Der stille Held des Berliner Auftaktsieges huschte in Badelatschen davon. Soufian Gouram schnappte sich im Bauch des Stadions "ein alkoholfreies Bier" und verschwand in den Katakomben.
Das Reden über den vorerst geglückten Neuanfang bei Hertha BSC und das 1:0 beim VfL Bochum übernahmen andere.
Gouram sei "ein klassischer Straßenkicker, die gibt es nicht mehr so häufig", sagte beispielsweise sein Mitspieler Niklas Kolbe.
Im Eröffnungsspiel der 2. Bundesliga hatte der 20-Jährige sein Startelf-Debüt gefeiert und direkt seine Klasse aufblitzen lassen, indem er den Torschützen Sebastian Grönning (39.) aus zentraler Position mit einem feinen Steckpass bediente. "Wenn er sich das beibehält, dann entwickelt er sich brutal", sagte Kolbe.

Hertha setzt notgedrungen auf Eigengewächse
Der Stern des gebürtigen Berliners geht für die durchgerüttelte Hertha zur rechten Zeit auf: 13 teils prominenten Abgängen wie dem Schlüsselspieler Fabian Reese (zum VfL Wolfsburg) steht bisher nur ein Zugang gegenüber. Trainer Stefan Leitl wird zur Kreativität geradezu gezwungen.
"Wir hatten fünf Spieler aus der eigenen Akademie in der Startelf. Wir haben elf Spieler aus der eigenen Akademie im Kader. Ich glaube, das ist einzigartig im deutschen Fußball, und das macht mich stolz, dass die Jungs performen", sagte Leitl.
Der Trainer hatte trotz des Aderlasses vehement Optimismus verbreitet. Sein "richtig gutes Gefühl" angesichts einer guten Vorbereitung bestätigte sich am Freitagabend.
Gar nicht so "überraschend" sei daher der Sieg, der nach der Pause allerdings mit einer Abwehrschlacht gerettet werden musste. Feingeist Gouram verließ dafür rechtzeitig in der 63. Minute das Feld.

Zweite Chance genutzt
"Ich habe sozusagen einen Fuß in die Tür bekommen. Es liegt jetzt alles an mir", hatte der Sohn eines Marokkaners und einer Estin in der Vorbereitung über seine Chance gesagt.
Nicht noch einmal wollte der Jugendnationalspieler Estlands an der Tür abgewiesen werden. Im Alter von elf Jahren war er aus der Nachwuchsabteilung weggeschickt worden, um zwei Jahre später wieder aufgenommen zu werden.
Die Rolle rückwärts ist in Berlin nichts Ungewöhnliches. Die Hertha, die den "Berliner Weg" mit Nachwuchsspielern bereits nach ihrem Bundesliga-Abstieg 2023 ausgerufen hatte, war im Sommer unter Verkaufsdruck.
Nun muss es der eigene Nachwuchs um Gouram, Abwehrspieler Linus Gechter (22) und Julian Eitschberger (22) richten. "Wir brauchen ihn. Er macht diese Aktionen", sagte Torschütze Grönning über Gouram.
