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Pfeifkonzerte begleiten Reizfigur Reese: "Kann ich nicht abschütteln"

Reese nimmt die Pfiffe mit nach Hause
Reese nimmt die Pfiffe mit nach HauseČTK / imago sportfotodienst / Ayman Alahmed

Die Anfeindungen in Richtung von Fabian Reese sind mittlerweile ein großes Thema in der 2. Fußball-Bundesliga.

Fabian Reese möchte die Erde zu einem besseren Platz machen. Auf dieses hehre Ziel lässt jedenfalls jenes Zitat schließen, das er als Überschrift für seinen Instagram-Account gewählt hat: "Die Welt verändert sich durch dein Vorbild, nicht durch deine Meinung."

Gesagt hat das Paulo Coelho, einer der bedeutendsten Schriftsteller der Gegenwart. Doch derzeit ist es eher die Meinung der Fanszene über die Vorbildrolle des Profifußballers Reese, die die Welt in der 2. Liga verändert.

Schließlich scheint etwas massiv in Bewegung zu sein, wenn sich ein Trainer wegen der Behandlung eines gegnerischen Spielers gegen die eigenen Fans stellt. Genau das hat Claus-Dieter Wollitz getan. Dem Coach des Aufsteigers Energie Cottbus platzte der Kragen, nachdem Reese von großen Teilen der Energie-Anhänger während der Partie beim VfL Wolfsburg (4:4) ausgepfiffen wurde.

"Was soll das? Ich finde das unmöglich. Warum muss unser Verein oder müssen unsere Fans diesen Spieler auspfeifen? Das gehört sich nicht", wetterte der 61-Jährige: "Was hat dieser Spieler als Mensch getan? Der hat Energie Cottbus nichts getan. Dann bin ich auf seiner Seite. Auch wenn ich dadurch Probleme habe, nehme ich die gerne."

Nichts für Romantiker

Was Reese getan hat? Der gebürtige Kieler war vor der Saison nach drei Jahren im Trikot von Hertha BSC zum finanzkräftigen Bundesliga-Absteiger nach Wolfsburg gewechselt. Auf der einen Seite, weil er beim VfL eine bessere sportliche Perspektive sieht. Auf der anderen Seite, weil die Hertha die rund acht Millionen Euro Ablöse für ihren Ex-Publikumsliebling dringend benötigte.

Doch weil Reese in der Vergangenheit stets seine Verbundenheit mit dem Hauptstadtklub betont hatte und erst im vergangenen Jahr seine Vertragsverlängerung bis 2030 öffentlich inszeniert wurde, ist er in Fankreisen in Ungnade gefallen.

Im Pokal beim Berliner Regionalligisten VSG Altglienicke wurde der 28-Jährige ausgepfiffen, im Ligaspiel in Karlsruhe von den Hertha-Fanfreunden des KSC – und nun von den Cottbuser Anhängern.

Reese belasten die Pfiffe

Da half es auch nichts, dass Reese Anfang August die Nebengeräusche seines Transfers bedauerte. "Wenn jemand wegen meines Wechsels das Vertrauen in die Fußball-Romantik verloren hat, dann tut mir das aufrichtig leid", hatte er in der SZ gesagt.

Reeses Wechsel nach Wolfsburg sorgte für Zündstoff
Reeses Wechsel nach Wolfsburg sorgte für ZündstoffULI DECK / DPA / DPA PICTURE-ALLIANCE VIA AFP

Zuletzt gab Reese offen zu, dass ihn die Schmähungen belasten. "Ich nehme diese Pfiffe nach Hause mit. Ich kann sie nicht so gut abschütteln, vielleicht bin ich da auch zu sensibel für", sagte der Offensivspieler nach der Partie in Karlsruhe: "Irgendwann sollte man in die Zukunft schauen, Vergangenheit vergangen sein lassen. Da hoffe ich drauf. Aber wenn das jetzt so weitergeht, dann muss ich mich damit arrangieren."

Wollitz will das nicht akzeptieren: "Einen Jungen, 28, 29 Jahre, der diesen Traum hat, Fußball zu spielen, den Traum hat, aufzusteigen – die machen den komplett kaputt und gehen nach Hause und lachen sich darüber kaputt."

Ob Wollitz' Worte Gehör finden, wird sich schon am Samstag zeigen. Dann spielt Wolfsburg beim FC St. Pauli. Und vielleicht wird Hamburg für Reese das Tor zu einer neuen Welt.

Match-Center: St. Pauli vs. Wolfsburg