Was für ein Saisonfinale in der ADMIRAL Bundesliga. Während in Linz die größten schwarz-weißen Feierlichkeiten seit Jahrzehnten explodierten, herrschte nur wenige Kilometer entfernt komplette Leere und Fassungslosigkeit. Der LASK krönt eine irre Aufholjagd vom Vorletzten zum Double-Sieger und holt sich tatsächlich den ersten Meistertitel seit 1965. Blau-Weiß Linz dagegen verspielt im direkten Abstiegsduell gegen den GAK die letzte Chance auf den Klassenerhalt und muss zurück in die 2. Liga.
In Graz wurde es emotional: Stefan Hierländer verabschiedete sich mit einem direkten Freistoß ins Kreuzeck und einem echten Fußball-Kitschmoment von Sturm. Salzburg lieferte parallel endgültig den Beweis dafür, wie weit der einstige Serienmeister mittlerweile von seinen eigenen Ansprüchen entfernt ist. Die historische Niederlage gegen Hartberg war der Schlusspunkt einer Saison, die am Montag bereits das Trainer-Aus von Daniel Beichler nach sich zog.
Und dann wäre da noch der WAC. Vor wenigen Wochen beinahe abgestiegen, plötzlich Sieger von vier Spielen in Serie und jetzt tatsächlich noch im Rennen um Europa. Der wohl verrückteste Turnaround dieser Qualifikationsgruppe.
Eine Bundesliga-Saison voller Chaos, Wendungen, Abstiegsdramen, Trainerwechsel, Fan-Eklats und völlig verrückter Geschichten geht damit vorerst zu Ende. Zeit also für die letzten Tops und Flops dieser Spielzeit.
TOP – Der LASK holt das Double
Was für eine Geschichte. Im Oktober noch Vorletzter, sieben Monate später Double-Sieger und österreichischer Meister. Der LASK hat eine der spektakulärsten Aufholjagden der Bundesliga-Geschichte tatsächlich vollendet. Mit dem 3:0 bei der Austria fixierten die Linzer am letzten Spieltag den ersten Meistertitel seit 1965 und wiederholten damit fast exakt die Geschichte von damals. Wie vor 61 Jahren holte der LASK das Double und machte den Titel in Wien perfekt.
Dabei war die Ausgangslage alles andere als selbstverständlich. Noch im Herbst steckte der Klub tief in der Krise, ehe mit Dietmar Kühbauer die Wende begann. Der frühere Rapid-Coach formte aus einem taumelnden Team plötzlich eine echte Mentalitätsmannschaft. „Ganz ehrlich: Vor sieben Monaten hätten wir sofort unterschrieben, wenn uns jemand gesagt hätte, dass wir überhaupt ins obere Play-off kommen“, meinte Kühbauer nach dem Titelgewinn.
Gegen die Austria zeigte der LASK dann genau jene Qualitäten, die diese Saison so besonders gemacht haben: defensive Stabilität, Effizienz und enorme Ruhe in großen Momenten. Xavier Mbuyamba brachte die Linzer nach einem verlängerten Einwurf in Führung (38.), kurz nach der Pause sorgte Samuel Adeniran per Elfmeter für die Vorentscheidung (49.). Spätestens mit dem 3:0 durch Melayro Bogarde war klar: Der Meistertitel geht nach Linz.
Besonders beeindruckend: Der LASK ließ sich weder vom Cupfinale, noch vom Titel-Druck oder den Ausfällen wichtiger Spieler aus der Ruhe bringen. Während andere Teams im Saisonfinish nervös wurden, marschierten die Linzer einfach weiter.
„Die Tabelle lügt nicht, wir waren die beste Mannschaft“, brachte es Sasa Kalajdzic auf den Punkt. Und tatsächlich spricht am Ende vieles dafür. Cupsieger. Meister. Acht ungeschlagene Pflichtspiele in Serie zum Abschluss. Der LASK krönt eine völlig verrückte Saison mit dem größten Erfolg seit Jahrzehnten und schreibt damit eines der wildesten Bundesliga-Märchen der letzten Jahre.
FLOP – Blau-Weiß Linz muss runter
Vom ersten Top zum ersten Flop müssen wir nur von der Linzer Gugl runter an die Donaulände. Dort wäre beinahe die nächste wilde Aufholjagd geglückt. Blau-Weiß Linz lag schon länger auf dem letzten Platz, hatte sich aber mit starken Heimauftritten plötzlich zurückgemeldet, die rote Laterne abgegeben und das große Abstiegsfinale im eigenen Stadion erzwungen. Doch genau dort endete die Bundesliga-Reise der Linzer nun bitter.
Mit der 0:3-Heimniederlage gegen den GAK steigt Blau-Weiß Linz nach dem Aufstieg 2023 wieder in die 2. Liga ab. Ausgerechnet im alles entscheidenden direkten Duell fehlte den Oberösterreichern genau das, was sie in den Wochen davor noch ausgezeichnet hatte: Ruhe, Klarheit und Stabilität.
Schon früh geriet Blau-Weiß ins Hintertreffen. Nach einem Fehlpass im Spielaufbau traf Christian Lichtenberger sehenswert zur Führung für die Grazer (6.). Danach war den Linzern die Nervosität deutlich anzumerken. Viele einfache Ballverluste, hektische Aktionen und kaum echte Kontrolle über das Spiel. Statt der großen Aufholjagd folgte kurz nach der Pause der nächste Nackenschlag durch Alexander Hofleitner zum 0:2 (52.).
Mit zunehmender Spieldauer wurde klar: Blau-Weiß schafft die Wende nicht mehr. Der GAK wirkte abgeklärter, robuster und deutlich stabiler in den entscheidenden Momenten. Daniel Maderner setzte in der Nachspielzeit schließlich den endgültigen Schlusspunkt zum 0:3.
Überschattet wurde der Nachmittag zusätzlich von unschönen Szenen auf den Tribünen. Nach einem Becherwurf gegen GAK-Verteidiger Donovan Pines musste die Partie minutenlang unterbrochen werden. Die Enttäuschung bei Blau-Weiß war danach riesig. „Es ist ein richtiges Scheißgefühl“, meinte Simon Seidl. Und tatsächlich fühlte sich dieser Abstieg besonders bitter an, weil der Klassenerhalt zwischenzeitlich plötzlich wieder greifbar war. Während der GAK über den Klassenerhalt jubelte, endete für Blau-Weiß Linz nach drei Bundesliga-Jahren die Reise im Oberhaus vorerst wieder.
TOP – Kitschiger Hierländer-Abschied in Graz
Stefan Hierländer bestreitet sein letztes Spiel für Sturm Graz, wird spät eingewechselt, bekommt Standing Ovations und trifft wenige Minuten später per Traumfreistoß genau ins Kreuzeck. Kitschiger hätte dieser Abschied kaum geschrieben werden können – vom verpassten Meistertitel einmal abgesehen.
Beim 2:0-Heimsieg gegen Rapid sorgte der langjährige Sturm-Kapitän damit für den emotionalen Höhepunkt eines ohnehin besonderen Nachmittags in Graz-Liebenau. Zwar reichte der Sieg am Ende nicht mehr zum Meistertitel, weil der LASK parallel bei der Austria gewann, doch zumindest verabschiedete sich Sturm mit einem echten Wohlfühlmoment aus der Saison.
Lange Zeit hatten sich die Grazer gegen tief stehende Rapidler schwergetan. Dabei spielte Sturm bereits ab der 22. Minute in Überzahl, nachdem Yusuf Demir nach einem kuriosen Schuhwurf Richtung vierten Offiziellen die Rote Karte gesehen hatte. Trotz klarer Feldüberlegenheit fehlten Sturm aber einmal mehr die Ideen und die Präzision im letzten Drittel.
Erst in der Schlussphase platzte der Knoten. Gizo Mamageischwili erlöste die Grazer mit einem Distanzschuss zum 1:0 (88.), ehe wenige Minuten später Hierländer seinen ganz persönlichen Gänsehautmoment schrieb. Direkt verwandelter Freistoß. Kreuzeck. Standing Ovations. Und ein Jubel, der fast wirkte, als hätte Sturm doch noch den Titel geholt.
„Ich habe heute den ganzen Tag versucht, Emotionen zu unterdrücken“, meinte Hierländer danach. Genau das gelang spätestens nach diesem Treffer wohl niemandem mehr im Stadion. Der Routinier prägte Sturm über viele Jahre als Führungsspieler, Identifikationsfigur und Kapitän. Dass ausgerechnet er sich mit einem solchen Tor verabschiedet, passte irgendwie perfekt zu diesem Nachmittag.
FLOP – Salzburg nur noch ein Schatten seiner selbst
Was bei Red Bull Salzburg früher beinahe undenkbar war, ist mittlerweile Realität geworden: Die „Bullen“ beenden die Saison nicht nur ohne Titel, sondern wirken mittlerweile auch sportlich und emotional weit entfernt von ihrer einstigen Dominanz. Die 1:3-Heimniederlage gegen Hartberg war dafür ein ziemlich perfektes Sinnbild.
Zum ersten Mal überhaupt verlor Salzburg in der Bundesliga gegen Hartberg. Und selbst das wirkte am Ende nicht einmal mehr wirklich überraschend. Dabei begannen die Salzburger durchaus ordentlich, kontrollierten die Anfangsphase und kamen zu ersten Chancen.
Hartberg machte es deutlich konsequenter. Marco Hoffmann traf nach einer Umschaltsituation zum 1:0 (22.), kurz vor der Pause erhöhte Fabian Wilfinger nach einer chaotischen Szene im Strafraum sogar auf 2:0 (42.). Spätestens da war die Stimmung in Wals-Siezenheim endgültig gekippt. Pfiffe der ohnehin immer weniger werdenden Zuschauer begleiteten die Mannschaft in die Kabine, später herrschte beinahe Endzeitstimmung.
Auch nach der Pause fehlte Salzburg über weite Strecken die Energie und Überzeugung, um das Spiel noch einmal wirklich zu drehen. Kerim Alajbegovic verkürzte zwar sehenswert auf 1:2 (83.), doch Damjan Kovacevic sorgte kurz darauf mit dem 3:1 endgültig für die Entscheidung.
Besonders bitter: Salzburg rettete sich nur deshalb noch auf Platz drei, weil auch die Konkurrenz patzte. Wirklich meisterwürdig war diese Saison aber über weite Strecken nie. Zu viele Gegentore, zu viele Einbrüche, zu wenig Stabilität und zu wenig Konsequenz in den entscheidenden Momenten.
Damit endet in Salzburg eine Saison, die historisch negativ bleibt. Zum ersten Mal in der Red-Bull-Ära landet der Klub nicht unter den Top zwei. „Es ist eine enttäuschende Saison. Es muss sich sehr viel ändern“, stellte Daniel Beichler nach dem Spiel selbst klar. Wenige Stunden später folgte dann bereits die Konsequenz: Der Trainer wurde am Montagvormittag entlassen.
TOP – WAC: Vom freien Fall zum Play-off-Platz
Vor wenigen Wochen sah es beim WAC noch nach einer echten Katastrophensaison aus. Nach dem 0:3 gegen Blau-Weiß Linz wirkten die Wolfsberger beinahe abgestiegen. Die Mannschaft war komplett verunsichert, der freie Fall schien kaum noch aufzuhalten. Und jetzt? Jetzt spielt der WAC plötzlich um einen Europacup-Platz.
Mit dem 2:0-Heimsieg gegen die WSG Tirol fixierten die Kärntner am letzten Spieltag tatsächlich noch Rang zwei in der Qualifikationsgruppe und damit den Einzug ins Europacup-Play-off. Eine Entwicklung, die vor wenigen Wochen wohl kaum jemand für möglich gehalten hätte.
Der entscheidende Faktor trägt ganz klar den Namen Thomas Silberberger. Seit seiner Übernahme Anfang April hat sich der WAC komplett verändert. Aus einer leblosen Mannschaft wurde plötzlich wieder ein unangenehmer, kompakter und extrem effizienter Gegner. Vier Siege in Serie zum Saisonabschluss sprechen eine deutliche Sprache.
Auch gegen die WSG zeigte sich früh, wohin die Reise geht. Bereits nach zwei Minuten brachte Dejan Zukic die Wolfsberger in Führung. Danach kontrollierte der WAC die Partie über weite Strecken souverän und ließ defensiv kaum etwas zu. Erik Kojzek sorgte schließlich nach der Pause für die Entscheidung.
Besonders bemerkenswert: Noch vor wenigen Wochen sprach Silberberger selbst davon, dass die Mannschaft „toter wie tot“ gewesen sei. Mittlerweile präsentiert sich der WAC wieder stabil, selbstbewusst und vor allem unglaublich unangenehm zu bespielen. Während andere Teams im Saisonfinish einbrachen, drehte der WAC genau rechtzeitig auf. Statt Abstiegsdrama wartet jetzt plötzlich ein Play-off-Spiel um Europa gegen die SV Ried.
