldorf.

Der TSV Hartberg schaffte den Sprung in die Meistergruppe und bestätigte damit erneut seinen Ruf als unangenehmer Gegner. Vor allem gegen spielstarke Mannschaften machte Hartberg vielen Gegnern das Leben schwer. Mit Benjamin Markus stellte der Klub zudem den aggressivsten Tackler der Liga, Torhüter Tom Ritzy Hülsmann wurde mit zwei Assists und starken Leistungen sogar ins Team der Saison gewählt.
Während viele Expert:innen die SV Ried vor Saisonbeginn im Abstiegskampf erwartet hatten, entwickelte sich die Mannschaft von Maximilian Senft zu einem ernsthaften Europacup-Kandidaten. Die Wikinger holten 14 Bundesliga-Siege und damit so viele wie zuletzt in der Saison 2010/11.

Symbolfigur der Überraschungssaison war Kingstone Mutandwa. Der Angreifer erzielte inklusive Play-offs 16 Treffer und stellte damit einen neuen Bundesliga-Torrekord für Ried auf. Auch Oliver Steurer spielte eine außergewöhnliche Saison und absolvierte alle 35 Pflichtspiele über die volle Distanz. Trainer Maximilian Senft, das Gesicht des Erfolges, verlässt den Klub nach Saisonende in Richtung Deutschland.
Der Wolfsberger AC erlebte eine wechselhafte Saison. Lange Zeit bewegten sich die Kärntner gefährlich nahe an der Abstiegszone und galten zwischenzeitlich bereits als sicherer Absteiger. Unter Thomas Silberberger gelang jedoch die Wende. Vor allem Dejan Zukic sorgte im Angriff immer wieder für Gefahr. Der Kreativspieler wurde mit zehn Assists bester Vorlagengeber der Liga. Der starke Endspurt reichte letztlich zwar nicht für Europa, verhinderte aber eine deutlich enttäuschendere Saison.

Der SCR Altach spielte eine bessere Saison, als viele erwartet hatten. Besonders Patrick Greil rückte dabei ins Rampenlicht. Mit 14 Torbeteiligungen zählte der Offensivspieler zu den produktivsten Akteuren der Liga und schaffte ebenfalls den Sprung ins Team der Saison. Die Vorarlberger überzeugten vor allem mit Kampfgeist und Effizienz und verpassten nur knapp die Meistergruppe.
Für den Grazer AK stand in erster Linie der Klassenerhalt im Mittelpunkt – und genau diesen erreichten die Rotjacken, wenn auch erst spät. Spieler wie Ramiz Harakate oder Beres Owusu waren dabei von großer Bedeutung. Harakate erzielte elf Tore und schrieb damit Geschichte als treffsicherster Franzose der Ligahistorie.
Die WSG Tirol spielte zwar keine überragende Saison, stellte aber einige außergewöhnliche Statistiken auf. So beeindruckte Nikolai Baden Frederiksen die Liga mit seinen Distanzschüssen. Acht seiner neun Tore erzielte er von außerhalb des Strafraums. Insgesamt können die Tiroler angesichts ihrer begrenzten Ressourcen zufrieden in die Sommerpause gehen.
Nach starken vergangenen Jahren folgte für den FC Blau-Weiß Linz die große Ernüchterung. Die Oberösterreicher fanden nie dauerhaft Stabilität und mussten am Ende mit 19 Saisonniederlagen den Gang in die 2. Liga antreten. Dennoch erleben die Linzer für die kommende Saison einen Dauerkarten-Ansturm. Die Hoffnung auf den schnellen Wiederaufstieg lebt.

Auch abseits des Rasens sorgte die Bundesliga für Diskussionen. Trotz sportlicher Kritik und schwacher internationaler Ergebnisse war das Zuschauerinteresse so groß wie seit Langem nicht mehr. Im Schnitt kamen 8.831 Fans in die Stadien. Liga-Boss Christian Ebenbauer sprach von einer Saison, die vor allem von ihrer Spannung lebte. Weniger spannend, dafür sportlich fairer soll die Liga künftig werden. Mit der Abschaffung der Punkteteilung beginnt ab kommender Saison eine neue, alte Ära.
