Leitl-raus-Rufe hallten durch das Stadion. Die Fans auf den Rängen tobten vor Wut und ließen ihrem Frust nach einer weiteren verkorksten Saison von Hertha BSC freien Lauf.
An den 17. Mai 2026 dürfte Stefan Leitl nur ungern zurückdenken. Nach dem blamablen 1:6 bei Arminia Bielefeld schien kaum vorstellbar, wie ausgerechnet der vielgescholtene Trainer die verunsicherten Berliner in eine bessere Zukunft führen soll. Doch der Wind hat sich gedreht.
Denn fünf Monate nach dem enttäuschenden Abschluss auf Platz sieben ist Leitl immer noch im Amt – und Hertha überraschend Tabellenführer der 2. Bundesliga. Mit sieben Siegen aus sieben Spielen haben die Berliner einen Traumstart hingelegt, der achte Erfolg soll am Freitag (18:30 Uhr/Sky) bei Schlusslicht Holstein Kiel folgen.

Dabei hatte nicht zuletzt der desaströse Auftritt in Bielefeld am letzten Spieltag der vergangenen Saison die Frage aufgeworfen, ob der 49-Jährige der Richtige für den Hauptstadtklub ist.
Match-Center: Kiel vs. Hertha
Vertrauen lohnt sich
Geschäftsführer Peter Görlich hatte Leitl inmitten der Zweifel mehrfach den Rücken gestärkt, obwohl auch in Vereinsgremien die Zukunft des Coaches kontrovers diskutiert worden sein soll. Die chronisch klammen Kassen hätten wohl ohnehin wenig Spielraum für einen vorzeitigen Trainerwechsel gelassen.
So oder so belehrt Leitl seine Kritiker eines Besseren. Der gebürtige Münchner gilt als Pragmatiker und hat sich nach einem großen Kaderumbruch auf die veränderten Gegebenheiten und Wünsche des Vereins eingestellt.
Von der Idee, künftig mit mehr Aktivität und Intensität spielen zu wollen, habe man Leitl aber nicht überzeugen müssen, erklärte Görlich kürzlich im kicker: "Wir wissen, dass er es so kann und auch so mag."

Agierte die Mannschaft in der vergangenen Saison offensiv meist ideenlos, überzeugt sie derzeit durch einen mutigen und direkten Ansatz. "Wir haben eine neue Art implementiert, wie wir spielen wollen. Die ist besser auf den vorhandenen Kader zugeschnitten", erklärte Leitl der Bild-Zeitung.
WG-Kollege von Mijatovic
Im Februar 2025 war der Trainer, der 2021 schon die SpVgg Greuther Fürth in die Bundesliga geführt hatte, als Nachfolger von Cristian Fiel nach Berlin gekommen.
In einer sportlich schwierigen Lage sollte er die Mannschaft als erfahrener Zweitliga-Coach weiterentwickeln. Mit Co-Trainer Andre Mijatovic – einst Spieler von Hertha BSC – bezog Leitl für seine Mission eine gemeinsame Wohnung in der Hauptstadt. Eineinhalb Jahre später trägt die Arbeit des Duos endlich Früchte.

