Ganz allein schlich Portugals Kapitän Cristiano Ronaldo im Trainingsanzug über den Rasen im Stadion von Malmö. Abwechselnd spielte der Superstar am Dienstagnachmittag mit seinem Handy und nippte an seinem Kaffee.
Eine halbe Stunde später, als sich an gleicher Stelle die gesamte portugiesische Fußball-Nationalmannschaft auf das kommende Nations-League-Duell mit Dänemark vorbereitete, war der Altstar längst abgezischt.

Die neuerlichen Szenen der Entfremdung zwischen dem Rekordtorschützen Ronaldo und seiner Nationalmannschaft haben die portugiesische Sportpresse in helle Aufregung versetzt.
Match-Center: Dänemark vs. Portugal
Weiterhin keine Einsatzgarantie
Bereits am Rande des Trainings musste Nationaltrainer Jorge Jesus sein Vorhaben bekräftigen, den schmollenden Nationalhelden wieder zu besänftigen. "Ich spreche jeden Tag, jede Minute mit Cristiano Ronaldo", sagte Jesus, der Ronaldo am Sonntag beim 2:1 gegen Norwegen 90 Minuten auf der Bank gelassen hatte.
Am Ende eines "nervenaufreibenden Tages für die Nationalmannschaft" konnte die aufgeregte Fußballnation dann etwas durchatmen.
"Es gab keinerlei Zwischenfall", bekräftigte Jesus auf der Pressekonferenz vor dem nächsten Spiel – auf seinen Altstar setzen wird er wohl trotzdem nicht: "Wenn ich ihn brauche, wird er eingewechselt. Wenn ich ihn nicht brauche, wird er nicht eingewechselt."

Portugals Verbandschef Pedro Proenca hatte aus Sorge bereits alle Termine abgesagt – eigentlich hätte er das Spiel der U21 besuchen wollen – und war ebenfalls am Dienstag zu einem dringlichen Krisengipfel angereist.
Als Ronaldo am Abend ein Bild von sich in portugiesischen Trainingsklamotten postete und darunter ein rotes Herz setzte, schien die Krise überwunden zu sein.
Die Jagd nach dem 1000. Treffer
Selbst der kommende Nations-League-Gegner Dänemark, auf den der Titelverteidiger am Donnerstagabend (20:45 Uhr/DAZN) trifft, hatte bei der Besänftigung geholfen.
"Ich glaube, dass viele Menschen seine Bedeutung für die portugiesische Nationalmannschaft unterschätzen. Wenn er seine Karriere beendet, wird Portugal ein Problem haben", sagte Dänemarks Nationaltrainer Brian Riemer. Ronaldos Vorbildrolle, ungeachtet seiner Tore, sei nicht infrage zu stellen.

Geht es nach Ronaldo, entscheidet ohnehin nur er selbst über seine Zukunft. "Wenn ich das Gefühl habe, dass ich dem Team nichts mehr bringe oder dass ich eine schlechte Stimmung schaffe, werde ich als Erster gehen", hatte er vor der Länderspielpause gesagt. Aber: "Die Portugiesen zählen auf mich. Deshalb bin ich immer noch hier."
Schließlich gibt es da ja noch die 1000-Tore-Marke. Sollte er diesen Meilenstein, für den er noch 21 Tore benötigt, ausgerechnet im Nationaltrikot knacken, wäre "das der krönende Abschluss einer wunderschönen Geschichte", sagte Ronaldo.
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