Preisgeld-Streit in Roland Garros: Profis verschärfen Ton gegenüber Grand Slams

Auf dem Court Suzanne Lenglen werden auch 2026 die French Open ausgetragen.
Auf dem Court Suzanne Lenglen werden auch 2026 die French Open ausgetragen.MUSTAFA YALCIN / ANADOLU VIA AFP

Der Konflikt zwischen der Tennis-Elite und den Grand-Slam-Veranstaltern spitzt sich zu. Nachdem die French Open ihre Preisgelder für 2026 bekannt gaben, reagierten Topstars wie Jannik Sinner und Aryna Sabalenka am Montag mit einem Schreiben, in dem sie ihre "tiefe Enttäuschung" über die finanzielle Entwicklung des Turniers äußerten.

Bereits im Vorjahr hatten fast alle führenden Profis in zwei Briefen an die vier Majors umfassende Reformen gefordert: einen Zielanteil von 22 Prozent der Turniereinnahmen (analog zu den 1000er-Events der ATP und WTA), Einzahlungen in einen Fürsorgefonds für Altersvorsorge und Mutterschaftsleistungen sowie ein offizielles Mitspracherecht bei strategischen Entscheidungen.

Die Spieler kritisieren die jüngste Erhöhung der French-Open-Preisgelder um 9,5 Prozent als unzureichend. Die Zahlen verdeutlichen das Problem: Während das Turnier im Vorjahr seinen Umsatz um 14 Prozent auf 395 Millionen Euro steigerte, wuchs der Preisgeldtopf lediglich um 5,4 Prozent.

Damit sank der Anteil der Spieler an den Gesamteinnahmen auf 14,3 Prozent. Auch für das laufende Jahr wird bei erwarteten Rekordumsätzen von über 400 Millionen Euro mit einer Quote von unter 15 Prozent gerechnet.

Zudem wirft die Spielergemeinschaft den Verantwortlichen vor, strukturelle Themen wie die Spielerfürsorge oder formelle Mitspracheprozesse schlichtweg zu ignorieren. "Es gab keinerlei Fortschritt bei der Einbindung der Spieler in Entscheidungsprozesse", heißt es in der Stellungnahme.

Geschlossene Front der Weltspitze

Obwohl die Unterzeichnerlisten offiziell unter Verschluss gehalten werden, ist bekannt, dass unter anderem zehn der elf bestplatzierten Frauen sowie Stars wie Sinner, Zverev und Alcaraz die Forderungen unterstützen. Novak Djokovic, der den zweiten Brief im Sommer sowie das aktuelle Schreiben laut AFP-Informationen nicht unterzeichnete, bleibt dem Protest dennoch über seine 2021 gegründete PTPA verbunden.

Iga Swiatek verlieh der Frustration bereits bei den WTA Finals Ausdruck: "Es wäre großartig, wenn die Grand Slams endlich mit uns sprechen würden. Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum es keinen offeneren Austausch gibt."

Parallel dazu geht die PTPA juristisch gegen fast alle großen Tennisverbände vor. Ein markantes Beispiel aus der Klage gegen die US Open verdeutlicht die finanzielle Schieflage: Allein durch den Verkauf des Spezialcocktails "Honey Deuce" nahmen die US Open 2024 rund 12,8 Millionen Dollar ein – mehr, als das Preisgeld für beide Einzelsieger zusammen betrug.