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Klopps Fazit nach vier Spielen: "Das Talent läuft den Jungs aus den Ohren raus"

Jürgen Klopp zog ein erstes positives Zwischenfazit.
Jürgen Klopp zog ein erstes positives Zwischenfazit.Foto von CHRISTIAN CHARISIUS / DPA / DPA PICTURE-ALLIANCE VIA AFP

Erkenntnisse gibt es reichlich, die Ergebnisse stimmen noch nicht. Bundestrainer Jürgen Klopp blickt nach seinem Start aber äußerst hoffnungsvoll in die Zukunft.

Jürgen Klopp verlor bei den Selfie-Wünschen der hilflosen Ordner die Geduld. Also schnappte sich der Bundestrainer kurzerhand deren Handy, zeigte ihnen die Kamerafunktion und posierte doch noch für das gewünschte Foto. Deutlich mehr Nachsicht hatte der erhoffte Heilsbringer des deutschen Fußballs mit seinen Spielern. Nach reichlich Erkenntnissen, aber teils unbefriedigenden Ergebnissen für die deutsche Nationalmannschaft blickte Klopp äußerst hoffnungsvoll in die Zukunft.

"Es hieß, dass der deutsche Fußball im Keller ist und es keine Talente gibt. Ich habe zwei Wochen mit 43 Spielern zusammengearbeitet. Denen fehlt kein Talent", sagte Klopp voller Überzeugung nach dem torlosen Unentschieden in Griechenland und ergänzte: "Wir haben ein paar Zeichen gezeigt, dass wir ein paar Dinge besser können als man uns das zugetraut hat."

Daher stieg der 59-Jährige am Montag gelassen in den Flieger nach Frankfurt/Main. Der rotzfreche Philipp Treu hinten rechts, der wuselige Derry Scherhant vorne links und Aleksandar Pavlovic in der Mittelfeldzentrale - sie alle haben Klopp große Zuversicht für eine goldene Zukunft gegeben. "Wenn mir jemand vor einer Woche gesagt hätte, dass wir am Donnerstag und Sonntag so eine Leistung abrufen, dann hätte ich das nicht geglaubt", sagte der erstaunte Klopp.

Zum Match-Center: Griechenland vs. Deutschland

Zehn Debütanten, viele Alternativen

Zehn Profis wie Mika Baur und Yannik Engelhardt verhalf Klopp in seinen ersten vier Spielen zu ihrem Länderspiel-Debüt. "Die haben Lust, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen", stellte Klopp fest. Dieser Weg wurde in vielen Szenen schon deutlich: Vollgas-Fußball, gnadenloses Gegenpressing, totale Leidenschaft. "Ich wollte etwas anschieben, das habe ich auf jeden Fall gesehen. Harte Arbeit, viele Informationen, das Talent läuft den Jungs aus den Ohren raus", sagte Klopp lächelnd.

Jonas Urbig hat sich im Kampf um die Nummer eins im Tor in Stellung gebracht. Malick Thiaw und Yann Aurel Bisseck sind ernsthafte Alternativen für die Innenverteidigung. Und auch der forsche Bambasé Conté belebt den Konkurrenzkampf.

Dieser wird mit den Nations-League-Spielen im November in Serbien und gegen die Niederlande zwangsläufig zunehmen. Einen XXL-Kader wird es dann nicht mehr geben. "Wir werden nicht zwei verschiedene Spiele mit zwei verschiedenen Mannschaften machen", bestätigte Klopp. Man habe jetzt aber "viele Alternativen auf verschiedenen Positionen". So könne man "eine Fußball-Idee weiterentwickeln."

Klopp an der Linie während dem Spiel gegen Griechenland
Klopp an der Linie während dem Spiel gegen GriechenlandFoto von CHRISTIAN CHARISIUS / DPA / DPA PICTURE-ALLIANCE VIA AFP

Tür "sperrangelweit" offen

Spieler aus der U21-Auswahl könnten dazukommen. Zudem sollen sich weitere Profis über ihre Leistungen in den Vereinen empfehlen. "Die Tür", betonte Klopp, "ist offen für jeden. Sperrangelweit." Dabei verspricht er sich schon in fünf Wochen weitere Fortschritte: "Wenn die Spieler demnächst kommen, wird die DFB-Fußballfestplatte nicht komplett leer sein. Wir werden nicht bei Null anfangen."

Damit beruhigte Klopp auch die darbende Fußball-Nation. Denn bei den Ergebnissen ist noch viel Luft nach oben. Fünf Punkte und drei Tore aus drei Spielen, nur Platz drei in der Nationenliga hinter den Griechen und den Niederlanden (je acht) - auch Klopps Erwartungshaltung ist eine andere.

Doch der eingeschlagene Weg benötigt Zeit. Der ehemalige Meistermacher von Dortmund und Liverpool ist kein Messias, der die Hand auflegt und damit Wunder vollbringt. "Es war wichtig, nach einem Trainerwechsel vieles auszuprobieren. Es hat Sinn gemacht, die Spieler aufzuteilen. Man muss den Wettbewerb ernst nehmen, aber auch dem Bundestrainer die Möglichkeit geben, etwas auszuprobieren", sagte DFB-Sportdirektor Rudi Völler bei RTL.

Die ersten Wochen unter Klopp haben auch bei den Spielern Lust auf mehr geweckt. "Das ist wirklich Gänsehaut und bedeutet mir alles", sagte Scherhant über seinen Einstand. Klopp, ergänzte Ersatzkapitän Florian Wirtz, sei "ein Meister darin, dass sich jeder wertgeschätzt fühlt." Sogar die etwas hilflosen Ordner im Toumba-Stadion von Thessaloniki.

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