Auf dem Weg zum letzten Hurra: O'Sullivan peilt achten WM-Coup an

Ronnie O'Sullivan
Ronnie O'SullivanNexpher Images, Nexpher Images Limited / Alamy / Profimedia

25 Jahre nach seinem ersten WM-Titel strebt Ronnie O'Sullivan ab Samstag im legendären Crucible Theatre in Sheffield seinen achten Triumph - und damit den Titel als alleiniger Rekordsieger - an.

Wenn Fans über die größten Sportler aller Zeiten sprechen, geht es oft um populäre Sportarten wie Fußball, Basketball, Formel 1 oder Tennis.

Doch es gibt Ausnahmen. Sei es Muhammed Ali, der in solch einer Aufzählung nahezu nie fehlt, oder auch Tiger Woods. Immer häufiger wird aber auch Ronnie O'Sullivan erwähnt. Gerade in Großbrittanien oder dem asiatischen Raum, wo Snooker nach Fußball mit den obrigen Sportarten in puncto Populariät mithalten kann, kommt man bei der berüchtigten GOAT-Debatte nicht an O'Sullivan vorbei.

Ronnie O'Sullivan: Rekorde sind unzählbar

Kein Wunder, schaut man sich die nackten Zahlen an. "The Rocket" ist seit 1992 auf der Snooker Main Tour dabei, seit 1993 hat er keine einzige Weltmeisterschaft verpasst - seine 34 Teilnahmen in Folge sind ein einsamer Rekord. Zum Vergleich: Stephen Hendry, der gemeinsam mit O'Sullivan Rekordweltmeister ist, steht bei 27 WM-Auftritten in Serie.

Die sieben Weltmeistertitel oder der 34. Sheffield-Besuch in Folge sind aber bei weitem nicht alle Rekorde, die der 50-Jährige hält. Jeder kennt sein legendäres Maximum-Break 1997 im Crucible Theatre, bei dem er die Maximalpunktzahl von 147 in der Rekordzeit von 5 Minuten und acht Sekunden erzielte.

"Es ist nach wie vor mein Lieblingsframe. Ich werde am häufigsten zu diesem Frame angesprochen. Ein Rekord-Maximum im Crucible Theatre zu erzielen war genial und wird für immer ein ganz spezieller Moment bleiben", erzählte O'Sullivan kürzlich, dem insgesamt 17 Maximum Breaks in seiner Karriere gelangen - natürlich auch ein Rekord.

Ronnie O'Sullivan: Steiniger Weg zu achtem WM-Titel

Alle Bestmarken O'Sullivans zu nennen, würde hier aber den Rahmen sprengen. "The Rocket" dominiert die Tour seit über 30 Jahren nach Belieben - und strebt 2026 im Crucible eine neue Bestmarke an.

Auch wenn ihm der Titel des Rekordweltmeisters bereits gehört - noch teilt er diesen eben mit Hendry. Ein achter Triumph wäre ein weiterer Eintrag in die Geschichtsbücher. Die große Frage lautet aber: Ist er dazu überhaupt noch fähig? Sein letzter WM-Titel datiert immerhin aus dem Jahr 2022, seitdem scheiterte er zweimal im Viertel-, einmal im Halbfinale.

Doch aussagekräftiger sind seine Resultate aus der laufenden Saison. Jeder erinnert sich an sein rekordträchtiges 153er Break, das ihm infolge eines Free Balls gelang. Oder seine beiden Maximum Breaks im Halbfinale der Saudi Arabia Masters gegen Chris Wakelin. In einzelnen Turnieren hat O'Sullivan gezeigt, dass er nach wie vor zur absoluten Weltspitze zählt.

Ronnie O'Sullivan: Form rechtzeitig wiedergefunden?

Das Problem ist aber, dass es diese Momente zuletzt immer seltener gab. Zwischen seinen starken Performance in Saudi-Arabien im August und bei der World Open in China, wo er jeweils knapp im Finale unterlag, erreichte O'Sullivan nur ein einziges Viertelfinale.

Klar, O'Sullivan verzichtete bei diversen Turnieren auf eine Teilnahme, plagen ihn doch mittlerweile seit vielen Jahren immer wieder psychische Probleme. Das Aussetzen von Events ist legitim, allerdings tat das O'Sullivans Spiel keinen Gefallen. Ihm fehlte oft die Match-Praxis, das frühe Ausscheiden bei den Wettbewerben tat sein Übriges.

Aber pünktlich zur WM setzte er zuletzt gleich zwei Lebenszeichen. Nach seinem starken Auftritt bei der World Open gewann er vergangene Woche die John Virgo Trophy, die nachdem Tod des legendären Ex-Spielers und BBC-Kommentators Anfang Februar kurzfristig ins Leben gerufen wurde. Bei dem inoffziellen Turnier mit lediglich vier Spielern bezwang er im Finale seinen langjährigen Kontrahenten John Higgins eindrucksvoll mit 6:0. Dabei gelangen ihm Breaks in Höhe von 125, 75, 65, 96 und 73 Punkten.

Ronnie O'Sullivan muss sich wohlfühlen

"Ich habe vor ein paar Wochen angefangen, wieder ganz gut zu spielen", sagte O'Sullivan nach dem Finale. "Ich habe drei Jahre lang sehr schlecht gespielt, eigentlich fast jeden Tag. Ich hatte das Gefühl, dass ich nie wieder einen Tag erlebe, an dem es sich gut anfühlt. Aber im vergangenen Monat war es in Ordnung, es war schön, sich am Tisch wohlzufühlen."

Genau das ist letztlich das richtige Stichwort. Sollte O'Sullivan nach 2022 wieder das Finale erreichen, muss er sich über die 17 Turniertage allen voran wohlfühlen. Denn es ist nichts neues, dass O'Sullivan infolge seiner mentalen Schwierigkeiten am Snooker-Tisch meist selbst sein härtester Gegner ist. Schafft er es, mit sich selbst im Reinen zu sein, ist der achte WM-Titel definitiv kein unrealistisches Ziel.