Niko Kovac kennt die Vorurteile ganz genau. Zu passiv, zu defensiv, zu unattraktiv sei der Stil von Borussia Dortmund, seitdem der Kroate im Amt ist.
Kurz gesagt: Der BVB spiele Kovac-Fußball. "Das hat mal einer in die Welt gesetzt, seitdem steht es wahrscheinlich im Raum", sagte er schon im Sommer über die Kritik, die ihn bis heute begleitet.
Kovac kennt aber auch die Zahlen gut. Ein Blick in die Statistik, betonte der 55-Jährige in der FAZ deshalb, bestätige all das "sicher nicht". Tabellarisch auf Augenhöhe reisen die Dortmunder jedenfalls am Samstag (18:30 Uhr/Sky) zum Gipfeltreffen beim übermächtigen FC Bayern, und doch scheiden sich am Trainer des BVB noch immer die Geister.

Spielt die Borussia zu bieder, zu unansehnlich? Wo bleibt das Spektakel? Es sind Fragen, die je nach Saisonphase in unterschiedlicher Lautstärke rund um den Vizemeister gestellt werden – zum Unverständnis des Chefs.
Match-Center: Bayern vs. Dortmund
Es gibt "noch Luft nach oben"
"Dort, wo Borussia Dortmund spielt, ist viel los auf dem Platz", entgegnete Sport-Geschäftsführer Lars Ricken in der Sport Bild.
Dennoch gab er in dieser Woche zu: "Dass wir noch Luft nach oben haben, ist auch klar. Aber auch da muss ich sagen: Wir haben in dieser Saison rund 50 Spiele. Da ist es gar nicht möglich, nur Hurra-Fußball zu spielen." Dafür aber Kovac-Fußball, der den Abstand zu den Bayern verringert?

Kovac – der den BVB im Februar 2025 von Nuri Sahin übernommen hatte – führte den Klub aus nahezu aussichtsloser Lage in die Champions League, was Ricken dazu veranlasste, von einer der "größten Trainerleistungen in der Geschichte von Dortmund" zu sprechen.
Inzwischen hat sich Kovac den Status als Dauerlösung verdient, nur Thomas Tuchel weist in der jüngeren Vergangenheit einen besseren Punkteschnitt als BVB-Coach vor.
"Ist Attraktivität wichtiger als Erfolg?"
Dennoch lässt in Dortmund das Dauergrummeln nicht nach. Teile der Fans sind mit dem Spielstil unzufrieden, Kovac ist dazu keiner, der ein solches Feuer auf der Südtribüne entfacht, wie es einst etwa ein Jürgen Klopp schaffte – vielleicht sind die Zweifel auch darin begründet.
Kovac ist Pragmatiker. Einer, der in einem unruhigen Umfeld die Grundlagen fordert. Fitness, harte Arbeit, eine stabile Defensive.

Kein Klub, da ist sich Geschäftsführer Carsten Cramer zudem sicher, werde "so kritisch gesehen wie wir. Wir müssen uns schon fast dafür entschuldigen, wenn wir nach vier Siegen in Folge mal unentschieden in der Liga spielen."
Was die sportliche Führung um Kovac aufgebaut habe, sei "außergewöhnlich". Dies werde allerdings "mit einer 0:1-Niederlage bei Bodö/Glimt plötzlich komplett ignoriert. Da fehlt mir das Maß."
Kovac, dessen Team am ehesten die Rolle als Bayern-Herausforderer zugetraut wird, sieht das gelassen. Wer, fragte er, "spielt – außer Bayern München – dauerhaft attraktiv in der Bundesliga?" Und er stellte schon im Mai die Frage: "Ist Attraktivität wichtiger als Erfolg?"
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